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Heute wurde „S43″, Hull-Nummer 867, an die Marine der Arabischen Republik Ägypten übergeben. Aus der Pressemitteilung der Werft geht hervor, dass die Zeremonie im engsten Kreis stattfand. Der Inspekteur der ägyptischen Marine, Vizeadmiral Ahmed Khaled Hassan Said, hatte sich schriftlich eingelassen.

Elf Monate nach seiner Taufe am 3. Mai 2019 (ESuT berichtete) konnte die Einheit fertiggestellt und übergeben werden. Dies trotz der augenblicklichen Widrigkeiten aufgrund Corona. Eine Tatsache, die Dr. Rolf Wirtz, CEO von thyssenkrupp Marine Systems (tkMS), in seiner Ansprache vor den Projektverantwortlichen würdigte. „S43“ kam am 3. April in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt zurück, die sie am 23. März in Richtung Norden zur Erfüllung der Leistungsnachweise vor der Übergabe verlassen hatte.

„S43“ ist das dritte von vier U-Booten für Ägypten. 2011 wurde der Vertrag über die Lieferung von zwei Booten abgeschlossen. Kairo entschied 2015, eine Option für zwei weitere zu zeichnen. Das Programm soll mit der Übergabe des vierten Schiffes im Jahr 2021 enden.

 

Eckdaten:

Gesamtlänge: ca. 62 Meter

Durchmesser: ca. 6,2 Meter

Verdrängung: Überwasser ca. 1.450 Tonnen; Unterwasser: ca. 1.600 t

Besatzung: 30

Bewaffnung: sechs Torpedorohre

Die HDW-Klasse 209/1400mod ist die jüngste Version aus der Baureihe der mit über 60 gebauten oder unter Vertrag genommenen Einheiten (Werksangaben).

 

tkMS: Übergabe des dritten U-Bootes an Ägypten

tkMS und Ägypten: Fregatten-Ambitionen und die internationale Konkurrenz

Zu einem anderen Projekt, das thyssenkrupp Marine Systems mit Ägypten verbindet, ist wenig bekannt: die Lieferung von drei Meko A200-Fregatten. Laut einem Zeitungsbericht von April 2019 unterstütze die Bundesregierung die Lieferung von drei Fregatten an Ägypten im Wert von rund 2,3 Milliarden Euro. Eine diesbezügliche Befassung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages vom 3. April 2019 sei positiv verlaufen. Regionale und Fachzeitungen berichteten im September 2019, dass im Unterauftrag von thyssenkrupp Marine Systems die Bremerhavener Stahlbau Nord, ein Unternehmen der für die Konstruktion von Rümpfen und Sektionen bekannten Rönner-Gruppe, Stahlsektionen für den Bau der ägyptischen Meko herstellt.

Beteiligt im Rennen um die Fregatten für Ägypten ist neben der französischen Naval Group nun wohl auch Italien. Im Februar 2020 berichtete französische Fachpresse unter Berufung auf italienische Medien von Bemühungen der italienischen Fincantieri zum Verkauf bzw. der Überlassung von zwei Fregatten der FREMM-Klasse – aus Beständen der italienischen Marine, die zurzeit acht dieser Klasse betreibt, zwei weitere befinden sich in der Fertigstellung. Den französischen Berichten zufolge seien sich die Regierungen handelseinig. Rom hätte seine Zustimmung gegeben und die finanzielle Vereinbarung sei im Gange. Möglicherweise stehen die beiden noch nicht in Dienst gestellten Schiffe zur Disposition (F598 „Spartaco Schergat“ und F599 „Emilio Bianchi“).

Die FREMM-Klasse ist ein französisch-italienisches Gemeinschaftsprojekt. Frankreich hat Ägypten 2015 eine Einheit dieser Klasse (die ehemalige „Normandie“, jetzt „Tahya Misr“) überlassen.

 

Neue Rüstungspartner

Traditionell waren die USA für die ägyptischen Streitkräfte ein starker (Rüstungs-) Partner. Nach der Entmachtung der Muslimbruderschaft verschlechterten sich jedoch die Beziehungen und das Land begann, Alternativen zu suchen. Und bedient sich seit 2015 in Frankreich (zwei LPH (Landungsschiffe-Hubschrauberträger), vier Korvetten, eine Fregatte, 24 (+12?) Rafale-Kampfflugzeuge) sowie in Russland (Su-35, Mig-29, KA-52 Kampfhubschrauber). Mittlerweile zeigt auch Peking Interesse an den ägyptischen Streitkräfte.

Im Zusammenhang mit der seit 2015 bestehenden Rüstungskooperation zwischen Kairo und Paris vereinbarte die französische Naval Group mit der Regierung Ägyptens im Jahr 2018 die Gründung einer Tochtergesellschaft zum Betrieb und Wartung der Korvetten der Gowind-Klasse.

Das Gowind 2500-Design ist eine von zwei Varianten der von der (damaligen) DCNS entwickelten Mehrzweck-Korvette (zur Luft- (AAW), Seezielbekämpfung (ASuW) und U-Boot-Abwehr (ASW)). Die ägyptische Marine einigte sich im Juni 2014 mit Naval Group, damals noch DCNS, über einen Vertrag zur Lieferung und den Bau von vier Gowind 2500-Korvetten samt einer Vereinbarung zum Technologietransfer. Demnach sollten drei Einheiten auf der ägyptischen Alexandria Shipyard entstehen. „Al Moez“, Hull-Nummer 981, die dritte Gowind 2500-Korvette der ägyptischen Marine, lief am 12. Mai in Alexandria vom Stapel.

Mit der Tochter „Alexandria Naval for Maintenance and Industry (ANMI)“ verstärkt Naval Group seine Präsenz im Land am Nil. Der Konzern lieferte im August 2015 die Fremm-Fregatte „Tahya Misr“, Hull-Nummer 1000, 2016 zwei LPH (Landungsschiffe-Hubschrauberträger) der Mistral-Klasse an die ägyptische Marine aus – „Gamal Abdel Nasser“ (L1010), „Anwar El Sadat“ (L1020).

Hans Uwe Mergener