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Auch die australische Regierung hat zu Linderung der wirtschaftlichen Probleme, die durch die Corona-Krise entstanden sind, ein Investitionspaket in Höhe von einer Milliarde australischen Dollar angekündigt. Damit soll die australische Verteidigungsindustrie angekurbelt und Tausende von Arbeitsplätzen im Land gerettet werden.

Das Investitions- und Innovationspaket ist auf Projekte und Arbeitsplätze in ganz Australien ausgerichtet. So sollen vorhandene Plattformen für Systeme verbessert und neue Fähigkeiten dank neuer Plattformen für die australischen Streitkräfte schneller eingeführt werden. Dazu zählt unter anderem das Upgrade der geschützten Thales Australia Bushmaster Fahrzeuge, die in den 1990er Jahren entwickelt wurden. Auch die Uniformen der gesamten Streitkräfte sollen verbessert werden. Zudem sollen zusätzliche Wartungen für die Alenia C-27J Spartan erfolgen. Dabei will das Verteidigungsministerium viele Ex-Qantas- und Virgin-Techniker einstellen, die gerade um ihren Job fürchten müssen. So finden diese Fachkräfte schnell eine neue Beschäftigung und die Streitkräfte können endlich vakante Posten besetzen.

Die Unterstützung durch die australische Regierung ist breit angelegt: von der Aufstockung der Mittel für Innovationen im Verteidigungsbereich über Industrie-Stipendien, Qualifizierung zu neuen Fähigkeiten, Cyber-Training für die Verteidigungsindustrie, Beschleunigung wichtiger Projekte, bis zur Entwicklung von neuen Fähigkeiten und Schlüssel-Technologien, die auf die wichtigsten Fertigungs-, Bau- und Hochtechnologiesektoren abzielen. Weitere Einzelheiten zu den einzelnen Initiativen will das Verteidigungsministerium in Kürze genehmigen und bekannt gegeben.

Soweit bisher bekannt wurde, soll das Paket auch die Anzahl der beschäftigten Reservisten in den Streitkräften erhöhen, die gerade ihren zivilen Job verloren haben. Dazu sollen 210.000 zusätzliche Wehrübungstage zur Verfügung gestellt und 500 neue Reservisten rekrutiert werden. Auch sollen aktive und ehemalige Soldaten und ihre Angehörigen dabei unterstützt werden, neue Beschäftigungsangebot zu finden. Rund 300 Millionen australische Dollar (AUD) sollen in ein nationales Aufbauprogramm fließen, das sich auf regionale Gebiete, einschließlich der vom Buschfeuer betroffenen Regionen konzentriert, wie z.B. Jervis Bay & Eden, RAAF Bases East Sale, Pearce, Wagga und Amberley, das Militärgebiet Albury Wodonga und Blamey Barracks. 190 Millionen australische Dollar sollen in Infrastrukturmaßnahmen in den nördlichen Territorien fließen.

Premierminister Scott Morrison sagte, das Paket werde schätzungsweise 4.000 Arbeitsplätze in ganz Australien sichern und vielen kleinen und mittleren Unternehmen in der Lieferkette der Verteidigungsindustrie helfen, diese schweren Zeiten zu überstehen. „Wie ein Großteil der Wirtschaft macht unsere lokale Rüstungsindustrie wegen COVID-19 eine schwere Zeit durch. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen von entscheidender Bedeutung sind“, so der Premierminister. Und er betont: „Die Unterstützung unserer Verteidigungsindustrie ist Teil unseres JobMaker-Plans – insbesondere hoch bezahlte und hochqualifizierte Arbeitsplätze stellen sicher, dass wir eine robuste, widerstandsfähige und international wettbewerbsfähige Verteidigungsindustrie aufrechterhalten. Wir wollen unsere souveränen industriellen Kapazitäten und australischen Arbeitskräfte ausbauen, um die Sicherheit unserer Mitarbeiter zu gewährleisten. […] Wir werden die Angehörigen der Streitkräfte und ihre Familien unterstützen, insbesondere alle Reservisten, die wegen COVID-19 hart getroffen wurden.“

Das deutsche Konjunkturprogramm sieht bisher nur die Beschaffung von Systemen, Fahrzeugen und Gerät vor. Der australische Ansatz geht weiter. Übertrüge man diesen auf Deutschland, könnte die Bundeswehr beispielsweise Techniker der Lufthansa übernehmen. Wenn die Lufthansa Teile der Flotte stilllegen muss, muss sie ggf. Piloten, Techniker und Bodenpersonal abbauen. Die Bundeswehr könnte zeitlich befristet Mitarbeiter übernehmen. Nach einer solchen Frist könnten die Mitarbeiter entscheiden, ob sie bei der Bundeswehr bleiben oder zu den privaten Fluggesellschaften zurückkehren wollen. Die Streitkräfte könnten endlich Hochwert-Dienstposten zumindest befristet besetzen. Die Einsatzbereitschaft von Flugzeugen und Hubschraubern ließe sich zudem verbessern.

André Forkert