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Am 7. Mai 1971 wurden die ersten Serienfahrzeuge des Schützenpanzer Marder zeitgleich in Kassel (Rheinstahl AG -Sonderfertigung) und Kiel (Krupp MaK) an die Truppe übergeben.

Bei der Konzeption ging man damals davon aus, dass der Schützenpanzer Marder im Verbund mit dem Kampfpanzer Leopard 1 im Heer bis etwa zum Jahr 2000 einen entscheidenden Beitrag zur Landesverteidigung leisten würde. Aber der reale Ablauf der Geschichte sollte anders aussehen. Heute befindet sich seit 18 Jahren kein Kampfpanzer Leopard 1 mehr in der Nutzung und der Schützenpanzer Marder musste sich in Feuergefechten der Quick Reaction Force in den Räumen von Kunduz und Mazar-e-Sharif bewähren. Und ein konkretes Ende der Nutzungszeit des Fahrzeugs ist derzeit nicht absehbar.

Mit diesem Beitrag geben wir allen interessierten Lesern einen technisch orientierten Überblick über 50 Jahre Nutzungsdauer inkl. der vorangegangenen, 11-jährigen Entwicklungszeit über dieses erfolgreiche Waffensystem.

Die Entwicklung

In der Aufbauphase der Bundeswehr gestaltete sich gerade die Beschaffung eines geeigneten Schützenpanzers sehr schwierig, da kein ausländisches Fahrzeug die bei den deutschen Panzergrenadieren praktizierte Kampfweise mit dem schnellen Wechsel zwischen auf- und abgesessenem Kampf in optimaler Weise ermöglichte. Dies wurde auch bei der provisorischen Beschaffung der bereits – im 2. Weltkrieg von den Alliierten eingesetzten – Fahrzeuge M 39 und Bren Carrier deutlich. Daher wurde bereits im Mai 1956 das schweizerische Unternehmen Hispano-Suiza mit der Entwicklung des Schützenpanzers HS 30 beauftragt.

Aus vielerlei Gründen entwickelte sich das Projekt HS 30 zu einem nachhaltigen Desaster und die Truppe hatte wenig Freude an diesem Fahrzeug. So war dem Führungsstab des Heeres bereits mit Beginn der Auslieferung der Fahrzeuge im Herbst 1959 klar, dass der HS 30 allenfalls vorübergehend den Sofortbedarf für die Panzergrenadiere insbesondere zu Ausbildungszwecken decken konnte. Er stellte jedoch nicht die adäquate Lösung für einen Schützenpanzer dar, der in der Lage war, den in der Entwicklung befindlichen 30 t-Standardpanzer (dem späteren Kampfpanzer Leopard 1) im Gefecht zu begleiten.

Daher wurden durch den Führungsstab des Heeres schon im Herbst 1959 die entsprechenden militärischen Forderungen für eine Fahrzeugfamilie unter dem Begriff „Schützenpanzer-neu“ erlassen, in dessen Rahmen der Schützenpanzer zunächst das Pilotfahrzeug darstellen sollte.

Für den neuen Schützenpanzer wurde u. a. gefordert:

  • höhere Absitzstärke (zwölf statt sechs Soldaten),
  • Einbau eines Ein-Mann-Turmes mit einer Maschinenkanone (MK 20) mm, maximales Gewicht: 1.500 kg,
  • Möglichkeit zum schnellen und gefahrlosen Wechsel zwischen auf- und abgesessenem Kampf,
  • Geländegängigkeit, Einsatzautonomie und Einsatzdauer sollten sich an den Leistungen des Standardpanzers orientieren,
  • partieller Schutz gegen 20-mm-Munition und vollständiger ABC-Schutz für die Besatzung,
  • niedrige Silhouette, Gesamthöhe mit Turm unter 1.890 mm,
  • Möglichkeit zur Unterwasserfahrt bis fünf Meter Wassertiefe und
  • Verwendung von Querschnittsbaugruppen innerhalb der Fahrzeugfamilie.

Wie so oft bei einer Panzerentwicklung wurden am Ende zwar viele, aber nicht alle der ursprünglichen militärischen Forderungen erfüllt.

Da zur damaligen Zeit offensichtlich genügend Haushaltsmittel verfügbar waren und sich das Verfahren zur Beschaffung von Wehrmaterial recht einfach gestaltete, konnten bereits im Januar 1960 die ersten Entwicklungsaufträge für sieben Prototypen der 1. Generation des Gruppenfahrzeugs an die beiden Firmengruppen: Rheinstahl-Konzern mit den Tochterfirmen Ruhrstahl/Witten und Hanomag/Hannover und Henschel AG –zusammen mit Firma Mowag/Kreuzlingen (Schweiz) vergeben werden.

Die einengenden militärischen Forderungen führten zwangsläufig zu Konzeptlösungen, die dem HS 30 sehr ähnlich waren. Die Prototypen der ersten Generation wogen etwa 16 t und wiesen noch immer einen Heckmotor auf, Da jedoch das Getriebe im Bug platziert wurde, konnte ein ca. 650 mm breiter Heckzugang realisiert werden. Abgesehen von vielen technischen Unzulänglichkeiten entsprachen diese Fahrzeuge nicht den Vorstellungen des Bedarfsträgers. Als Zwischenlösung wurden im Jahr 1962 die Prototypen RU 122 und RU 241 vorgestellt, bei denen sich der Motor in der Mitte des Fahrzeugs befand und somit ein breiter Heckzugang möglich wurde. Allerdings ergab sich dabei ein sehr zerklüfteter Kampfraum.

50 Jahre Schützenpanzer Marder 1971 – 2021
Prototyp RU 112 aus dem Jahr 1960. Im Wannenheck ist auf der rechten Seite eine schmale Hecktür vorhanden. Die Ähnlichkeit des Fahrzeugs mit dem HS 30 ist gut erkennbar. (Foto: Ruhrstahl AG)

Konzept

Nach Untersuchung der ersten Fahrzeuge reifte beim Führungsstab des Heeres die Erkenntnis, dass eine Reihe von einengenden Forderungen aufgegeben werden mussten, um ein günstigeres Schützenpanzer-Konzept zu ermöglichen. Neben dem Wegfall der Vorgabe nach einer maximalen Bauhöhe von 1.890 mm wurde auch die Besatzungsstärke von zwölf auf zehn Mann reduziert. Im Oktober 1962 wurden die Entwicklungsverträge für sieben neue Prototypen des Gruppenfahrzeugs mit den Firmen Ruhrstahl (Hanomag) und Mowag abgeschlossen.

Für die Prototypen der zweiten Generation erfolgte ein konzeptioneller Neuansatz. Um einen großen Heckzugang zu ermöglichen, wurde bei den RU-Fahrzeugen der komplette Triebwerksblock nunmehr im Bug untergebracht – damit entfielen die störanfälligen Gelenkwellenverbindungen. Für die Fahrzeuge stand auch der von Rheinmetall neu konstruierte Ein-Mann-Turm Turm DL-RH 3 zur Verfügung, bei dem neben der 20-mm-MK auch ein achsparalleles MG vorgesehen war. Nachdem der Kommandant anfangs noch links neben dem Turm in der Wanne platziert war, rutschte sein Platz bei den späteren Prototypen direkt hinter den Fahrer – damit konnte links neben dem Turm Platz zur Unterbringung eines später einzurüstenden Panzerabwehr-Raketensystems geschaffen werden. Das neue Konzept führte zu einer Vergrößerung der Fahrzeuge und das Gefechtsgewicht stieg auf ca. 26 t an.

Im Rahmen des Truppenversuches wurde die Unterbringung des Kommandanten außerhalb des Turmes bemängelt, da dadurch die Sichtmöglichkeiten und die Führungsfähigkeit stark beeinträchtigt waren. Da die drehstabgefederten Fahrzeuge im Gelände ein unbefriedigendes fahrdynamisches Verhalten aufwiesen, wurde in den RU 264 eine hydropneumatische Federung (Hydropfederung) eingebaut. Hiervon versprach man sich günstigere Fahreigenschaften. Nach fast fünfjähriger Erprobung wurden die Versuche wegen unzureichender Zuverlässigkeit und Standfestigkeit der Federelemente abgebrochen.

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Im Herbst 1964 wurden mit verschiedenen Fahrzeugen auf dem Truppenübungsplatz Teulada auf Sizilien eine Hitzeerprobung durchgeführt. Bei dieser Einsatzprüfung wurden die Fahrzeuge nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen hoch belastet, sondern auch durch das steinige Gelände im hohen Maße beansprucht. Bei diesen Versuchen zeigte sich, dass die relativ großen Laufrollenabstände häufig zu einem Abwurf der Kette führten, wenn diese einseitig belastet wurde. Es entstand eine heftige Diskussion darüber, ob man in Zukunft ein Sechs-Rollen-Laufwerk verwenden und den damit verbundenen Gewichtsanstieg in Kauf nehmen sollte. Dieses Problem sollte interessanterweise gut 40 Jahre später bei einer aktuellen Schützenpanzer-Entwicklung erneut auftreten. Insgesamt zeigte es sich, dass vor einer Serienentscheidung noch eine dritte Prototypengeneration erforderlich war.

Zusätzliche Forderungen erfordern neue Konzeptlösungen

Aufgrund der weiteren Gewichtserhöhung auf ca. 27,5 t sollten in die neuen Prototypen der neue, abgasturboaufgeladene Motor mb 833 Ea 500 mit 442 kW Nennleistung eingebaut werden, alle Fahrzeuge erhielten ein drehstabgefedertes Sechs-Rollen-Laufwerk. Ende 1964 wurden mit Rheinstahl AG Henschel und Mowag entsprechende Entwicklungsverträge zum Bau von insgesamt zwölf Prototypen der dritten Generation abgeschlossen. In den Jahren 1965/66 wurden die Fahrzeuge einer technischen Erprobung und einem anschließenden Truppenversuch unterzogen. Während der Fertigung der Fahrzeuge wurden seitens des Bedarfsträgers zusätzliche Forderungen nachgeschoben, so sollten die Fahrzeuge nunmehr mit einer Lafette für ein Heck-MG ausgerüstet werden.

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Prototyp RU 363 mit geöffneten Luken. Erkennbar ist die „BANTAM“-Klappe neben dem Turm sowie das Rundblick-Zielfernrohr vor der Kommandanten-Luke (Kdt. saß hinter dem Fahrer). (Foto: Ruhrstahl AG)

Die Forderung nach Aufnahme des Kommandanten in den Turm ließ sich nicht so leicht technisch lösen, da hierfür nur ein Drehlagerdurchmesser von 1.270 mm zur Verfügung stand. Die Firma KuKa konzipierte innerhalb eines Jahres einen passenden Zweimann-Turm, dabei mussten jedoch die Waffen oberhalb der Besatzung in einer Scheitellafettierung gelagert werden. Die Folgen der komplexen Munitionszuführung und die Eigenarten der außenliegenden Waffenlagerung sowie die konzeptbedingte Sichtausblendung für den Kommandanten im Bereich von 7 bis 8 Uhr wurden damals in Kauf genommen. Während der Fertigung der Fahrzeuge wurde die Forderung nach Kampfmöglichkeiten der Panzergrenadiere unter Vollschutz erhoben. Diese Forderung bedingte den Einbau von vier Kugelblenden und konnte nicht mehr berücksichtigt werden – zumal damit auch eine völlige Umgestaltung des hinteren Kampfraumes (Sitzanordnung) verbunden gewesen wäre. Somit mussten nach neunjähriger Entwicklungszeit und Bau von insgesamt 28 Prototypen nochmals eine weitere Prototypgeneration vor einer Serienauswahl gefertigt werden. Mutigerweise wurden diese zehn Fahrzeuge dann als Vorserienmodelle deklariert.

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Prototyp RU 362 aus dem Jahr 1966 mit nachgerüstetem Zwei-Mann Turm und scheitellafettierter MK 20 mm sowie Heck-MG. Zwischenzeitlich haben die vier klei-neren Luken die zwei großen Klappluken im Kampfraumdach ersetzt. (Foto: Ruhr-stahl AG)

Die Vorserienfahrzeuge

Immerhin erfolgte im Oktober 1966 die Modellauswahl zugunsten der RU-Fahrzeuge. Mowag schied aus, da diese u. a. nicht in das logistische Konzept der Fahrzeugfamilie passten. Die Auswertung von technischer Erprobung und Truppenversuch der letzten Prototypen flossen 1967 in den Konstruktionsstand der zehn Vorserienfahrzeuge ein. Die Verwendung des neuen Renk-Getriebes HSWL 194 ermöglichte nun eine glatte Bugfront, durch die die Sichtbedingungen für den Fahrer verbessert werden konnten. Die Integration eines Lenkflugkörpersystems zur Panzerabwehr wurde zurückgestellt, bis später mit der MILAN ein Flugkörper der zweiten Generation mit halbautomatischer Lenkung zur Verfügung stehen sollte. Alle Vorserienfahrzeuge verfügten nun über einen Zweimann-Turm mit scheitellafettierten Waffen und wannenseitig mit insgesamt vier Kugelblenden. Die Vorserienfahrzeuge erreichten nun ein Gefechtsgewicht von 27,5 t (ohne Kettenschürzen). Im Zeitraum 1968/69 wurden die Vorserienfahrzeuge intensiv untersucht. Wenn auch die Fahrzeuge konzeptionell den Erfordernissen der Truppe entsprachen, so zeigten sich bei einzelnen Baugruppen noch erhebliche Mängel. Dies war u. a. eine Folge des ständig steigenden Gewichtes, welches im Bereich von Kraftübertragung, Bremsen und Laufwerk zu erhöhten Ausfällen führte.

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Vorserienfahrzeug 3005, nunmehr mit formoptimiertem Zwei-Mann Turm sowie Ku-gelblenden für den Schützentrupp im hinteren Kampfraum. In der Serie wird u.a. die Anordnung der Nebelmittelwurfanlage nochmals geändert. (Foto: KTS II/III)

Um die Serienfertigung nicht weiter zu verzögern, wurden bereits im Oktober 1969 ein Beschaffungsvertrag mit Rheinstahl AG Sondertechnik (Kassel) als Hauptauftragnehmer und MaK (Kiel) als Unterauftragnehmer abgeschlossen – obwohl zu die-sem Zeitpunkt für die mängelbehafteten Baugruppen noch keine endgültigen und erprobten Lösungen vorlagen. Nach insgesamt elfjähriger Entwicklungszeit und Bau von 28 Prototypen sowie zehn Vorserienfahrzeugen wurden am 7. Mai 1971 die ers-ten Serienfahrzeuge des Schützenpanzer Marder an die Truppe übergeben. Der Stückpreis betrug ca. 1,05 Mill. DM. Im Zeitraum von 1971 bis 1975 wurden insgesamt 2.136 Schützenpanzer Marder (inkl. 36 SchulPz) für die Bundeswehr gefertigt (Rheinstahl: 1.261 Fzg., MaK: 975 Fzg.). Das Gefechtsgewicht erreichte nunmehr 28,2 t (mit Kettenschürzen). Von den zahlreichen, geplanten Familienfahrzeugen wurden später nur der FlaRaKampfpanzer Roland und der Radarträger zur Tieffliegerüberwachung, TÜR (nur Prototyp) realisiert. Die für die Marder-Familie geplanten Varianten wurden in den 70er Jahren auf dem Fahrgestell des M113 aufgebaut, dessen Basisfahrzeug nur ca. 35 Prozent kostete. Für den Schützenpanzer Marder war eine Nutzung bis Anfang der 90er Jahre vorgesehen.

Die Serie

Bemerkenswerterweise ergaben sich auch nach intensiver Erprobung und eingehenden Truppenversuchen später immer wieder Wünsche des Nutzers nach funktionellen Verbesserungen, auch erforderte die Anpassung des Kampfwertes an die aktuelle Bedrohungslage eine stetige Modellpflege.

Stichwortartig seien die bislang durchgeführten Kampfwertsteigerungsmaßnahmen (KWS) aufgeführt:

  • 1977 – 1979: Adaption der Waffenanlage (WA) Milan mit vier Flugkörpern an Bord, die Absitzstärke reduzierte sich dadurch auf sechs bzw. sieben Soldaten.
  • 1979 – 1982: 1. KWS zum Marder 1A1 (sowie neun weiteren Modifikationen):
    U. a. Einbau passiver Nachtsehgeräte der 1. Generation (Restlichtverstärker) mit Wärmeortungsempfänger, Doppelgurtzuführer (DGZ) für die MK, Verstärkung des Seitenrichtgetriebes.
  • 1984 – 1989: 2. KWS zum Marder 1A2: U. a. Umrüstung von 1.462 Fahrzeugen auf Wärmebildgerät (WBG-X) beim Richtschützen, bzw. Einsatz von Milan-Infrarot-Adapter (MIRA) für WA Milan, Entfall der Hecklafette, Umrüstung auf SEM 80/90, Einführung des Fleckentarnanstriches.
  • 1989 – 1998: 3. KWS zum Marder 1A3: U. a. Ausrüstung von 2.097 Fahrzeugen mit einer Zusatzpanzerung für Turm und Wanne (Schutz gegen MK 30 mm), Neugestaltung von Munitionslagerung und -zuführung, Verlagerung des Turm-MG aus Waffengehäuse an die linke Turmseite, Anbringung von Staukästen bei gleichzeitigem Verzicht auf die Nutzung der Kugelblenden, Reduzierung der Dachluken für den hinteren Kampfraum von vier auf drei, Vergrößerung der Fahrerluke und Wegfall der Luke hinter dem Kraftfahrer, Einbau verstärkter Drehstäbe, neue Sitze für Kommandant. und Richtschütze, neue Heckklappe mit größerem Ladevolumen, Gewichtsanstieg auf 33,5 t.
  • 1998 – 2000: KWS zum Marder 1A4: Verwendung dieser Version als bewegliche Befehlsstelle, damit zusätzliche Ausstattung von 26 Fahrzeugen mit Funkgerät SEM 93.
  • 2002 – 2005: 4. KWS zum Marder 1A5:
    U. a.: Nachrüstung von 74 Fahrzeugen mit einem Schutz gegen Blast- und projektilbildende Minen; Änderung des Verstauungskonzeptes, Freiräumen des Kampfraumbodens, Befestigung des Sitzgestells am Wannendach; Installation eines GPS-Empfängers (PLGR), neue Kettenschürzen (Panzerstahl), breitere Kette (500 mm), Ersatz der Kegelstumpffedern durch hydraulische Endanschläge, Installation von drei zusätzlichen Staukästen, Auskleidung des Kampfraumes mit einem Anti spall-Liner, Gewichtsanstieg auf 37,4 t.
  • 2006: Studie zur Integration eines neuen Triebwerkes: Durch die erhöhte Gewichtsbelastung fiel es der PzGrenTr mit dem Schützenpanzer Marder 1 zunehmend schwerer dem Kampfpanzer Leopard 2 im dynamischen Gefecht zu folgen, und es folgten Forderungen des Bedarfsträgers nach einem stärkeren Triebwerk. Die Untersuchung erfolgte auf Basis des zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Motors 8V199 von MTU, welcher mit 530 KW die eingeschränkte Mobilität durch den Gewichtsaufwuchs des Fahrzeugs ausgleichen sollte. Die Studie zeigte, dass der Einsatz des leistungsstärkeren Triebwerks weitere Folgemaßnahmen erfordert hätte, sodass insgesamt ein hoher finanzieller Aufwand erforderlich gewesen wäre. Da ab 2007 die Aussonderung der Fahrzeugflotte Schützenpanzer Marder 1 erstmalig geplant und 2012 mit Einführung des Schützenpanzer Puma begonnen werden sollte, sah man die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme als nicht gegeben an.
  • 2010 – 2013: KWS zum Marder 1A5A1: Ausrüstung von 35 Fahrzeugen u. a. mit Raum-Kühlanlage (RKA) und Ausstattung mit dem Multispektralen Mobilen Tarnsatz (MMT), elektronische Schutzausstattung CG-12, Gefechtsgewicht: ca. 38,5 t. Später wurde bei diesen Fahrzeugen auf dem hinteren Wannendach eine umlaufende Schutzbalustrade aus Panzerstahl mit einer gummierten Waffenauflage nachgerüstet.
  • 2012/2013: „Triple ESB“: Im Rahmen dieser ESB-Maßnahme wurden folgende Maßnahmen umgesetzt: Verbesserung der Nachtsichtfähigkeit des MKF (Fahrersichtsystem SPECTUS mit dämmerungsfähiger Rückblickkamera), Integration einer Brandunterdrückungsanlage (BUA) im hinteren Kampfraum sowie zusätzliche Verstaumöglichkeiten im Kampfraum.
  • 2015: Genehmigung der NDV: Die Probleme, welche im Rahmen der Einführung des Schützenpanzer Puma auftraten, machte die Untersuchung von nutzungsdauerverlängernden Maßnahmen am Schützenpanzer Marder 1 notwendig.
    Das Ergebnis ergab, dass zur Verlängerung der Nutzungsdauer um zehn Jahre, die Abstellung einer hohen Anzahl von Obsoleszenzen bzw. Anpassungen an gesetzliche Forderungen notwendig wurden. Im November 2015 wurde auf Basis des Untersuchungsberichtes die Nutzungsdauer von 200 Schützenpanzer Marder 1 auf mindestens 2025 verlängert. Als nutzungsdauerverlängernde Maßnahmen wurden festgelegt:

    • Anpassung der Betriebsbremsanlage,
    • Umrüstung der Feuerwarn- und -löschanlage von Löschmittel Halon auf DeuGenN,
    • Umrüstung des Nachtsichtmittels für den MKF (PERI D53 – BiV) auf das in der Variante A5A1 genutzte SPECTUS,
    • Ersatz des WBG-X gegen Saphir 2.6 MK von RME,
    • Ersatz der PzAbwWA Milan durch WA MELLS Inf.,
    • Einrüstung MG 5 als Absitz-MG (im Tausch gegen MG 3),
    • Adaption der Fahrzeugflotte der Varianten A5 und A5A1 auf Gleiskette D 464 E (wie Schützenpanzer Puma),
    • Einrüstung eines neuen Antriebsstranges in die minengeschützten Varianten A5 und A5A1, Einbau des Motors D 956 von Liebherr (565 kW). Das Getriebe wird an das höhere Leistungsniveau angepasst; zudem wird eine digitalisierte Triebwerkelektronik eingebaut.
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Das Triebwerk des Marder NDV: 6-Zyl.-Dieselmotor Liebherr D 956 A-DST mit dem modifizierten Getriebe Renk HSWL 194. (Foto: Archiv Autor)

Auslandseinsätze des Schützenpanzer Marder

Die ersten Auslandseinsätze für den Schützenpanzer Marder fanden im Rahmen der IFOR- (1995-1996), SFOR- (1996-2004) und KFOR- (ab 1999) Mandate statt. Dabei war – neben dem Kampfpanzer Leopard 2 A5 und dem Spähpanzer Luchs – auch der Schützenpanzer Marder (in der Version 1A3) im Einsatz. Ab Anfang 2003 wurden aufgrund der vorherrschenden Minenbedrohung neben dem Schützenpanzer Marder 1A3 bereits erste Vorversionen der Variante 1A5 eingesetzt.

In Afghanistan (ISAF) wurden Anfang 2007 die ersten Schützenpanzer Marder 1A5 zugeführt. Insgesamt waren bis zu 35 Schützenpanzer Marder in Afghanistan im Camp Marmal, in Mazar-e-Sharif sowie in Kunduz zur Verstärkung des QRF-Verbandes im Einsatz. Im Jahr 2009 kam es zu ersten taktischen Gefechtseinsätzen. Die im Rahmen dieses Einsatzes gewonnen Erfahrungen ergaben, dass diverse Nachrüstmaßnahmen notwendig wurden. Die Nachrüstung dieser Maßnahmen erfolgte überwiegend noch im Einsatzland und ließ die Variante A5A1 entstehen.

Ablöseplanung und die Zukunft

Das Ende der Nutzung des Schützenpanzer Marder ist bisher noch nicht absehbar. Auch wenn die NDV kontinuierlich von 2025 bis auf aktuell mindestens 2030 verlängert wurde, sind bereits jetzt erste Absichten erkennbar, dass der Schützenpanzer Marder möglicherweise nicht gänzlich aus der Bundeswehr herausgelöst wird.

Autoren: TRAR Ralf Janke ist Erprobungsleiter bei der Wehrtechnischen Dienststelle 41, Hptm Christian Schmidt ist stellvertretende Projektleiter SPz Marder im BAAINBw und WissDir a.D. Rolf Hilmes.