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Der General der US Army Christopher Cavoli ist in der vergangenen Woche vom US-Senat für die Führung der US-Streitkräfte in Europa und für das Amt des Oberbefehlshabers der NATO in Europa (SACEUR) bestätigt worden. Cavoli, der zurzeit als Befehlshaber United States Army Europe and Africa fungiert, wird dem Luftwaffengeneral Tod Wolters folgen. Die Übernahmezeremonie ist für den 1. Juli vorgesehen, also im Anschluss an den NATO-Gipfel in Madrid.

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General Christopher Cavoli, Foto: US Army

Der 1964 in Würzburg geborene General trat 1987 nach Abschluss eines Biologiestudiums an der Princeton University als Infanterist in die US-Streitkräfte ein.

In seinem Lebenslauf sind Positionen in den USA, in Europa und Asien gelistet, darunter Kommandeursverwendungen in der Infanterie und einer Panzerdivision. Er diente als stellvertretender Befehlshaber des Regionalkommandos West in Herat, Afghanistan, und als Stellvertretender des Kommandierenden Generals Operationen der 82nd Airborne Division.

Im Pentagon war er unter anderem Abteilungsleiter Russland, Deputy Executive Assistant des US-Generalstabschefs und Direktor der Koordinierungsgruppe des Generalstabschefs des Heeres. Der Vier-Sterne-General spricht Französisch, Italienisch und Russisch und verfügt über einen Master-Abschluss in Osteuropäischen Studien.

Anders als bei vielen seiner Vorgänger ist die To-Do-Liste des neuen SACEUR mit operativen Aufgaben prall gefüllt. Dabei wird er nicht zu einem Kaltstart gezwungen. Denn seit 2018 führt er die US Army Europe. Das Kommando wurde 2020 um den Verantwortungsbereich Afrika erweitert. Unter seiner Ägide liefen eine Reihe von umfangreichen und bedeutenden NATO-Übungen. So wurden im Rahmen der Übung Defender 2020 rund 20.000 US-Soldaten/innen nach Europa gebracht. Nicht nur wegen der zusätzlichen 17.000 europäischen Truppen gilt die Übung als die größte der NATO seit dem Ende des Kalten Krieges. Auch reichte der Übungsraum von Finnland bis Rumänien und bezog die NATO-Partnerländer Finnland und Schweden mit ein.

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine koordiniert Cavoli die alliierten Truppenbewegungen, insbesondere die der Landstreitkräfte. Der neue SACEUR wird das neue strategische Konzept der NATO umzusetzen haben, dessen Verabschiedung zum Programm des Madrider Gipfels gehört. Darüber hinaus wird er sich neben der Auseinandersetzung mit Russland den Ansprüchen der östlichen Bündnispartner, insbesondere der Forderungen der baltischen Staaten nach erhöhter Präsenz, und der Integration Finnlands und Schwedens widmen müssen. Auch die Koordinierung mit der Europäischen Union, eine Zusammenarbeit, die in den letzten Monaten Fahrt aufgenommen hat, wird zu seinem Aufgabenkatalog gehören.

Hans Uwe Mergener