Print Friendly, PDF & Email

Die U.S. Army prüft derzeit, ob sie Mörserträger wie ihr gepanzertes Mehrzweckfahrzeug (Armored Multi-Purpose Vehicle, AMPV) mit dem 120 mm NEMO (New Mortar)-Turm von Patria ausrüsten kann. Aktuell wird das Mörsersystem im Rahmen einer Durchführbarkeitsstudie evaluiert, um festzustellen, ob es mit ausgewählten Armeefahrzeugen und Feuerleitsystemen kompatibel ist und ob derzeit im Einsatz befindliche Mörsermunitionsgeschosse verwendet werden könnten.

2019 präsentierte Patria einen NEMO-Turm erstmals in den USA, damals in ein AMV 8×8 Fahrzeug integriert. Laut Patria wog der Turm während der Vorführungen auf dem Proving Ground in Arizona, und in Fort Benning, Georgia 1,9 Tonnen. Es wurden 120 mm Mörsergranaten der belgischen Firma Mecar (heute Nexter-Munition) verschossen. Das Fahrzeug soll mit 60 Mörsergranaten beladen gewesen sein.

 

Neue Mörsersysteme

Die Einführung neuer Mörsersysteme sollen die Armored and Stryker Brigade (ABCTs und SBCTs) verstärken und sie mit schnellen, präzisen indirekten und direkten Feuermöglichkeiten ausstatten. Gleichzeitig sollen die Besatzungen bestmöglich geschützt werden und die Belastung reduziert. Dieser Schritt wurde durch die U.S. Army bereits 2018 angekündigt. Damals führte man eine erste Marktsichtung durch, um einen 120 mm Mörser-Turm für das Programm Future Indirect Fire Turret (FIFT) zu finden. Es ist die Ausstattung kommender Systeme geplant, dies sind unter anderem der AMPV, der Stryker und die künftige Flotte der Next Generation Combat Vehicles (NGCV).

Der Zweck der laufenden Marktstudie ist es „aktuelle Informationen über die Fähigkeit aller potentiellen Unternehmen zu erhalten, einen 120-mm-Mörser-Turm für das FIFT-Programm ab dem Geschäftsjahr 2021 zu entwickeln und zu produzieren“, so die U.S. Army.

Als Fähigkeitsforderungen stehen u.a. im Lastenheft: 16 Schuss Feuerrate in der ersten Minute, gefolgt von einer anhaltenden Feuerrate von sechs Schuss pro Minute.

Das FIFT soll einen Automatisierungsgrad aufweisen der genügt, um die physische Belastung der Besatzung zu reduzieren und gleichzeitig eine hohe Feuergeschwindigkeit zu unterstützen. Der Turm kann bemannt oder unbemannt sein.

NEMO wurde erstmals 2006 präsentiert. Es wurde zudem 2006 von den slowenischen Streitkräften in Auftrag gegeben, noch bevor die Entwicklung und alle Versuche abgeschlossen waren. Anfang 2010 wurde Nemo auch von der Nationalgarde Saudi-Arabiens (SANG) bestellt, die 36 Stück auf dem GDLS 8×8 LAV Fahrzeug montieren ließ. Parallel wurde auch an einer maritimen Version für Boote entwickelt, dieses wurde u.a. im Marine Alutech Oy Watercat M12 Boot integriert und durch die Marine der Vereinigten Arabischen Emirate bestellt, dort dann auf einem 25 m Ghannatha Boot. Auf einer Eurosatory präsentierte Patria zudem eine Container-Lösung.

Die Rohrlänge beträgt rund drei Meter, die Reichweite wird mit bis zu zehn Kilometer angegeben. Laut Hersteller ist das System in unter 30 Sekunden feuerbereit und kann bis zu zehn Granaten pro Minute verschießen. NEMO ist ein ferngesteuertes 120-mm-Mörsersystem, das sowohl direktes als auch indirektes Feuer aus der Bewegung abgeben kann. NEMO kann auch MRSI-Feuermissionen (MRSI = Multiple Round Round Simultaneous Impact) mit bis zu sechs Schuss pro MRSI-Mission durchführen. Nemo ist nicht nur hochgradig geschützt, sondern auch leicht und kompakt und dadurch auch auf leichten Kettenfahrgestellen, gepanzerten Radfahrzeugen oder Marineschiffen integrierbar.

 

Kooperation mit Kongsberg

Patria und Kongsberg Defence & Aerospace gaben heute den Zusammenschluss für das zukünftige U.S.-Mörserprogramme bekannt. Dabei geht es um die Kombination des Mörserturms 120 mm von Patria mit den fernbedienbaren Waffenstationen (Remote Weapon Stations, RWS) von Kongsberg.

Mit Blick auf das U.S.-Programm haben Patria und Kongsberg vereinbart, die bestehenden RWS-Fertigungsanlagen von Kongsberg in Johnstown, Pennsylvania, für die Produktion von NEMO für den U.S.-Markt zu nutzen. Die Anlage von Kongsberg in Johnstown hat zusammen mit ihrer breiten U.S.-Zuliefererbasis in den letzten 20 Jahren über 14.000 Waffensysteme an die U.S.-Streitkräfte geliefert. Kongsberg produziert MCT-30 Türme für das Stryker-Programm und wurde im Mai 2020 ausgewählt auch das neue Amphibien-Kampffahrzeug-Programm des US-Marine-Corps zu beliefern.

Bereits 2016 kaufte Kongsberg aus Norwegen eine 49,9%tige Minderheitsbeteiligung an Patria aus Finnland. Die restlichen 51,1% liegen in der Hand der finnischen Regierung. Seitdem sind beide Firmen eng miteinander verbunden.

André Forkert