Print Friendly, PDF & Email

Am 28. Juli 2020 wurde der erste Stahl für die achte Korvette K130, die „Karlsruhe“, geschnitten. Corona-bedingt wurde der sogenannte Brennstart in der German Naval Yards Kiel im kleinen Kreis begangen. Dies ist eigentlich ein ziemlich unspektakulärer Akt, bei dem ein Plasmabrenner das erste Stück Stahl schneidet.

Die Boote des zweiten Loses der Korvette K130 werden durch die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) K130 gebaut. Dazu gehören die Fr. Lürssen Werft, thyssenkrupp Marine Systems und German Naval Yards Kiel. Die Fertigstellung des ersten in Kiel hergestellten Vorschiffes ist für den Sommer nächsten Jahres geplant. Während das Vorschiff Nr. 7 bei Lürssen gebaut wird, stellt German Naval Yards Kiel zwei weitere Vordersektionen her. Die rund 43 Meter langen Vorschiffe werden dann nach Hamburg zum Zusammenschluss mit dem Hinterschiff, dem sogenannten „Hochzeitsstoß“, verholt. Die Hinterschiffe der Baunummern 7 bis 10 des zweiten Loses werden von der Peene-Werft gebaut.

Die Baunummer 6, „Köln“, wird derzeit am Hamburger Lürssen-Standort Blohm+Voss ausgerüstet.

Von hier aus durchlaufen alle fünf Korvetten die Vorbereitungen zur Indienststellung mit Funktionsprüfungen und Abnahmen – ein Prozess, der in Abstimmung mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) sowie der Deutschen Marine erfolgt.

 

Zweites Los K130 – Parlaments-Korvette

Die Beschaffung der Korvetten K130 geht auf die zweite Hälfte der 1990er Jahre zurück. Nach einer Bedarfsforderung der Marine von 1997 beabsichtigte man, die 40 Schnellboote der Deutschen Marine durch 15 Korvetten zu ersetzen. Vor allem aus Haushaltsgründen wurde die Anzahl der Korvetten im ersten Los auf fünf reduziert. Infolge des unter den Verteidigungsministern Karl-Theodor zu Guttenberg und Thomas de Maizière verfolgten Sparkurses wurde 2012 mit den Leitlinien zur Neuausrichtung der Bundeswehr ein Umfang von fünf Korvetten festgeschrieben. Als die sicherheitspolitische Situation überdacht und das Aufgabenprofil der Streitkräfte verändert worden war, wurde – von einem Impuls zweier Abgeordneten der Regierungskoalition befeuert – die Beschaffung von fünf weiteren Korvetten eingeleitet. Im Haushalt 2017 wurde eine zusätzliche Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ohne Aufteilung in Jahresscheiben eingestellt.

Korvette K130, 2. Los: Brennstart von Baunummer 8

Der im September 2017 unterzeichnete Bauvertrag umfasst die Konstruktion und Fertigung der Schiffe einschließlich der Integration aller Anlagen und Systeme, darunter die Elektronik und Waffensysteme. Neben Ausbildungsanlagen sind auch Dienstleistungen (Logistik, Service, Dokumentation, Ausbildung der Erstbesatzung) Vertragsbestandteil. Während der Bau an den Lürssen-Standorten in Bremen, Hamburg und Wolgast, bei der German Naval Yards Kiel sowie an den thyssenkrupp-Standorten in Emden und Hamburg stattfindet, sind in das Gesamtprojekt eine Vielzahl von Zulieferunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet eingebunden.

Im April 2019 begann der Bau des zweiten Loses der Korvetten mit dem ersten Stahlschnitt bei Lürssen in Bremen. Die Übergabe der „Köln“, des ersten Schiffes des zweiten Loses, an die Deutsche Marine ist nach dem aktuellen Rüstungsbericht der Bundesregierung für das erste Quartal 2023 vorgesehen. Die Auslieferung der fünften Einheit, der „Lübeck“, soll 2025 erfolgen. Das Bundeshaushaltsgesetz 2020 weist eine Summe von 2,047 Milliarden Euro für die Beschaffung des zweiten Loses der Korvette Klasse 130 aus.

Nach dem aktuellen Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums (Juni 2020) liegt das Vorhaben im Zeit- und Kostenrahmen, die Abweichung (gemessen an der ersten parlamentarischen Behandlung) zum nächsten Meilenstein „Beginn Auslieferung“ wird mit sieben Monaten angegeben. Corona-bedingte Friktionen könnten zurzeit bedingt kompensiert werden. Ob sich der Rahmenterminplan zur Ablieferung der Landanlagen und aller fünf Boote einhalten lässt, kann daher derzeit nicht eingeschätzt werden. Finanziell liegt das Projekt fünf Prozent (112 Millionen Euro) über der Veranschlagung.

Im Mai 2020 überraschte der Abgeordnete Ingo Gädechens, CDU-Obmann im Verteidigungsausschuss des Bundestages, mit dem Vorschlag, ein weiteres Los von fünf Korvetten K130 zu beschaffen (ES&T berichtete). Dabei soll nicht die Gesamtmenge erhöht werden. Die Neubauten sollen die Einheiten des ersten Loses ersetzen, die beim Zulauf des dritten Loses eine Lebensdauer von 20 Jahren und mehr hätten. Sie wären zu veräußern. Der Vorschlag des schleswig-holsteinischen Parlamentariers steht im Zusammenhang mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft in der Corona-Pandemie. Neben dem operativen Grund, für die Marine den Ausfall von Einheiten wegen der dann notwendigen Instandsetzung der ersten Schiffe zu vermeiden, sieht er darin auch einen Anreiz für den Werftstandort Norddeutschland. Zudem müsse man die Kosten für die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen des ersten Loses gegenrechnen.

Hans Uwe Mergener