Print Friendly, PDF & Email

Zur Münchener Sicherheitskonferenz 2017 veröffentlichten Autoren der MSC, von McKinsey & Company und der Hertie School of Governance ein gemeinsames Papier mit dem Namen „More European, More Connected and More Capable“. Das Papier (Download hier) umfasste auch einen Analyse, in der die Anzahl unterschiedlicher Waffensysteme in den EDA Staaten + Dänemark (=EU28) denen der USA gegenübergestellt wird und die Effizienz der Rüstung in der EU im Vergleich zu den USA abgeleitet wird. Eine der Kernaussagen bezieht sich auf die Anzahl unterschiedlicher Kampfpanzertypen. So ist zu lesen, dass die EU angeblich 17 unterschiedliche Typen betreiben würde, während die USA mit einem einzigen Typ auskämen.

Als Quelle dieser Aussage wird stets auf die vom britischen Forschungsinstitut IISS (International Institute for Strategic Studies) jährlich publizierte Studie „The Military Balance“ verwiesen.

Die generelle Aussage, dass sich die EU mehrere Typen für den gleichen Einsatzzweck leisten würde und dadurch Effizienz gegenüber den USA verliert, ist offenkundig. Falsch ist aber die immer wieder in Diskussionen und Vorträgen angeführte Aussage, dass die EU angeblich 17 Panzertypen hätte und die USA nur einen. Wie es scheint, haben sich weder sicherheitspolitische Experten, sicherheitspolitische Autoren noch hochranginge Beamte und Soldaten im BMVg kritisch mit diesem Verhältnis auseinandergesetzt, und das trotz der weitverbreiteten Erkenntnis, dass eine Vielzahl von EU-Staaten den deutschen Exportschlager Leopard 2 einsetzt und mehrere EU-Staaten gar keine Kampfpanzer besitzen. Alleine dies hätte ausreichen müssen, um das Verhältnis 17:1 kritisch zu hinterfragen.

Vergleich

Der Logik folgend, dass man nur Gleiches mit Gleichem vergleichen kann und für die U.S. Streitkräfte nur ein „Art“ angegeben wird, kann es sich bei dem Vergleich nur um Kampfpanzer, im Englischen „Main Battle Tanks“, handeln. Radkampfpanzer oder Schützenpanzer, von denen die U.S. Streitkräfte ebenfalls Systeme im Dienst haben, dürfen somit nicht mitgezählt werden, da sonst die Zahl 1 auf US-Seite nicht stimmen würde. Das gleiche gilt für Versionen eines Kampfpanzers, da die US-Streitkräfte hier den Abrams sowohl in der Version M1A1 als auch in unterschiedlichen M1A2 Varianten einsetzen. Somit hätten auch auf der Gegenseite nur Typen von Kampfpanzern (Leopard 2, Leclerc,…), nicht jedoch einzelne Versionen oder lokale „Derivate“ vom gleichen Panzertyp (von denen es bei der T-72 Baureihe durchs einige unterschiede, bspw. den M 84 in Kroatien, gibt), gezählt werden dürfen. Denn täte man dies, hätten wir alleine in der Bundeswehr mit den Versionen Leopard 2 A5, A6, A6M, A7 und A7V derzeit fünf „unterschiedliche“ Kampfpanzer in der Nutzung.

Derzeitig in den Streitkräften der EU-Mitglieder genutzte Kampfpanzer (Graphik: ES&T)

Fazit

Bezogen auf unterschiedliche Typen hat die EU 28 sehr streng ausgelegt elf und nicht 17 unterschiedliche Kampfpanzer in Nutzung (ohne Zypern und Griechenland wären es nur sechs). Würde man hingegen jede Version einzeln Zählen wären es deutlich mehr als 17, dann wären es auf US-Seite jedoch auch mehrere Versionen. Welcher der einzelnen Versionen der T-72er oder Leopard 2 Baureihen einzelne Typen darstellen, lässt sich nicht trennscharf beantworten. Dazu müsste erst dezidiert festgelegt werden, welche Änderungen automatisch einen neuen Typ ergeben. Das Fazit ist somit: Das Verhältnis 17:1 ist definitiv nicht korrekt.

Waldemar Geiger

Teilen