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Dem ersten Bundeskanzler des damals noch geteilten Deutschlands, Konrad Adenauer, eilt der Ruf voraus, er sei ein listiger Fuchs gewesen. Wer sich aufmacht, um die Abtei Himmerod in der Südeifel zu besuchen, muss diesen Ruf bestätigen. Niemand käme auf die Idee, dass in dieser ebenso schönen wie einsamen Umgebung 15 Männer zusammentrafen, um die Blaupause für eine neue Bundeswehr zu entwerfen. Es war der ideale Ort für ein Treffen, das so geheim war, dass in Bonn, dem damaligen Regierungssitz, nur eine Handvoll Politiker davon wussten, dass diese Tagung stattfand – und, was damals noch möglich war, auch dichthielten. Es war ein heikles Unterfangen, fünf Jahre nach der deutschen Kapitulation schon wieder über eine (west-) deutsche Armee nachgedacht wurde. Das wollte Adenauer nicht der öffentlichen Diskussion unterwerfen. Im damaligen Kabinett wurde diese Geheimaktion zum Teil mit Empörung aufgenommen: Der damals noch zur CDU gehörende Innenminister Gustav Heinemann trat zurück, als das bekannt wurde.

Im Auftrag des „Alten“ – In der Abtei Himmerod entstand die Blaupause für die Bundeswehr
Eine Vitrine im Raum 7 erinnert an das, was dort vor 70 Jahren beraten und beschlossen wurde

Den Ort Großlittgen, der heute als Postadresse der Abtei angegeben wird, gehört zur Verbandsgemeinde Wittlich, tief im westlichen Rheinland-Pfalz, er entstand erst in den 1950er Jahren. 960 Einwohner leben hier, 167 Kinder, auf die ein Schild an der Straße hinweist: Man soll zu deren Schutz langsam fahren. Das legt aber die kurvenreiche Straßenführung ohnehin nahe.

Adenauer hatte den illustren Kreis der 15 Experten für den 5. Oktober 1950 ins Kloster einberufen, wo Zisterziensermönche seit fast 900 Jahren gewirkt haben. Erst am 13. Oktober 2017 wurde das Kloster aufgelöst. „Seither“, so heißt es im Internet, „ist das Bistum Trier bestrebt, Himmerod als ‚geistlichen Ort‘ zu erhalten und – wenn möglich – in eine neue Zukunft zu führen“.

Nach biblischen Aufzeichnungen hat die Schöpfung der Welt sieben Tage gedauert. So ist es schon ein Zeichen, dass den Emissären Adenauers der Tagungsraum mit der Nummer 7 zugewiesen wurde. Da konnte die Arbeit nur gelingen, obwohl der Raum sehr beengt war.

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