Vor dem Hintergrund wiederholter russischer Drohungen mit Atomwaffen und zunehmenden Zweifeln am nuklearen Schutzschirm der USA hat die „Defence Nuclear Enterprise“ (DNE) des britischen Verteidigungsministeriums in der vergangenen Woche das 44-seitige „Defence Nuclear Command Paper“ mit dem Titel „Die nukleare Abschreckung des Vereinigten Königreichs als nationale Anstrengung“ veröffentlicht. Vorgestellt wurde diese Ausgabe des Grundlagendokuments in London zum ersten Mal von Verteidigungsminister Grant Shapps, der seit August des vergangenen Jahres dieses Amt bekleidet.
U-Boot-Waffe als Rückgrat
Rückgrat der nuklearen Abschreckung Großbritanniens ist die U-Boot-Waffe. Mehr als 200 Millionen Pfund Sterling (233 Millionen Euro) sollen in die Heimat des britischen U-Boot-Baus in Barrow-in-Furness im Nordwesten Englands investiert werden, wo sich mit der BAE Devonshire Dock Hall die größte Marineschiffbauhalle in Europa befindet. In den kommenden vier Jahren ist geplant, insgesamt mehr als 5.000 neue Ausbildungsplätze und eine Vervierfachung der Doktorandenstellen im Nuklearsektor im Rahmen eines neuen nuklearen Qualifikationsplans zu schaffen. Insgesamt sollen Investitionen von mindestens 763 Millionen Pfund (889 Millionen Euro) in die Partnerschaft von Regierung und Industrie – darunter BAE Systems, Rolls-Royce, EDF Energy und Babcock International – fließen. Davon profitieren können u.a. die HM Naval Base Clyde in Schottland, wo die vier britischen Atom-U-Boote der „Vanguard“-Klasse stationiert sind, sowie die Nuklearlaboratorien des AWE (Atomic Weapons Establishment) im südenglischen Aldermaston.

Die derzeit in der Nutzung befindliche, nuklear angetriebene und bewaffnete „Vanguard“-Flotte würde beibehalten. Außerdem würden die neuen Atom-U-Boote der „Dreadnought“-Klasse weiterentwickelt, um sie in den frühen 2030er Jahren in Dienst stellen zu können. Darüber hinaus sollen die nuklear angetriebenen, aber konventionell bewaffneten U-Boote der „Astute“-Klasse im Dienst verbleiben und die nächste Generation der SSN-AUKUS-Flotte weiterentwickelt werden. Bis 2024/25 soll auch die dazugehörige Infrastruktur mit zusätzlichen drei Milliarden Pfund (3,5 Milliarden Euro) erneuert und modernisiert werden. Aktuell stehen im Mittelpunkt des AUKUS-Bündnisses – gebildet von Australien, dem Vereinigten Königreich und den USA – noch zu entwickelnde nuklear angetriebene, aber konventionell bewaffnete U-Boote.
Hochrangige Stellungnahmen
„Die Bedrohungen, mit denen das Vereinigte Königreich und seine Verbündeten konfrontiert sind“, so Minister Shapps bei der Vorstellung des neuen Regierungspapiers, „nehmen an Ausmaß, Komplexität und Vielfalt zu.“ Deshalb sei die nukleare Abschreckung „für unsere nationale Sicherheit von grundlegender Bedeutung.“ Sie bringe „aber auch enorme Beschäftigungs- und Qualifikationsmöglichkeiten mit sich“, so der Ressortchef. Das britische U-Boot-Programm betreffe nämlich schätzungsweise 42.000 Arbeitsplätze und eine Lieferkette von rund 3.000 Unternehmen.
Madelaine McTernan, Chief of Defence Nuclear im Ministerium, ergänzte in diesem Zusammenhang, dass damit „einige der komplexesten Programme“ durchgeführt würden. Admiral Sir Ben Key, Erster Seelord und Chef des Marinestabes, verwies dabei auf die „nationalen Bemühungen, die nukleare Abschreckung des Vereinigten Königreichs für die nächste Generation und darüber hinaus zu gewährleisten.“
Gerd Portugall













