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Interview mit Vizeadmiral Hervé Bléjean, Generaldirektor des Militärstabs der Europäischen Union und Direktor des militärischen Planungs- und Durchführungsstabes.

ES&T: Wie sehen Sie das Ergebnis der Haushaltsverhandlungen in der EU für die europäische Verteidigung?
Bléjean: Als optimistischer Mensch ist das Glas für mich halb voll. Sicher, die sieben Milliarden Euro für den Europäischen Verteidigungsfonds sind viel weniger, als es der erste Vorschlag vorsah. Aber auf der anderen Seite ist es viel mehr, als wir vor fünf Jahren erwarten konnten. Die Herausforderung liegt eher in der Umsetzung! Insofern begrüße ich die Einrichtung der neuen Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Raumfahrt als einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Dort wird bereits an der Finanzierung von Projekten gearbeitet.

Wir können nicht über die Verteidigung Europas diskutieren, ohne die Briten einzubeziehen
Übergabe des EU Military Staff von Generalleutnant Esa Pulkkinen (Finnland) r. i. Bild an Vizeadmiral Hervé Bléjean (Frankreich) am 30. Juni 2020 (Foto: EUMS)

Natürlich spielt der Haushalt und damit die mehrjährige Finanzplanung immer eine Rolle. Sehr wichtig sind aber die nationalen Verteidigungshaushalte. Ich erwarte von den Mitgliedstaaten der EU, dass sie sich bei der Gestaltung ihrer nationalen Verteidigungshaushalte ihrer Verantwortung bewusst sind.

ES&T: Welches sind die wichtigsten Herausforderungen für Sicherheit und Verteidigung der EU?
Bléjean: Als erste Herausforderung sehe ich, dass die EU ihre Glaubwürdigkeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen unter Beweis stellt – in doppelter Hinsicht: Wir müssen zum einen die Effizienz der EU-Missionen als auch der EU-Operationen erhöhen.

Allerdings kann ich nur für die drei Missionen in Afrika, in Mali, Somalia und der Zentralafrikanischen Republik, sprechen. Diese stehen unter meinem Befehl. Die EU-Operationen liegen außerhalb meiner Befehlsbefugnis.

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