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Die trilaterale Marine-Übung im Indischen Ozean mit Beteiligung der russischen Marine, der Marine der Volksbefreiungsarmee Chinas und der südafrikanischen nationalen Verteidigungskräfte mit dem Namen Mosi II – ins Deutsche zu übersetzen mit Rauch, Dampf oder Nebel – ist am 27. Februar zu Ende gegangen. Dabei kam es nicht zum Abschuss eines Zirkon-Flugkörpers, wie im Vorfeld spekuliert worden war.

Bezüglich der chinesischen und der russischen Übungsteilnehmer blieb es bei den in früheren Berichterstattungen genannten Einheiten. Aus China wurde die Task Force 42 entsandt. Zu ihr gehören der Lenkwaffenzerstörer der Klasse 052D „Huainan“ (Hullnummer 123), die Fregatte „Rizhao“ (598) (Klasse 054A) und der Einsatzgruppenversorger, Klasse 903, „Kekexilihu“ (968).

Die russische Fregatte „Admiral Gorshkov“ (Hullnummer 454) befindet sich seit Ende vergangenen Jahres mit dem Tanker „Kama“ auf einer Langstreckenfahrt. Nach einem Hafenaufenthalt in Kapstadt am 14./15. Februar lief die den hyperschallschnellen Flugkörper Zirkon tragende Fregatte am Morgen des 19. Februar in Durban ein.

Letztendlich reichte es auf Seiten des Gastgebers Südafrika zum Einsatz der Fregatte „Mendi“. Von den angekündigten drei teilnehmenden südafrikanischen Marineeinheiten verblieb somit eine, was durchaus als Anzeichen für die Einsatzfähigkeit der Marine gedeutet werden kann. Die budgetäre Talfahrt der Streitkräfte bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den materiellen und personellen Klarstand. Waren schon zu Zeiten von Übungen wie Good Hope mit der Deutschen Marine Defizite in der Besetzung von Dienstposten und im individuellen Ausbildungsstand einzelner Besatzungsmitglieder zu verzeichnen, so scheint sich die Situation weiter verschlechtert zu haben.

Die operativen Anteile der Übung vom 25. bis 27. Februar lesen sich in der offiziellen russischen Berichterstattung folgendermaßen der Abteilung für Information und Massenkommunikation des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation vom 27. Februar wie folgt: „Drei Tage lang erarbeiteten die Teilnehmer der Übung die Bildung einer multinationalen Abteilung von Kriegsschiffen im ausgewiesenen Gebiet, gemeinsames taktisches Manövrieren in verschiedenen Formationen und Kampfaufträgen, Minenverteidigungsaufgaben an Seeübergängen mit Beschuss eines Ziels, das eine schwimmende Mine simuliert.“ Darüber hinaus gehörten Seezielschießen, Geiselbefreiung, Seenotrettung und Mann-über-Bord zum Übungskatalog. „In mehreren Episoden der Übung war ein Ka-27-Schiffshubschrauber an Bord der Fregatte der Nordflotte „Admiral der Flotte der Sowjetunion Gorshkov“ beteiligt“, so das russische Online-Kommuniqué.

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Admiral Nikolai Evmenov bei seiner Ansprache an Bord der „Admiral Gorshkov“, Foto: Abteilung für Information und Massenkommunikation des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation

Politische Betrachtungen – Sicherheitspolitische Implikationen

Nicht nur durch den mutmaßlichen Einsatz des hyperschallschnellen Waffensystems Zirkon beschäftigte die Übung in den südafrikanischen Gewässern des Indischen Ozeans die internationalen Beobachter. Die oppositionelle Democratic Alliance (DA) protestierte vehement gegen die Ansetzung des Manövers. Der DA-Bürgermeister von Kapstadt  argumentierte gegen das Einlaufen der „Admiral Gorshkov“ in seiner Stadt. Im US-Kongress wurde am 21. Februar ein neuer Gesetzesentwurf zur Diskussion gestellt, der sich im Grunde gegen Südafrika richtet und die Übungen der südafrikanischen Streitkräfte mit der Volksrepublik China und der Russischen Föderation explizit aufgreift.

Dass sich Pretoria nicht in die Anti-Russland-Front einreiht, wurde mit dem Abstimmungsverhalten in den Ukraine-Resolutionen der UN-Vollversammlung deutlich. Die Republik am Kap der Guten Hoffnung gehörte jeweils zu den Ländern, die sich enthielten.

Russland

Die Durchführung dieser Übungen macht den strategischen Wandel des Schwarzen Kontinents, der sich nicht nur in Südafrika vollzieht, deutlich. Regionale Beobachter vermerken eine Zunahme russischer Marinepräsenz im Indischen Ozean in den vergangenen zehn Jahren. Russland hat gemeinsam mit China und dem Iran Marineübungen im nördlichen Indischen Ozean durchgeführt. Der zu erwartende Militärstützpunkt in Bur Sudan am Roten Meer wird Moskaus strategische Reichweite und Präsenz in Afrika und darüber hinaus bis in den Nahen und Mittleren Osten erhöhen. Russlands Söldner der Wagner-Gruppe sind in West- und Zentralafrika im Einsatz. Nicht nur zur Bekämpfung von islamistischen Gruppen, sondern auch zur Beeinflussung der Regierenden und Manipulation für Zwecke des Kreml.

Der Kreml nutzt Gelegenheiten wie Mosi II als Mittel strategischer Kommunikation. Was durch die Gegenwart des Oberbefehlshabers der Seestreitkräfte der Russischen Föderation, Admiral Nikolai Evmenov, zum Tag des Verteidigers des Vaterlandes am 23. Februar in Richards Bay noch bekräftigt wurde.

China

Andererseits ist Mosi II ein weiteres Beispiel für die wachsende chinesische Marinepräsenz im Indischen Ozean. China unterhält seit 2017 einen Militärstützpunkt in Djibouti und pflegt enge Beziehungen zu Ländern im westlichen Indischen Ozean wie Kenia, Tansania und Madagaskar. Die Marineübungen mit Russland und Südafrika, der Ausbau der Beziehungen zum Iran wie auch zu Pakistan, die sich abzeichnende Errichtung einer Militärbasis im pakistanischen Gwadar, die Ankündigung vom Januar 2023, in Djibouti einen Weltraumbahnhof aufzubauen: Dies alles deutet nicht nur auf die wachsende chinesische Präsenz im Indischen Ozean hin, sondern schafft auch Unruhe im strategischen Gleichgewicht im Indischen Ozean wie auch in Afrika.

Indische Stimmen bewerten Übungen wie Mosi dahingehend, dass die Geopolitik im Indischen Ozean auf mehr Unsicherheit und Wandel zusteuert. Die potenzielle chinesisch-russische strategische Zusammenarbeit im Indischen Ozean hat geopolitische Auswirkungen nicht nur für Indien, sondern auch für die anderen Partner des vierseitigen Sicherheitsdialogs (Australien, Japan und die USA).

Frankreichs neue Afrikastrategie

Demgegenüber positioniert sich Frankreich neu. Unter der neuen Afrikastrategie, die am 27. Februar vorgestellt wurde, kündigte Staatspräsident Emmanuel Macron an, dass Frankreichs neue Rolle in Afrika weniger von der Sicherheits- und Militärfrage geprägt sein wird. Er will einen „Übergang von einer Logik der Hilfe zu einer Logik der solidarischen und partnerschaftlichen Investition“. Dies werde sich in den nächsten Monaten vollziehen und ginge „mit einer sichtbaren Verringerung unserer Personalstärke und einer gleichzeitigen Erhöhung der Präsenz unserer afrikanischen Partner in diesen Stützpunkten“ einher. Frankreich will weg von der aus seiner Sicht entstandenen Logik, es halte für die Gewährleistung von Sicherheit den Kopf hin, während andere die Geschäfte machen.

Das Problem liegt tiefer

Mosi II kann auch als Indiz verstanden werden, dass die von der westlichen Staatengemeinschaft erhoffte Isolierung Moskaus infolge der völkerrechtswidrigen Invasion in die Ukraine im globalen Süden nicht die erwarteten Früchte trägt. Dem Kreml ist es gelungen, in Afrika seine Version zu vermarkten. In der kürzlichen Abstimmung in der UN-Generalversammlung gehörten erstmals zwei afrikanische Staaten zu den sieben ablehnenden Stimmen. Auffällig: von den 32 Enthaltungen stammen 14 aus Afrika. Es gab 13 Abstinenten, davon sechs afrikanische Nationen.

Auch wenn Russland gegen das Völkerrecht verstößt, so steht der ‚kollektive Westen‘ in Afrika einer ebenso nüchternen wie drastischen Wahrheit gegenüber: Die von ihm unter Berufung auf seine wertebasierte Ordnung proklamierte Unterstützung der Ukraine wird verweigert. Das regelbasierte System wird in Frage gestellt, weil es aus afrikanischer Sicht und den Erfahrungen, die der Schwarze Kontinent damit gemacht hat, nicht konsequent angewendet wird.

Hans Uwe Mergener