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Die niederländischen Streitkräfte beschaffen derzeit das neue Individueel Soldaat Systeem (ISS). Diese modulare Kampfausstattung umfasst eine neue Gefechtsausrüstung, das Soldatensystem Verbeterd Operationeel Soldaat Systeem (VOSS) sowie das Bekleidungssystem Defensie Operationeel Kleding System (DOKS). Bekleidung und Ausrüstung sind in dem ebenfalls neu entwickelten Tarnmuster Netherlands Fractal Pattern (NFP) gehalten.

 

Niederländischer Luftwaffensicherer mit der neuen Kampfbekleidung und Trageausstattung (Foto: MoD Niederlande)

Das NFP ist in mehreren Farbgebungen verfügbar: NFP-green für bewaldete und urbane, NFP-tan für aride und trockene Gebiete sowie das etwas gröbere und einfachere NFP-multitone als Mischform für die persönliche Ausrüstung. Zudem soll es ein NFP-Navy für die Marinesoldaten geben. Ebenso wird ein NFP-arctic für arktische Regionen erwogen.

Die neue Panzerkombination in NFP-green (Foto: MoD Niederlande)

Das neue Bekleidungssystem DOKS umfasst verschiedene Schichten und Kleidungsstücke wie Kampfhose, Kampfhemd, Feldbluse und Nässeschutzbekleidung. Auch für Panzerbesatzungen gibt es einen neue Panzerkombination. Diese ist bereits an die niederländischen Panzerbesatzungen des Deutsch/Niederländischen Panzerbataillons 414 ausgeliefert worden. Ebenso gehört ein neuer Gefechtshelm, der Revision Batlskin Viper P6N zum DOKS.

Die Niederlande hat Mitte 2016 beschlossen, die Streitkräfte mit einer moderneren persönlichen Schutzausrüstung auszustatten. Die Umsetzung begann 2017. Nach einer Erhöhung des Verteidigungshaushaltes wurde 2018 beschlossen, das anfänglich für einen Teil der Streitkräfte bestimmte Projekt auf die kompletten Streitkräfte zu erweitern. DOKS ist für alle niederländischen Soldaten aller Teilstreitkräfte bestimmt. Insgesamt sollen etwa 40.000 bis 45.000 Soldaten der Marine, des Heeres, der Luftwaffe und der Militärpolizei mit dem neuen Kampfbekleidungssystem und Gefechtshelm ausrüstet werden. Die Militärpolizei erhält den Helm in einer schwarzen Ausführung.

Der 100-Liter-Rucksack im Trageversuch (Foto: MoD Niederlande)

Dazu kommt eine neue modulare Gefechtsausrüstung. Sie umfasst Plattenträger, Schutzweste mit Zusatzelementen, einen Taschensatz für Magazine und weitere Kampfbeladung sowie mehrere Rucksäcke: Einen großen 48-Stunden-Pack mit 100-Liter Volumen und zwei 10l-Seitentaschen, einen Patrouillen-Rucksack (50 l + s x 5l Seitentaschen) sowie einen kleinen „Grab-Bag“ mit 25 Litern für kurze Einsätze oder als Notfallausstattung.

Kernstück des VOSS: Die Smart Vest (Foto: MoD Niederlande)

Kernstück des VOSS ist die „Smart Vest“. Wie die querschnittliche Schutz- und Trageausstattung bietet sie ballistischen Schutz, nimmt die Kampfbeladung auf und erleichtert in Verbindung mit dem Rucksack das Tragen schwerer Lasten. „Smart“ wird sie durch die von Elbit gelieferten C4I-Komponenten für die vernetzte Einsatzführung. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Handfunkgeräte E-LynX (Software Defined Radio) und Tablet-Computer Raptor sowie der dazugehörige Fahrzeuganteil.

Als Übergangslösung gibt es Multicam-Uniformen, hier in Verbindung mit der neuen Schutz- und Trageausstattung in NFP-multitone (Foto: MoD Niederlande)

Einige der im Ausland eingesetzten niederländischen Soldaten sind bereits mit Teilen der neuen Gefechtsausrüstung ausgestattet. Als Übergangslösung für die Auslandseinsätze beschaffte das niederländische Verteidigungsministerium darüber hinaus über die NATO Support and Procurement Agency im Juni 2018 Multicam-Monturen, da sich die Einführung des DOKS nicht beschleunigen ließ. Die Spezialkräfte des Korps Commando Troepen (KCT) hatten bereits 2017 eine neue Gefechtsausrüstung in Multicam erhalten.

Das KCT erhielt 2017 eine neue Gefechtsausrüstung in Multicam (Foto: MoD Niederlande)

Die neue Kampfausrüstung und das VOSS wurden bei der 11. Luchtmobiele Brigade, der 13. Lichte Brigade und der 43. Gemechaniseerde Brigade, beim Korps Mariniers und bei der Luftwaffensicherungstruppe unter Leitung der Beschaffungsbehörde Defensie Materieel Organisatie (DMO) getestet. Dabei standen Ergonomie, Funktionalität und taktische Gesichtspunkte ebenso im Mittelpunkt wie die Vernetzung mit Land- und Luftfahrzeugen.
Die neue Kampfausstattung soll ab 2020 bis 2022 zulaufen.

Die „Smart Vest“ während der Truppenversuche (Foto: MoD Niederlande)

Jan-Phillipp Weisswange