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Nachdem der Lynx KF41 als einer von zwei Wettbewerbern für das Rüstungsprojekt Land 400 Phase 3 ausgewählt wurde, hat Rheinmetall Mitte Oktober den Vertrag für die Teilnahme an der Erprobungsphase (Risk Mitigation Activity, RMA) und die Lieferung von drei Lynx KF41-Erprobungsmustern mit der australischen Regierung abgeschlossen. Der jetzt geschlossene Vertrag hat einen Auftragswert von rund 30 Millionen Euro. Mit dem gesamten Vorhaben Land 400 Phase 3 verbindet sich im Erfolgsfalle ein Auftragsvolumen von 9,5 Milliarden Euro.

Das australische Heer sucht ein leistungsfähiges und hochgeschütztes Infanteriekampffahrzeug, um gegnerische Kräfte auch bei höchsten Bedrohungslagen bezwingen zu können. Das Kettenfahrzeug Lynx KF41 ist ein netzwerkfähiger und hochgeschützter Schützenpanzer der nächsten Generation, der die militärischen Anforderungen des Projektes Land 400 Phase 3 erfüllt.

Der modulare Lynx KF41 verfügt in der Schützenpanzerversion über den digitalen Lance-Turm von Rheinmetall mit elektronischer Architektur, welcher auch im Boxer 8×8 CRV verwendet wird. Dies ermöglicht den Besatzungen den Zugriff auf Sensorsysteme, moderne automatische Ortungs- und Zielfunktionen und eine waffenintegrierte Kampfführung in einer netzwerkfähigen Plattform.

Die Prototypen werden in der RMA von Angehörigen der australischen Streitkräfte bedient und in australischem Gelände unter extremen Bedingungen getestet. Dabei werden Wirksamkeit, Transportfähigkeit, Mobilität, Truppentauglichkeit bewertet sowie Explosions- und ballistische Tests durchgeführt. Zeitgleich werden in Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Anbietern in einer strukturierten Bewertungsphase die technische Leistungsfähigkeit, die Aufwuchsfähigkeit, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die nationale Wirtschaftlichkeit optimiert. Die Erprobungsphase wird bis Ende 2021 dauern. Danach wird das endgültige Angebot (Best and final offer) angefordert mit dem Ziel, einen Liefervertrag 2022 abschließen zu können.

Lynx Entwicklung für Australien
Lynx Entwicklung für Australien

Australien will mit den großen Rüstungsprogrammen auch die eigene Wirtschaft stärken. Daher haben Know-how-Transfer und Produktion im eigenen Land hohe Priorität. Rheinmetall hat bereits in Brisbane ein Military Vehicle Centre of Excellence (MILVEHCOE) eingerichtet, dass bisher für Produktion und Auslieferung von logistischen Lkw und Gefechtsfahrzeugen 8×8 Boxer genutzt wird und für einen möglichen Lynx-Auftrag erweitert werden könnten. Darüber hinaus ist beabsichtigt, australische Unternehmen mit der Entwicklung von Komponenten wie Lichtmaschine, Fahrwerk oder Kabel zu beauftragen.

Eine erste Einsatzfähigkeit mit dem neuen Fahrzeug soll 2024 bis 205 erreicht werden. Die Ausrüstung mit den neuen Fahrzeugen soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Gerhard Heiming