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Mit der Vereinbarung vom 20. Juni 2019 haben Avio Aero und MT-Propeller mit der gemeinsamen Entwicklung eines Turboprop-Flugzeugantriebs begonnen. Jetzt haben in Brindisi Integrationstests zwischen dem Catalyst-Triebwerk von Avio Aero und dem deutschen Propeller von MT-Propeller begonnen. Zu den Zielen gehört es, die Synergien u.a. für militärische Anwendungen anzubieten.

Die beiden Unternehmen führen ihre jeweiligen Spitzenprodukte für militärische und unbemannte Flugzeuge zusammen. Auf dem Prüfstand steht der zu hundert Prozent in Europa entwickelte Catalyst-Triebwerk, der in Zusammenarbeit von sechs Ländern, darunter Italien und Deutschland, entstanden ist. Er wird kombiniert mit dem Produkt von MT-Propeller, das eine Gewichtsreduzierung um etwa 8 bis 20 Prozent sowie eine Lärm- und Vibrationsreduzierung von 30 bis 50 Prozent im Vergleich zu anderen Propellern auf dem Markt ermöglicht.

Mit dem Verbund von Buchenholz, Kohlefaser, Kevlar oder Glas baut MT-Propeller einen in Leistung, Gewicht und Haltbarkeit optimierter Propeller. (Foto: MT-Propeller)

Die Struktur des deutschen MT-Propeller-Produkts, das aus natürlichen Verbundwerkstoffen hergestellt wird, ist bahnbrechend. Die Basis bildet Buchenholz, das durch Tannenholz verstärkt und verbunden wird. Der Propeller wird dann mit Verbundmaterial (Kohlefaser, Kevlar oder Glas) beschichtet und die Vorderkante durch eine Nickel-Kobalt-Legierung geschützt, die fünf Mal härter als Aluminium ist. Das Ergebnis ist ein in Leistung, Gewicht und Haltbarkeit optimierter Propeller.

Der Catalyst-Motor ist das erste Triebwerk seiner Art, das mit dem FADEC-System (Full Authority Digital Engine Control) arbeitet. Es steuert nicht nur das Triebwerk, sondern auch den Propeller und ermöglicht so individuelle Leistungsoptimierungen. Dabei wird mit einem einzigen Steuerpunkt ein jetähnliches Flugerlebnis geschaffen, bei dem der Pilot den Schub des Antriebssystems mit einem einzigen Hebel steuert. Das integrierte System ist für unbemannte Flugzeuge sogar noch entscheidender, da es die Einbindung mit der Avionik im Flug erheblich vereinfacht. Um ein optimiertes Antriebssystem anbieten zu können, beabsichtigt Avio Aero, die Vorteile von FADEC weiter zu nutzen. Dies ist dank der Zusammenarbeit mit MT-Propeller möglich.

Der Catalyst-Motor von Avio Aero ist zu 100 Prozent in Europa entwickelt. (Foto: Avio Aero)

In der ersten digitalen Phase der eigenfinanzierten Tests werden die spezifischen Daten in das FADEC-System zur Analyse und eventuellen Umsetzung der Daten eingegeben. Die Integration von Motor und Propeller ist Kern der zweiten Phase. Das Avio Aero Wet Rig ermöglicht, die Funktion sowohl des Motors als auch der digitalen Steuerung (FADEC) aus operationeller und mechanischer Sicht zu testen oder zu simulieren. Dabei werden das reale Fluidsystem (Luft, Öl, Kraftstoff) und die realen Zubehörteile und Getriebe verwendet. Das Wet Rig verfügt über einen Prüfstand für die Kraftübertragung des Propellers, der die Aerodynamik und Hydraulik der realen Flugphasen genau simuliert.

Gerhard Heiming