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Am 4. Dezember 2019 um 10.15 Uhr wird der britische Flugzeugträger „HMS Queen Elizabeth“ in seinem heimischen Stützpunkt anlegen. Pünktlich zum dann ca. 120 Kilometer weiter nördlich stattfindenden Gipfel der NATO-Staats- und -Regierungschefs. Sie wird sich mit ihrem Schwesterschiff „HMS Prince of Wales“ Liegeplätze an einer neu hergerichteten Pier teilen.

Mit einer kombinierten Uboot-Abwehrübung (gemeinsam mit der Type 23-Fregatte „HMS Northumberland“, dem Tanker „RFA Tideforce“ und der norwegischen Fregatte „HNoMS Thor Heyerdahl“) endet die mehr als dreimonatige Auslandsausbildungsreise ‚Westland 19‘, in deren Mittelpunkt die Herstellung der Trägerflugfähigkeit für die Jagdflugzeuge wie auch für den Träger selbst stand (ESuT berichtete im Vorfeld). (Nach neuen Angaben) Sechs britische F-35 Lightning-Jets (drei der ‚17 Test and Evaluation Squadron (TES)‘, auf der kalifornischen Edwards Air Force Base stationiert, und drei weitere, die von RAF (Royal Air Force) Basis Marham aus den Atlantik überquerten) sowie F-35 des US Marine Corps beübten sich und die Trägerbesatzung in einer fünfwöchigen Betriebstestphase, die vom Air Warfare Center geleitet wurden. Die Tests umfassten: Vorbereitung die Vorbereitung des Personals und der Jets, Beladung via des automatisierten Waffenhandlingsystems des Trägers, Starts und Landungen, Waffeneinsatzübungen, SAR, Notlagen. Die Pressemitteilung des britischen Verteidigungsministeriums: „Das Training erreichte seinen Höhepunkt mit vier UK Lightnings, die innerhalb von Sekunden aus gestartet wurden, um ihre Mission zu beginnen.“

Der den Träger ebenfalls begleitende Type 45-Zerstörer „HMS Dragon“ kehrte bereits am Montag, 2. Dezember, nach Portsmouth zurück.

Der kommandierende Offizier der „HMS Queen Elizabeth“, Commodore Steve Moorhouse: „Dies war ein äußerst erfolgreicher Einsatz für die HMS Queen Elizabeth. Es ging darum, die Komplexität und das Tempo unserer Aktivitäten zu erhöhen, die Fähigkeiten der Streikgruppe zu stärken und uns in einer anspruchsvollen Trainingsumgebung mit unseren engen Partnern der US Navy und des Marine Corps zu testen. — Die erstmalige Einbindung der britischen F-35B Lightning in die Carrier Strike Group ist ein wichtiger Meilenstein. Wir sind gut gerüstet für ein ebenso anspruchsvolles Jahr 2020 und unseren ersten operativen Einsatz im Jahr 2021.“ Im Jahre 2010 hatte zuletzt ein Sea Harrier von der „HMS Ark Royal“ abgehoben.

Die „HMS Queen Elizabeth“ diente vor Annapolis als Plattform für das zweite gemeinsame amerikanisch-britische Atlantik-Zukunftsforum und die Defence Trade Expo. Eine bilaterale Veranstaltung, mit der Führungskräfte und Rüstungsfachleute sowohl von der regierungsamtlichen Seite als auch aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft  zusammenfinden, um sich mit aufkommenden Trends, Technologien und Bedrohungen in den Bereichen Cyber, künstliche Intelligenz und Weltraum zu befassen.

70 Jahre NATO: Symbolträchtige Heimkehr der „HMS Queen Elizabeth“

Die Rückkehr der „QE“ (wie die „HMS Queen Elizabeth auch bezeichnet wird) fällt nicht nur auf das Datum des 70-jährigen Jubiläumsgipfels der NATO. Sondern auch in eine Zeit, da innerhalb der britischen Streitkräfte eine Diskussion um einzelne Fähigkeiten, darunter der Flugzeugträger, entbrannt ist. Ohne offizielle Bestätigung sollen sich einzelne aus dem Führungskreis der Streitkräftee dafür ausgesprochen haben, einen der Träger an die USA zu auszuleihen, um Kosten zu reduzieren (Anmerkung: In einem internen Papier der Regierungspartei, so britische Zeitungen, sollen (die von Premierminister Boris Johnson versprochenen) Steigerungen der Leistungen für Sozialausgaben und im Gesundheitswesen durch Einsparungen bei den Streitkräften kompensiert werden.). Mit einer Senkung der Betriebskosten durch die leihweise Abgabe eines Trägers ließe sich die Gesamtgröße der Streitkräfte beibehalten, heißt es in London.

Derweil zeichnete der Erste Seelord, Admiral Tony Radakin, mit dem Inspekteur der amerikanischen Marine (CNO US Navy), Admiral Mike Gilday, und dem Inspekteur der japanischen Marine (Chief of Staff Japan Maritime Self-Defense Force), Hiroshi Yamamura, ein trilaterales Kooperationsabkommen, in dem sie ihr Engagement für eine verstärkte Zusammenarbeit bekräftigen und eine gemeinsame Mission für das Jahr 2021 ins Auge fassen. Dem Jahr, für das bisher der erste operative Einsatz der „QE“ vorgesehen war. Für die volle Betriebsfähigkeit (‚Full Operational Capability‘- FOC) des 3,1 Milliarden Britischen Pfund teuren Trägers mit britischen Jets war bisher 2023 vorgesehen.

s. auch ESuT-Berichterstattung zu den ersten Flugtests

Hans Uwe Mergener