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In einem Rahmenvertrag hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die Lieferung von bis zu 500 ungeschützten, geländegängigen Verwundetentransportfahrzeugen (Lkw UVT gl) vereinbart. Der Vertrag mit dem Hersteller IVECO Magirus AG hat eine Laufzeit von 15 Jahren, wie das BAAINBw mitteilt. Damit werden die rund 40 Jahre alten Krankenkraftwagen (KrKw) und Beweglichen Arzttrupps (BAT) auf Basis des Zwei-Tonner-Unimogs abgelöst.

In der ersten fest bestellten Tranche liefert IVECO Magirus 294 Fahrzeuge mit Sanitätskofferaufbau einschließlich Sanitätsausstattung und Zubehör für 244 Millionen Euro. 2022 sollen die ersten Lkw UVT an die Bundeswehr geliefert werden und nach erfolgreicher Nachweisführung ab Anfang 2023 auch der Truppe zur Verfügung stehen. Diese erste Tranche soll bis 2027 vollständig ausgeliefert sein, wie aus der Mitteilung des BAAINBw hervorgeht.

Als Trägerfahrzeug dient der IVECO 4×4 Eurocargo MLL 150 E 28 WS mit 207-kW-Euro-VI-Dieselmotor, von dem bereits viele hundert Exemplare über den Mobilitätsservice der BwFuhrparkservice in der Truppe genutzt werden.

Ungeschützte Fahrzeuge für den Verwundetentransport
Die Iveco-Transportfahrzeuge verfügen über einen neuartigen Tragentisch (Foto: Iveco-Binz)

Bundeswehr-Mobilitätsklassifizierung A, permanenter Allradantrieb, Längs- und Quer-Differentialsperren, große Bodenfreiheit, Single-Bereifung mit Notlauffunktion sowie hohe Watfähigkeit (1,20 m) ermöglichen den Angaben zufolge den schonenden Transport eines Verwundeten auch abseits befestigter Straßen.

Der erneut zum Einsatz kommende konzerneigene 6-Zylinder-Dieselmotor ist laut Hersteller trotz Zulassung aller UVT gemäß der ab 01.01.2022 geltenden neuesten Abgasvorschrift EURO-VI-Step E dank der Hi-SCR-Only-Abgasreinigung ohne Abgasrückführung auch weiterhin kompatibel mit dem Single-Fuel-Einsatzkonzept und damit auch in Katastrophen- und Krisen-Szenarien weltweit einsetzbar.

Ungeschützte Fahrzeuge für den Verwundetentransport

Für die notfallmedizinische Versorgung wird der hintere Kofferaufbau (EMPL) von BINZ Ambulance- und Umwelttechnik mit Sanitätstechnik und-geräten nach dem neusten Stand der Technik ausgerüstet. Ein neuartiger und besonders weit ausfahrbarer Tragentisch ermöglicht die ebenerdige Verlastung eines Verwundeten auf allen üblichen Tragen (militärisch und zivil) durch einen Sanitäter ohne weitere Hilfsmittel.

Das Fahrzeug ist mit BOS-Behördenfunk (BOS: Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ausgestattet zur Kommunikation mit allen zivilen Rettungs- und Katastrophenhilfskräften sowie der Polizei. Schnittstellen zur Aufnahme einer umfangreichen militärischen Funk- und Führungsausstattung sind ebenfalls vorhanden. Damit können die Fahrzeuge einsatz- und missionsspezifisch durch Ausstattung mit militärischen Geräten für Truppen- und Bündelfunk, Satellitenkommunikation, einer Schutzausstattung (Jammer) sowie eines Führungssystems erweitert werden.

Mit den neuen Lkw UVT gl wird der qualifizierte Verwundetentransport im Grundbetrieb wie auch in den Einsatzgebieten der Bundeswehr sichergestellt. Die Fahrzeuge werden unter anderem in Unfallbereitschaften eingesetzt und erfüllen die gesetzlichen Anforderungen an moderne Rettungsmittel im zivilen Sektor (vergleichbar mit einem RTW Typ C gemäß DIN-EN 1789). Auf militärischen Flugplätzen sind sie Bestandteil des Einsatzspektrums der Flugunfallbereitschaften.

Gerhard Heiming