In der vergangenen Woche ist der französische Verteidigungsminister Sébastien Lecornu in Begleitung der Spitzenvertreter seines Hauses vor die Hauptstadtpresse getreten, um Frankreichs Rüstungsstrategie im Kontext der Ukraine-Unterstützung zu erläutern. Der hochintensive russische Angriffskrieg mitten in Europa erfordere „eine schnellere Produktion und größere Mengen“ von Rüstungsgütern, so Lecornu vor Journalisten. Dabei verwies der Ressortchef auf die Forderung von Staatspräsident Emmanuel Macron nach dem Beginn des russischen Großangriffs vor zwei Jahren, wonach Frankreich in letzter Konsequenz auf Kriegswirtschaft umstellen müsse.

„Die Streitkräfte“, so Lecornu, „stützen sich auf eine völlig souveräne und autonome verteidigungsindustrielle und wehrtechnische Basis.“ Konkret sei das Land bei der Beschaffung von Waffen weder von Russland noch von China und sogar nicht einmal von den USA abhängig. Diese Rüstungsautarkie gehe zurück auf General Charles de Gaulle, den Gründer der V. Republik. „Das“, so der Minister, „erlegt uns auf, über eine Verteidigungsindustrie zu verfügen, die Erfolge beim Export erzielt und die es uns erlaubt, unsere Streitkräfte souverän in einem Konflikt einzusetzen.“
MGCS
Erfolge beim Export sind aus französischer Sicht auch ein zentraler Aspekt bei den komplexen und kostenintensiven multilateralen Rüstungsprojekten: beim deutsch-französisch-spanischen FCAS-Projekt (Future Combat Air System) für das künftige Kampfflugzeug-„System-of-Systems“ und beim deutsch-französischen MGCS-Projekt (Main Ground Combat System) für das künftige Kampfpanzer-„System-of-Systems“. Bei letzterem steht die Nachfolge für die Kampfpanzer „Leclerc“ und „Leopard 2“ im Mittelpunkt.
Zu MGCS hatte sich in der Woche vor dem Pariser Pressetermin Lecornu mit seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius in Berlin getroffen, um eine Vereinbarung über die Verteilung der industriellen Aufgaben für den zukünftigen Kampfpanzer zu treffen. Das zu realisierende Projekt soll in mehrere technologische Säulen unterteilt werden. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Aufgaben für die deutschen und französischen Unternehmen zu gleichen Teilen auf jeder dieser Säulen industriell verteilt werden.

Trotz des geplanten Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) sei immer „‚the man in the loop‘ und damit tatsächlich im Mittelpunkt der Entscheidungen“, so Martial Mornet, als Fähigkeitsplaner zuständig für MGCS bei der Pariser Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction Générale de l’Armement). „MGCS steht ganz auf der Linie des kooperativen und informationsbasierten Ansatzes, wie dieser durch das System ‚Scorpion‘ in die Wege geleitet worden ist“, ergänzte Delphine Dufourd-Moretti, Ingénieur en Chef de l’Armement (ICA) im Range eines Obristen und zuständig für Landsysteme in der DGA.
Gerd Portugall















