Print Friendly, PDF & Email

In der Auseinandersetzung mit einem ebenbürtigen oder nahezu ebenbürtigen Gegner besteht  immer eine unmittelbare Gefahr von feindlichem indirektem Feuer als Reaktion auf eigenen Mörser- oder Artillerieeinsatz. Radare und Drohnen in allen Varianten dienen dabei als effektive Hilfsmittel bei der Bereitstellung von Zielinformationen um solche Bekämpfungszyklen einzuleiten.

Um der Bedrohung durch gegnerisches indirektes Feuer zu begegnen, muss das dänische Heer die Einsatzdoktrin für den Einsatz seiner schweren Mörser-Systeme wie folgt ändern:

  • Schutz der Soldaten auch während des Feuerkampfes;
  • Schutz der Truppe (wenn nicht geschossen wird) gegen Aufklärung mittels feindlicher Drohnen und anderer Aufklärungsmittel auf jede erdenkliche Weise,
  • kürzestmögliche Exponierung des Systems während des Feuerkampfes,
  • größtmögliche Auflockerung der Feuereinheit während des Feuerkampfes, um sie als Ziele weniger attraktiv machen,
  • Verlassen der Feuerstellung unmittelbar nach dem letzten Schuss.

Das sind keine neuen Weisheiten, aber sie sind seit 2014 aktueller denn je, nachdem eine Reihe von Fallstudien aus der Ukraine zeigte, was passieren kann, wenn man seine Mörser oder Artilleriesysteme über einen längeren Zeitraum statisch einsetzt.

Um diese „neuen“ Anforderungen zu erfüllen, wird die dänische Armee in den nächsten Jahren eine Vielzahl an neuem Material einführen. Eines davon ist CARDOM 10, das neue 120-mm-Mörsersystem der dänischen Streitkräfte.

Piranha 5 – Mobilität und Schutz

Um die Besatzung gut zu schützen und eine bestmögliche Mobilität des Waffensystems zu gewährleisten, wurde der Mörser in den neuen gepanzerten Mannschaftstransporter des dänischen Heeres integriert. Das dänische Heer hatte entschieden, ab 2015 die Flotte von M113 und Piranha 3-Fahrzeugen durch den Piranha 5 von General Dynamics European Land Systems-Mowag zu ersetzen. Der Piranha 5 bietet ein sehr hohes Maß an Mobilität und Schutz. Das Fahrzeug wird in verschiedenen Konfigurationen geliefert, angepasst an die unterschiedlichen Erfordernisse und Einsatzprofile des Heeres: Infanterie, Pioniere, Sanitätsdienst, Gefechtsstandfahrzeuge und weitere.

Als neueste Variante wurde die Mörserversion in der ersten Jahreshälfte 2019 in West-Dänemark getestet. Der integrierte Mörser ist der CARDOM 10 von Elbit.

Von Februar bis Juli 2019 durchlief das Gesamtsystem ein umfangreiches Erprobungsprogramm, das unter anderem Mobilitätstests und Tests der maximalen Belastung der Waffe umfasste. (Video: DALO)

CARDOM 10 – Autonomie und Präzision

Eine Möglichkeit, die Gefahr, der der Mörsertrupp durch die feindliche Aufklärung ausgesetzt ist, zu verringern, besteht darin, Systeme mit sehr geringen Richt- und Einrichtzeiten einzuführen. Der CARDOM 10  ist ein völlig autonomes und rückstoßarmes 120-mm-Mörsersystem. Diese Kombination ermöglicht es dem Zugführer, seine Systeme je nach Bedrohung in verschiedenen Formationen einzusetzen. Einschließlich aller Formationen von dicht beieinander bis über ein größeres Gebiet disloziert, so dass der Gegner zu einem größeren Ressourceneinsatz gezwungen wird, falls er sich dazu entschließt die Feuereinheit bekämpfen zu wollen.

Der CARDOM 10 ist eine Entwicklung auf Basis des gefechtserprobten CARDOM 120 mm, der bei der U.S. Army, den israelischen Streitkräften und in weiteren Nationen eingeführt ist.

Zur Verwendung reichweitengesteigerter Munition von bis 10 km, hat CARDOM 10 ein längeres Rohr. Dies erklärt die Bezeichnung CARDOM 10. Der Mörser ist mit einem automatischen Richtsystem mit einem elektrischen Antrieb für vertikale und horizontale Bewegungen ausgestattet und ist in der Lage, im MRSI-Verfahren zu feuern (Abfeuern mehrerer Patronen nacheinander aus einem Rohr, die gleichzeitig im Zielgebiet einschlagen). Bei einem Stromausfall, einem Ausfall des Computers oder des Navigationssystems kann der Mörser manuell mit Höhen- und Seitenrichttrieben in Verbindung mit  einem optischen Periskop gerichtet werden, so wie es die Mörsertrupps bereits von den abgesessen Mörsern kennen.

Der CARDOM 10-Prototyp mit dem MVRS-700SC unter dem Rohr (Foto: WEIBEL)

Das Feuerleitsystem (Fire Control System –FCS) basiert auf der S4-Software der Nato. In Kombination mit meteorologischen Daten (METGM oder METCM) und Informationen des Mündungsgeschwindigkeitsradars ermöglicht das FCS eine hohe Treffgenauigkeit. In Verbindung mit dem automatischen Richtsstem des Mörsers verbessert diese Technologie die Präzision und reduziert somit die Notwendigkeit des Nachrichtens während des Wirkungsfeuers.

Dies sind wichtige Schritte, um die Zeit in der Feuerstellung zu verkürzen und damit die Möglichkeit von feindlichem Gegenfeuer zu vermeiden. Das FCS ist mit dem Führungsinformationssystem des dänischen Heeres verbunden und das Call-for-Fire-Verfahren basiert nun auf digitalen Kommunikationsmitteln. Der Beobachter kann jedoch bei Bedarf auch per Sprachkommunikation Feuer anfordern. Außerdem ist das System mit einem halbautomatischen Ladesystem ausgestattet, das es der Besatzung ermöglicht, mit bis zu 10 Schuss pro Minute einfach und kontrolliert zu feuern. Im Vergleich zum manuellen Laden reduziert der halbautomatische Lader die körperliche Belastung und verbessert so die Effektivität des Trupps.

Endabnahme und Lieferung

Von Februar bis Juli 2019 durchlief das Gesamtsystem ein umfangreiches Erprobungsprogramm, das unter anderem Mobilitätstests und Tests der maximalen Belastung der Waffe umfasste. Der Lärmpegel und der Druck während des Einsatzes wurden gemessen, um bestmögliche Umgebungsbedingungen für die Besatzung zu schaffen. Die Tests umfassten auch scharfe Schüsse in taktischen Szenarien, um die Gesamtleistung beurteilen zu können. Diese Szenarien basierten auf dem Prinzip “shoot n´ scoot”. Das System erfüllte alle Anforderungen für einen schnellen und präzisen Einsatz und erwies sich als ein sehr effektives System für die Zukunft – bereit, den „neuen” Bedrohungen auf dem Gefechtsfeld zu begegnen.

Zur Unterstützung der Infanteriebataillone werden die Mörser in Zügen mit je vier Systemen organisiert. Die ersten Systeme werden Anfang 2020 an die Truppe ausgeliefert. Die Lieferungen sollen Anfang 2021 abgeschlossen sein.

Autor: Major Michael Johnsson ist zuständig für Mörser- und Artilleriesysteme in der Abteilung Studium und Entwicklung im Defence Command der dänischen Streitkräfte.