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Mitte November 2020 hat Dänemark aus dem Rahmenvertrag zur Beschaffung von Eagle V Mehrzweckfahrzeugen u.a. den Prototypen eines offenen Aufklärungsfahrzeugs Eagle V 4×4 abgerufen. Dieses Aufklärungsfahrzeug ist eine der fünf Varianten, die Dänemark bei General Dynamics European Landsystems (GDELS) bestellt hat. 92 Patrouillenfahrzeuge sind bereits ausgeliefert bzw. in Auftrag gegeben.

Bei taktischen Gefechtsfahrzeugen muss wegen der militärischen Forderungen ein Kompromiss zwischen Mobilität, Schutz und (Waffen-)Wirksamkeit gefunden werden. Beim offenen Aufklärungsfahrzeug erhält die Wirksamkeit hohe Priorität. Daher hat GDELS die obere Hälfte der Kabinenwand entfernt und die B- und die C-Säule zu Überrollbügeln weiterentwickelt. Dadurch hat die maximal fünfköpfige Besatzung rundum freien Blick ins Gelände, kann aufklären und Waffen zur Wirkung bringen. Die Überrollbügel sind stark genug, um Waffenstationen zu tragen. Das Bild zeigt ein sogenanntes „Krähennest“ mit schwerem Maschinengewehr und seitlichem Panzerschutz für den Bediener. Als beispielhafte Bewaffnung sind im Bild an der Beifahrerseite ein leichtes Maschinengewehr auf Zapfenlafette und im Heck ein Werfer für Spreng- und Nebelgranaten zu sehen. Mit verstärkter Batteriekapazität steht zusätzlich elektrische Energie für den Betrieb von Aufklärungs- und Kommunikationsmitteln sowie auch für Waffenanlagen zur Verfügung.

Der Schutz gegen Minen, Sprengladungen und ballistische Bedrohungen ist bis in Türhöhe weiterhin gegeben. Durch den Wegfall von Scheiben und eines großen Teils der Kabinenwand ist die Besatzung in der oberen Hälfte auf den persönlichen Schutz (Gefechtshelm, Schutzweste) angewiesen. Ein Kabelkappsystem schützt die Besatzung vor quergespannten Kabeln und Drähten.

Träger der Mobilität ist ein Drehmomentstarker Euro 3 Dieselmotor von Cummins, der über ein automatisches Allison-Getriebe auf alle vier Räder wirkt und auf der Straße eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h ermöglicht. Mit zentraler Reifendruckregelung kann die Traktion der Reifen dem Gelände angepasst werden. Die Geländereifen sind mit Notlaufsystem ausgestattet. Ein optionales Ersatzrad kann auch bei völliger Zerstörung eines Rades eine Notfallmobilität erhalten.

Der Standard Eagle V 4×4 hat ein Leergewicht von sieben Tonnen und kann drei Tonnen Nutzlast aufnehmen. Durch die konstruktiven Maßnahmen wird das offene Fahrzeug  leichter werden. In welchem Umfang die Ausstattung des neuen Fahrzeugs von dem Gewichtsvorteil profitiert, ist noch nicht bekannt. Es ist jedoch zu erwarten, dass der Prototyp ein Gefechtsgewicht von weniger als zehn Tonnen aufweisen wird. Damit könnte die spezifische Motorleistung auf über 20 kW/Tonne anwachsen, was dem Fahrzeug eine hohe Spurtfähigkeit verleihen könnte.

Das symbolische Bild des offenen Aufklärungsfahrzeugs von GDELS zeigt exemplarisch Möglichkeiten, die das modulare Konzept des Eagle V eröffnet. Die gezeigten Lösungen sind kein Vorgriff auf Entwicklungsergebnisse, die dem Prototypen für Dänemark zugrunde liegen werden.

Der offene Eagle V, der im Auftrag Dänemarks entwickelt werden soll, zielt auf einen derzeit wachsenden Markt für hochmobile Fahrzeuge für Spezial- und spezialisierte Kräfte. Auch die Bundeswehr will in naher Zukunft das Kommando Spezialkräfte mit neuen Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeugen (AGF 2) ausstatten. Das eingeführte AGF Serval ist fast zwanzig Jahren intensiver genutzt worden. Damit entspricht es nicht mehr den militärischen Forderungen. Zudem ist es auch abgenutzt. Die Beschaffung des AGF 2 ist ins Stocken gekommen. Die Planung, nach der Billigung der 25-Mio-Euro-Vorlage in den Ausschüssen des Bundestages im vergangenen Jahr einen Liefervertrag abzuschließen, konnte nicht realisiert werden. Es besteht jedoch noch die Möglichkeit besteht jedoch, dass das Fahrzeug 2021 dennoch beschafft werden kann.

Gerhard Heiming