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Mit einer 4×4-Variante hat Rheinmetall die autonomen unbemannten Bodenfahrzeuge (Autonomous Unmanned Ground Vehicle, A-UGV) der Mission Master Serie um eine neue Klasse XT erweitert. Ein Dieselantrieb und eine Tonne Nutzlast sind neben dem 4×4-Laufwerk die Unterscheidungsmerkmale zum eingeführten 8×8 Mission Master SP (Silent Partner).

Für den neuen XT haben die Entwickler ein Chassis ausgewählt, das mit einer Tonnen Nutzlast deutlich mehr tragen kann als der eingeführte SP. Die Grundfläche des Fahrzeugs ist auf 2,57 m x 3,72 m angewachsen, so dass bei einem Eigengewicht von 2,3 Tonnen auch bei voller Auslastung der Nutzlast von einer Tonne die amphibischen Fähigkeiten nicht eingeschränkt werden. Die traditionelle Technik sorgt vor allem für geringere Versorgungszeiten (downtime) und die Nutzung eingeführter Betriebsstoffe. Dafür wurde in Kauf genommen, dass der XT nicht lautlos schleichen kann.

Die Regelung der Antriebs- und Bremskräfte erfolgt über ein hydrostatisches Getriebe einzeln für jedes Rad. Damit wird ein Wenden um die Hochachse möglich. An der Schnittstelle zum Boden kommen großvolumige Niederdruck-Spezialreifen zum Einsatz, deren Luftdruck im laufenden Betrieb bis maximal 0,3 bar eingestellt werden kann. Der Bodendruck von 0,1 bar lässt denn Mission Master auch da noch fahren, wo niemand mehr gehen kann. Das Spezialprofil der Reifen ermöglicht, Steigungen bis 70 Prozent zu überwinden. Die zulässige Seitenneigung liegt bei 40 Prozent. Die Reifen sind auch gegen Verletzungen widerstandsfähig. Selbst Löcher mit 2,5 cm Durchmesser führen bei der stabilen Karkasse und dem Druckausgleich der Reifendruckregelanlage nicht zum Versagen.

Neue Klasse Mission Master XT
Foto: Rheinmetall

Für die Führung des Fahrzeugs setzt Rheinmetall auf das PATH (Proven Agnostic, Trusted Highly Autonomous) Autonomous Kit (A-Kit), das im Zuge des Mission Master SP entwickelt worden ist. Standardmäßig führt der Bediener sein Fahrzeug über einen Tablet-PC, mit dem er auch bei allen anderen Funktionen der Mission-Einbauten immer „in-the-loop“ ist. Sensoren liefern Informationen aus der Umgebung des Fahrzeugs, die u.a. mit künstlicher Intelligenz ausgewertet und für den Bediener auf Karten dargestellt werden. Hierzu gehören Weg- und Hinderniserkennung, Zieldarstellung, -klassifizierung und -verfolgung. Die Routen- und die Missionsplanung werden unterstützt. Dabei kann der Bediener wählen zwischen Follow-me-Modus, bei dem das Fahrzeug einer vorher gehenden Person oder einem vorher fahrenden Fahrzeug in festem Abstand folgt, und dem autonomen Modus, bei dem das Fahrzeug über Wegpunkte allein den Weg zum Ziel findet.

Zur Entlastung des Bedieners und zur Optimierung des Fahrverhaltens kann die Reifendruckregelung den Reifendruck automatisch an die Bodenverhältnisse anpassen und so ständig optimale Traktion herstellen.

Der XT kann auch „aufgesessen“ gesteuert werden, z.B. im Feldlager oder bei der Instandsetzung. Die fahrzeugeigenen Bedienelemente sind erhalten geblieben.

Mit dem Maximalgewicht von 3,3 Tonnen kann der XT als Außenlast an Hubschraubern wie dem CH-53 oder dem CH-47 oder als Innenlast in Transportflugzeugen wie der C-130 oder größer transportiert werden. Er kann per Fallschirm abgesetzt werden. Für Land- und Seetransport erlauben die Abmessungen die Nutzung von ISO-Containern.

Neue Klasse Mission Master XT
Foto: Rheinmetall

Die vorgestellte Version des Mission Master XT ist die Cargo-Version, gewissermaßen die Basisausstattung. Damit kann die volle Nutzlast als Zuladung ausgeschöpft werden. Das modulare Chassis ist für die Aufnahme von Missions-Nutzlasten vorgesehen. Rheinmetall hat eine Reihe von Ausstattungskits in Vorbereitung. In einer Übersicht waren zahlreiche Ausstattungen für Kampfunterstützung zu sehen, mit Maschinenwaffen/Waffenstationen verschiedener Kaliber, mit Raketenwerfern oder UAS-Startern sowie Module für Aufklärung und/oder Drohnenabwehr. Die Ausgestaltung der einzelnen Module erfolgt nach dem Bedarf der Kunden.

Neue Klasse Mission Master XT

Die Steuerung der Funktionen erfolgt über den oben angesprochen Tablet-PC. Ergänzend können andere Mobilgeräte, wie Smartphones und Smartwatches genutzt werden. Waffeneinsatz erfordert immer die ständige Kontrolle durch den Bediener.

Rund 14 Monate hat Rheinmetall gebraucht, um aus dem Basis-Fahrzeug einen Mission Master zu machen. Mit den (eigenen und Nutzer-) Erfahrungen aus dem Mission Master SP-Programm konnte der XT in diesem Zeitraum bis zur Entwicklungsstufe TRL 7 gebracht werden. Nach Abschluss der letzten firmeninternen Tests wird der XT in den nächsten Wochen serienreif und geht dann auf Tournee zu potentiellen Kunden.

Der nächste Entwicklungsschritt steht schon auf der Agenda. Falls bei den Kunden Bedarf besteht, könnte das Fahrzeug in der Version mit hybridem Antrieb. Wesentliche Funktionen SP und XT könnten auch auf einer Plattform realisiert werden.

 

Technische Daten im Vergleich

Mission Master XT Mission Master SP
Länge / Breite 2,57 m / 3,72 m 2,95 m / 1,55 m
Leergewicht 2.217 kg 750 kg
Nutzlast 1.000 kg 600 kg
Antrieb Diesel, 50 kW Elektro
Antriebsformel 4×4 8×8
Höchstgeschwindigkeit Land 40 km/h 30 km/h
Höchstgeschwindigkeit Wasser 5 km/h 5 km/h *)
Reichweite 750 km 900 km
Silent watch 6 Stunden 72 Stunden
Lufttransport Extern: CH-53 / CH-47
intern: ab C-130
Intern: CH-53 / CH-47
Steuerung Autonomie-Kit PATH Autonomie-Kit PATH
Absetzbar mit Fallschirm
Reifendruckregelung
Notlaufeigenschaften
Absetzbar mit Fallschirm
drucklose Reifen
optionale Kette
Basisfahrzeug Fat Truck von Zeal Motor

*) mit reduzierter Nutzlast

Gerhard Heiming