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Deutschland bekommt – wahrscheinlich als erster ausländischer Militärkunde – störsichere GPS-Empfänger aus den USA. Damit soll die kritische Raumfahrt-Infrastruktur widerstandsfähiger werden. Deutschland und die USA arbeiten im Bereich der Raumfahrtsicherheit eng zusammen. Das aktuelle Geschäft wird über das staatliche Foreign Military Sales-Programm abgewickelt.

Mit dem Kauf wird der Tatsache Rechnung getragen, dass der Weltraum für Auslandsmissionen und für die Früherkennung von Gefahren in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist. Bei der Aufklärung und der Kommunikation spielt der Weltraum eine wichtige Rolle. So ist es nicht verwunderlich, wenn immer mehr Länder versuchen, Systeme zu entwickeln, die ihren Gegnern die Nutzung des Weltraums verwehren oder einschränken können. Es werden schon Szenarien wie aus James Bond-Filmen diskutiert, wobei „Killersatelliten“ oder die Stationierung von Satelliten als Waffenträger im Orbit eine Rolle spielen. Es gilt also, einerseits eigene Fähigkeiten weiter zu entwickeln und andererseits eigene Systeme zu schützen.

Deutschland hat nach Informationen aus dem US Space and Missile Systems Center eine nicht näher bezifferte Menge an störungsresistenten GPS-Nutzergeräten bestellt, die dem Militärkodex (M-Code) entsprechen.

Die Staatssekretärin für die US-Air Force Barbara Barrett sowie Verteidigungsminister James Mattis genehmigten den Verkauf von M-Code-Nutzergeräten an insgesamt 58 Nationen. Es wird erwartet, dass Deutschland die Ausrüstung im Jahr 2021 erhält und damit der ausländische Erstnutzer sein wird.

Das M-Code-Signal ist eine Erweiterung des GPS-Standards. Damit wird die Datensicherheit bei Informationen über die Positionierung, die Navigation, die Zeit sowie Störungs- und Spoofing-Schutz verbessert. Im US-Verteidigungsministerium heißt es, dass der Verkauf dieser Ausrüstung an Verbündete dazu beiträgt, „die Interoperabilität mit der Ausrüstung unserer Verteidigungspartner zu verbessern“.

Die M-Code-Empfänger werden seit fast einem Jahrzehnt in den USA entwickelt und genutzt. Die GPS-Nutzerausrüstung umfasst den Empfänger, die Antennen und andere Elektronik, die in Sets zusammengefasst werden, um Navigations- und Zeitinformationen abzuleiten, die von den GPS-Satelliten übertragen werden. Gegenwärtig senden 22 der 31 in Betrieb befindlichen GPS-Satelliten das M-Code-Signal. Raytheon, L3Harris und BAE Systems, die das militärische GPS-Geschäft von Rockwell Collins übernommen haben, stellen seit 2012 M-Code-Empfänger her.

Neue europäische Kooperation

Der Schweizer Bundesrat will den Zugang der Schweiz zu Satellitenbildern verbessern. Dies hat er in seiner Sitzung vom 25. November 2020 beschlossen und den nötigen Kredit von 82 Millionen Schweizer Franken (rund 76 Millionen Euro) bewilligt. Dies ist der erste Schritt zu einer entsprechenden Rahmenvereinbarung mit Frankreich.

Satellitenbilder mit hoher Auflösung spielen für die Wahrung der sicherheitspolitischen Interessen der Schweiz eine zunehmend wichtige Rolle. Da die Schweiz über keine eigenen Satellitenkapazitäten verfügt, ist sie bisher auf Bilder und Bilddaten kommerzieller Anbieter angewiesen.

Unter der Bezeichnung “Composante Spatiale Optique” (CSO) baut Frankreich zurzeit ein modernes Aufklärungssatellitensystem auf, das sehr hohen Leistungsansprüchen genügen soll. CSO ist als Nachfolgesystem für die Helios-Satelliten vorgesehen. Insgesamt sollen drei CSO-Satelliten betrieben werden. Der erste befindet sich bereits seit Dezember 2018 in der Erdumlaufbahn, der zweite soll im Dezember 2020 und der dritte 2021 folgen. Frankreich hat verschiedenen Staaten eine gemeinsame Nutzung angeboten, darunter auch der Schweiz. Das gesamte System CSO soll ab 2022 vollständig in Betrieb sein.

Die Schweiz hat nach der Vereinbarung mit Frankreich das Recht zur Teilnahme an der Programmierung der Satelliten. Indem sie ihre Aufträge eingibt, kann sie auf das Programm für die Bilddatenaufnahmen der CSO-Satelliten Einfluss nehmen. Zudem erhält die Schweiz Zugriff auf zwei Prozent der täglich erstellten Bilddaten sowie auf das von Frankreich verwaltete Bildarchiv des Systems CSO. Zusätzlich wird eine französisch-schweizerische Arbeitsgruppe gebildet, um die Möglichkeiten der vertieften Zusammenarbeit im Forschungs- und Technologiebereich zu klären. Auch wird eine Boden-Empfangsstation in der Schweiz errichtet.

Durch die bilaterale Zusammenarbeit zur Nutzung des Systems CSO kann die Schweiz relevante Bilddaten mit hoher Auflösung erhalten. Diese Art von Aufklärung stärkt die Schweizer Eigenständigkeit bei der Beurteilung sicherheitspolitischer Entwicklungen und Entscheidungsfindung. Die Satelliten können auch zur Unterstützung bei Missionen der militärischen Friedensförderung, bei Naturkatastrophen oder bei der Humanitären Hilfe eingesetzt werden.

Das CSO-System ist auch für Deutschland von Interesse. Bisher nutzt Frankreich zur optischen Aufklärung das Helios-System. Insgesamt wurden vier Satelliten zwischen 1995 bis 2009 gestartet. Neben Frankreich haben auch Belgien, Spanien, Italien und Deutschland Nutzungsrechte. Laut offiziellen Angaben bietet Helios eine maximale Auflösung von einem Meter, die Schwadbreite beträgt 10 km. Die Satelliten der Helios-II-Generation (Satellit 3 und 4 in den Jahren 2004 und 2009) verfügen über eine verbesserte Auflösung von 35 cm, erhöhte Datenübertragungsrate sowie Infrarotsensoren für Nachtaufnahmen. Die Satelliten umkreisen die Erde in 700 km Höhe in einer sonnensynchronen Umlaufbahn.

Dank bilateraler Abkommen können alle beteiligten Nationen auch auf die Daten des deutschen SAR-Lupe-Systems und der italienischen COSMO-Skymed-Satelliten zurückgreifen. Das SAR-Lupe Aufklärungssystem mit Synthetic-Aperture-Radartechnik (SAR) kann unabhängig von Wetter (Bewölkung) und Tageszeit hochauflösende Bilder von jedem Punkt der Erde liefern. Damit sind anders als bei der optischen Aufklärung auch Bilder bei Nacht oder bei schlechtem Wetter möglich. Die Bundeswehr plant, für circa 800 Millionen Euro drei neue Satelliten anzuschaffen. Die Gesamtleitung des Projektes liegt wiederum bei der Bremer Firma OHB-System AG. Die Satelliten des neuen Systems mit dem Namen SARah sollen nach Verzögerungen ab 2021 in die Umlaufbahn gebracht werden und die bisherigen SAR-Lupe-Satelliten nach Ablauf deren Lebensdauer ersetzen.

Andrè Forkert