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Plötzlich musste es sehr schnell gehen. Nachdem die NATO auf Bitten der USA nun doch einen schnellen Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan beschlossen hat, überstürzten sich die Ereignisse. Erst sollte der Abzug zum 11. September erfolgen, dann wollte die Bundeswehr Mitte August abgezogen sein, nun steht der 4. Juli im Plan. Also ist Eile angesagt.

Als 2013 die Bundeswehr den Großteil ihrer Truppen aus Afghanistan abzog, dauerte das fast eineinhalb Jahre. Es wurde eine Basis im Hafen der türkischen Stadt Trabzon aufgebaut. Dorthin wurde vor allem das Gerät mit dem Flugzeug gebracht. Im Hafen von Trabzon wurden die Fahrzeuge erst gesichtet und schon in die Überprüfung in Deutschland eingesteuert. Dann wurden sie im Seetransport nach Emden gebracht. Von dort aus ging es dann in die Instandsetzung. Das alles findet jetzt nicht statt.

Abzug aus Afghanistan – Eile ist angesagt
Ein Soldat vom ABC-Abwehrzug reinigt im Camp Marmal in Mazar-e Sharif/Afghanistan ein Fahrzeug vom Typ Dingo im Rahmen der Rückverlegung nach Deutschland (Foto: Bundeswehr/André Klimk)

Die Rückverlegung erfolgt nun auf dem Luftweg. Die rund 1.100 Soldaten, die noch in Afghanistan sind, und das Gerät sollen mit Antonow-Maschinen oder dem Airbus A400M von Mazar-e Sharif nach Leipzig gebracht werden. Das erste Flugzeug wird, Stand bei Drucklegung dieser Ausgabe, am 17. Mai in Sachsen erwartet.

So ganz aus dem Stand erfolgt diese Rückverlegung nicht. Seit gut einem halben Jahr sind Experten für die Rückverlegung des Materials oder dessen Verwertung am Hindukusch. Als die Diskussion in Deutschland heiß lief, waren zehn dieser Experten dort. Diese könnten, wenn es nötig wird, auf 150 aufwachsen.

Rund 800 Container-Äquivalente müssen nach Deutschland rückverlegt werden. Wie viele Flüge dafür nötig sind, ist noch offen. Das hängt auch damit zusammen, wie viele Antonow-Maschinen die Bundeswehr einsetzen will und wie viele A 400 M genutzt werden. Das wird bei Drucklegung noch organisiert.

Bevor die Geräte nach Deutschland ausgeflogen werden können, müssen sie in Afghanistan eine Schleuse durchlaufen, damit sie keine Seuchen nach Deutschland bringen. Das Gerät wird mit Ameisensäure bearbeitet. Auch dies ist schon ein bewährtes Verfahren. 2013/14 wurde das ebenso gemacht. So gereinigt können die Geräte dann ins Depot oder in die Instandsetzung gebracht werden.

Abzug aus Afghanistan – Eile ist angesagt
Abzug aus Afghanistan – Eile ist angesagt

Allerdings werden Geräte, die nicht mehr oder nur mit großem Aufwand instandgesetzt werden können, nicht mitgenommen. Sie werden in Afghanistan unbrauchbar gemacht. Dabei ist klar, dass sie so „behandelt“ werden, dass Konfliktparteien in der Region sie nicht wiederherstellen können.

Dies alles wird jetzt sehr schnell umgesetzt. Noch sind die Ausbilder der Bundeswehr bei den afghanischen Sicherheitskräften im Einsatz. Die begonnene Ausbildung soll so lange wie möglich durchgeführt – manch einer spricht dieser Tage von „beendet“ – werden. Dem Vernehmen nach wird auch die Ausbildung georgischer Soldaten zur Vorbereitung auf deren Afghanistan-Einsatz noch fortgesetzt. Die dabei erworbenen Fähigkeiten der Soldaten aus Georgien sind ja auch an anderer Stelle verwertbar …

Worauf es jetzt in Deutschland ankommt, ist, den Einsatz der Soldaten angemessen zu beenden. Dass in Afghanistan nicht alle Ziele erreicht wurden, die 2001 beim Start des dortigen Einsatzes formuliert wurden, liegt auf der Hand. Was aber oft vergessen wird, ist, dass dieser Einsatz nicht nur von der Bundeswehr, nicht nur von den Streitkräften bestritten wurde. Zahlreiche zivile Initiativen wurden genauso ergriffen, um den politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Wiederaufbau des Landes zu organisieren. Der Einsatz der NATO-Truppen war der sichtbarste. Er bestimmte die öffentliche Diskussion. Deswegen wurde vieles, was nicht geklappt hat, auch diesem sichtbaren militärischen Teil der Mission zugeschrieben. Wenn es jetzt, nach dem Abzug der NATO-Truppen, in Afghanistan wieder einen Rückfall in die Zeiten von 2000 geben sollte, muss deutlich werden, wer dafür verantwortlich ist. Es ist eine Pflicht gegenüber den Soldaten, die dort viel Zeit, Engagement, oft auch ihre Gesundheit oder gar ihr Leben eingesetzt haben, dass die militärische Auftragserfüllung richtig gewürdigt wird.

Rolf Clement