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Sébastien Lecornu ist am 20. Mai zum neuen französischen Verteidigungsminister ernannt worden. Dem Reserve-Leutnant der Gendarmerie wird eine gewisse Nähe zum Präsidenten Emmanuel Macron nachgesagt.

Der 35-Jährige hatte bereits drei leitende Funktionen in der ersten Amtszeit von Macron inne: von 2017 bis 2018 als Staatssekretär beim Minister für den ökologischen Wandel, 2018 bis 2020 als Minister für Gebietskörperschaften und seit 2020 als Minister der Überseegebiete.

Lecornu ist für die französischen Streitkräfte zwar als Minister eine unbekannte Größe, doch ist er auf im Bereich Verteidigung kein Novize. Laut der Monatszeitschrift der Gendarmerie ‚L’Essor‘ wurde er 2012 zum Leutnant der Reserve bei der Gendarmerie befördert. Dies ist die für Personen aus hohen Positionen des öffentlichen Lebens vorbehaltene Laufbahngruppe – ähnlich der in der Bundeswehr existierenden Laufbahn für Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung. Ein Lebenslauf wurde vom französischen Verteidigungsministerium bisher noch nicht veröffentlicht. ‚Le Figaro‘ bezeichnet ihn als Oberst der Reserve.

Macron hat sich inmitten einer für die Zukunft Europas determinierenden Zeit für den Wechsel an der Spitze eines Schlüsselministeriums entschieden. Der Wechsel wird von Beobachtern in Paris mindestens als eine Öffnung des Elysée gegenüber dem rechten Flügel gedeutet.  Schon als Jugendlicher war Lecornu Mitglied der ‚Union pour un mouvement populaire‘ (UMP). Die Partei, die dem rechten politischen Spektrum zugeordnet wird, unterstützte die früheren Regierungen von Jacques Chirac und von Nicolas Sarkozy. In dessen Zeit als Parteivorsitzender fällt die Umbenennung in ‚Les Républicains‘.

Der neue Minister wird die jüngsten Steigerungen des Verteidigungshaushalts, die seine Amtsvorgängerin Florence Parly durchgesetzt hat, in Projekte umsetzen müssen. Ebenso die von der Ministerin eingeleitete Modernisierung der Streitkräfte, eine Reform der Arbeitsabläufe zwischen Ministerium und Truppe sowie die Steigerung der Attraktivität der Arbeitsplätze in den Streitkräften.

Pariser Medien sehen eine weitere Aufgabe für den neuen Verteidigungsminister darin, die Rüstungsexporte zu unterstützen. Der Verkauf von Rüstungsmaterial hat Berichten zufolge in den letzten fünf Jahren einen Rekordwert von 65 Milliarden Euro erreicht und wird als entscheidend für die Sicherung der französischen Rüstungsprogramme angesehen.

Hans Uwe Mergener