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Am 17. September fand in der Nähe von Frankfurt der Behördentag 2019 der CSC European Defence Business Management GmbH statt. Der Fokus der Veranstaltung lag auf den Fähigkeitsforderungen von Spezialkräften und speziell von amphibischen Kräften.

Neben Produktpräsentationen konnten zum Beispiel im benachbarten Hitpoint Schießkino alle Kurzwaffen der Firma CZ Probe geschossen werden. Dort wurden auch ballistische Schutzplatten, ein neuer Helm sowie ballistische Schutzbrillen verschiedener Hersteller zu Demonstrationszwecken beschossen. Viele Produkte feierten hier (Europa-)Premiere.

CSC beabsichtigte mit der Veranstaltung seine im Bestand befindlichen Premiummarken sowie neue Marken im Portfolio direkt dem behördlichen Endnutzer vorzustellen. Nutzer aus dem Bereich der Spezialkräfte und Beschaffer – vor allem der Polizei – folgten der Einladung.

Handwaffen

Der tschechische Waffenhersteller CZUB (Česká zbrojovka a.s. Uhersky Brod), in Deutschland vor allem im sportlichen Bereich durch die Pistolen der CZ 75 Reihe bekannt, hat seit 2011 sein Produktsortiment im Behördenbereich sowohl im Kurz- als auch Langwaffensegment erweitert. Die Vertretung für CZUB auf dem behördlichen Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernimmt die CSC Arms Division GmbH. 2017 führte CZ mit der P-10 Pistolenfamilie erstmals eine Polymer Schlagbolzenschloss Pistole ein.

Es gibt aktuell vier Modelle der P-10 Reihe:

  • P-10 F (Lauflänge 114 mm, 19 Patronen, 800 gr.)
  • P-10 SC (Lauflänge 114 mm, 15 Patronen, 780 gr.)
  • P-10 C (Lauflänge 102 mm, 15 Patronen, 740 gr.)
  • P-10 S (Lauflänge 90 mm, 12 Patronen, 710 gr.)

Die P-10 besitzt eine Schlagbolzensicherung in 90° zur Schussachse, eine nachleuchtende Stahlvisierung, eine integrierter Befestigungsschiene nach Mil-Std 1913 und einen anpassbaren Griffrücken. Zwei Stahlmagazine mit optionalem Magazinboden, der die Magazinkapazität um zwei zusätzliche Patronen erhöht, sind serienmäßig im Lieferumfang enthalten.

Die P-10C (Mitte) konnte vor Ort auch in einer Optics Ready-Variante geschossen werden. (Foto: André Forkert)

Da es weiterhin große behördliche Nachfrage nach Single-Action/Double-Action (SA/DA) Pistolen gibt, hat CZ auch hier zwei aktuelle Modelle im Portfolio. Mit der P-09 (Lauflänge 115 mm, 19 Patronen, 860 gr.) und der kürzeren P-07 (Lauflänge 95 mm, 15 Patronen, 780 gr.) hat CZ zwei robuste Dienstwaffen mit außenliegendem Hahn und Entspannhebel im Portfolio. Erwähnenswert ist, dass die P-10 Familie und die P-09 / P-07 dieselben Stahlmagazine verwendet.

Alle Pistolen vor Ort waren im Kaliber 9×19 NATO. Die P7 und P9 sind auch in anderen Kalibern erhältlich. Beim Testschießen konnten sich die Teilnehmer von der einfachen und intuitiven Handhabung, dem guten Sitz in der Hand und der Treffgenauigkeit überzeugen. Alle Schützen zeigten sich zufrieden bis begeistert von den Waffen.

Bekleidung

Das aktuelle Bekleidungskonzept Lost Arrow Project des renommierten Outdoorausstatters Patagonia beruht auf der nunmehr 15jährigen Zusammenarbeit mit dem USSOCOM. Seit 14 Jahren liefert Patagonia Komponenten hierfür und ist seit acht Jahren der Ausstatter für sechs der neun Lagen (Bekleidungsschichten von der Unterwäsche über den Kampfanzug bis hin zum Kälteschutz für extreme klimatische Bedingungen) des SPEAR Programmes. Um nun auch behördliche Kunden außerhalb des SPEAR Programmes (Delta, Seals, Rangers, MARSOC) beliefern zu können, ist das Lost Arrow Project ins Leben gerufen worden. Aktuell neue Nutzer sind u.a. skandinavische Einheiten als auch die Spezialkräfte der Niederlande.

Die Basis dieser Produktlinie bietet ein neuer Stoff, der in jedem Produkt verwendet wird. Schwerpunkt liegt auf der umgangssprachlich als „atmungsaktiv“ bezeichneten Air permeability Technology – der Träger bleibt warm und trocken, Schweiß und übermäßige Körperwärme wird nach außen transportiert. Alle verwendeten Materialien und Kleidungsstücke sind FR (fire resistant – no melt no drop) und near IR (IR-Signaturreduzierend).

Beim Lost Arrow Concept handelt es sich um ein System mit zwei Ausrichtungen, eine für den statischen Einsatz und eine für den taktischen Einsatz in der Bewegung. Unterschiede ergeben sich dann im Materialmix, Packmaß, Geräuschentwicklung, usw. So verwendet die taktische Ausrichtung eine noch leichtere Hohlfaser und die Außenmaterialien sind speziell so gewebt (Nano Air), dass sie einen erhöhten und kontrollierten Luftdurchlaß zulassen. Die statische Variante ist dagegen mit einem eingepressten und waschfesten Naturkautschuk beschichtet. Wie schon erwähnt, sind die „Air“-Materialien auch deutlich geräuschärmer in der Bewegung.

Neben Wärmeschutz und Windbreakern gibt es auch eine Hardshell-Ausstattung. Diese ist im Bereich der Plattenträger mit einem nanobeschichteten 4-Wege-Stretch versehen, damit der Schweiß nach außen dringen kann. Alle anderen Bereiche haben einen flexiblen und wasserdichten Hardshell-Anteil als Außenhaut. Bei der verwendeten Membran handelt es sich um eine Neuentwicklung von Patagonia, diese ist sehr leise und flexibel. Alle Anteile des Konzeptes sind falt- oder rollbar und können so mit extrem kleinen und kompakten Maßen verstaut werden. Oft dient eine Innentasche oder die Kapuze als Packsack.

Weitere gezeigte Bekleidungsausrüster waren Armadillo Merino sowie Beyond (Uniformen für die regulären Truppen). Armadillo Merino bietet den Baselayer an, der direkt auf der Haut liegt und aus Merinowolle gefertigt ist. Dank der Eigenschaften der Merinowolle wird die Wolle nicht schmelzen, tropfen oder Feuer fangen, sie riecht nicht, ist weich und bequem. Und sie hält den Nutzer warm in der Kälte und kühl, wenn es heiß ist.

Schuhe

Neu im Portfolio von CSC ist die US Schuhmarke LALO. Und die Amerikaner hatten die Kollektion dabei, die eigentlich erst auf der Shot Show 2020 Premiere feiern soll. Auch LALO hat sich auf die Anforderungen von Soldaten in amphibischen Einsätzen spezialisiert. Man bietet zwei Linien, die BUD/S Sportschuhe sowie taktische Einsatzschuhe. Letztere wurde ursprünglich mit und für die US Navy Seals entwickelt. Auch heute erfolgt die Produktentwicklung immer in enger Abstimmung mit den Endnutzern. Viele Stiefel haben einen integrierten Clip zur Befestigung der Flossen. Außerdem sind sie auf einen schnellen Abfluss von Wasser bzw. den Abtransport der Fußfeuchtigkeit hin ausgelegt. Für alle Einsatzszenarien und Klimazonen gibt es entsprechende Varianten.

Der „KPU Grill“ beim LALO Shadow Intruder schützt die Fußseiten vor Schlägen und funktioniert wie ein Autokühler zur Temperaturreduktion. (Foto: André Forkert)

Viel Wert wird auf die Sohlenkonstruktion gelegt. Die Sohle schützt und unterstützt den Nutzer bei seiner Fortbewegung. Dank der Auslegung soll er so zwischen 20 und 35% Kraftersparnis haben. Einfach gesagt, besteht die Sohle aus zwei Komponenten. Im hinteren Teil ist sie stark gedämpft, der vordere ist flexibel unterstützend. Alle Schuhe haben viele Wasserabläufe, die Außenmaterialien sind ebenfalls wasserdurchlässig, sie verwenden keine Membran (Ausnahme die Winterstiefel) und alle Sohlen sind durchstichsicher und extrem leise. Die amphibische Außensohle wird mit DuPont Material hergestellt und bietet einen sicheren Halt auch bei Nässe oder heißen Umgebungen. Sie ist zudem salzwasserresistent.

LALO legt sehr viel Wert auf Gewichtseinsparung. Dies soll laut Hersteller eine einfache Berechnung verdeutlichen: Ein Gewichtsunterschied von 28 gr. – zum Beispiel im Bereich der Sohle – bedeutet für den Nutzer eine zusätzliche Belastung von 25 kg pro Meile! Jedes Gramm weniger bedeutet der Trooper kommt am Einsatzort fitter, ausgeruhter und schneller an. Die Fersenpartie ist um 8 mm höher als die Zehen, dies sorgt für eine zusätzliche Unterstützung bei der Fortbewegung und Schutz und Entlastung des Rückgrats.

Der „KPU Grill“ beim LALO Shadow Intruder schützt die Fußseiten vor Schlägen und funktioniert wie ein Autokühler zur Temperaturreduktion. Außerdem sorgt er für einen besseren Halt der Flossen. Neueste Mitglieder der Einsatzstiefel sind der Shadow Jungle Combat Boot (JCB) sowie der BUD/S Hydron Recon Jungle Boot aus Neopren. Alle Eigenschaften der LALO Schuhe sind auf das nasse Element ausgerichtet.

Schutzausrüstung

Weltpremiere feierte der Prototyp eines (Polizei-)Helmes aus einer neuen Metalllegierung. Grund ist laut Hersteller die Forderung der Polizei nach Helmen aus Metall. CSC hat sich dieser Forderung angenommen und zusammen mit einem namhaften Metallhersteller eine neue Legierung entwickelt. Die Herstellung des Helmes erfolgt im Ziehverfahren, nach der Pressung erfolgt der Zuschnitt auf die Advanced Combat Helmet (ACH) Form. Es wird den Helm in der High-, Mid- und Full-Cut Variante geben. Das neue Material soll laut Hersteller eine deutliche Gewichtsreduzierung bringen, das Einsatzgewicht soll am Ende bei 1,4 bis 1,6 kg liegen, der Traumawert bei 3 bis 4 mm. Die Konstruktion ist schraubenfrei und innen werden Pads verwendet, die laut Anbieter keine Energie übertragen. Zur Shot Show 2020 soll der Helm serienreif und zertifiziert sein, demnächst finden die Tests in Mellrichstadt statt. Das Legierungspatent liegt bei CSC.

Der Prototyp des neuen CSC Metall-Helmes nach dem Beschuss aus 10 Metern Entfernung mit einer 9 x 19 mm. (Foto: André Forkert)

Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, wurde die Schale eines Prototyps vor Ort mit 9 mm beschossen.

Ebenfalls beschossen wurde eine sehr leichte ballistische Schutzplatte (VPAM 6 nach TL). Hier kamen die Kaliber 9 mm, .223 und 7,62×39 mm zum Einsatz. Selbst ein Multihit erzeugte keine nennenswerte Verformung.

Mit 2,4 mm Schrott wurden ballistische Schutzbrillen zweier Hersteller beschossen. Von dem Ergebnis (Smith Aegis Echo und eines anderen renommierten US Herstellers) kann man sich auf den Bildern selbst überzeugen. CSC ist Vertriebspartner von Smith und die Brillen dieses Herstellers sind auch in den äußersten Randbereichen paralaxenfrei. Smith wird u.a. beim SAS und SBS in Großbritannien genutzt.

Taktische Ausrüstung für amphibische Spezialkräfte

S&S Precision hat sich auf die Bedürfnisse der Navy Seals spezialisiert. Neben Plattenträgern wurden vor Ort auch Navboards, Beleuchtungssysteme und Ausrüstungs- und Waffenaufnahmen und ein Schwimmkragen (LiftR) gezeigt. Die Navboards dienen vor allem der Fixierung von GPS, Kompasse, Höhenmesser und heutzutage auch Smartphones während des Fallschirmsprungeinsatzes. Der Para befestigt das Navboard am Brustgurt und hat so alle Anzeigen immer im Blick und bedienbar.

Wirklich neu sind die Plateframe Modular (PFM) Plattenträger. Diese sind extrem leicht (1,25 bis 1,75 kg), sehr modular und nur auf das notwendigste beschränkt. Das gesamte Gewicht wird durch einen neuartigen und beweglichen Kummerbunt auf die Hüfte abgestützt und nicht mehr auf die Schultern. Das Material nimmt keinerlei Feuchtigkeit auf, und wird damit in amphibischen Einsätzen auch nicht schwerer. PFM wurde im Januar 2019 auf der Shot Show erstmalig gezeigt und jeder Frame wird seinem Nutzer und den bei der Einheit verwendeten Platten individuell angepasst. So stehen verschiedenste Frame-Formen und der Kummerbunt in mehreren Längen zur Auswahl.

Zu den Nutzern gehören die Navy Seals, das Navy Special Warfare Command (NSW) oder auch die US Air Force Rescue Squadrons. Auch skandinavische Einheiten und die Niederlande haben das PFM schon beschafft.

Neuartiges Tourniquet

Ein innovatives und neuartiges Tourniquet von RATS Medical feierte Europapremiere. In den USA ist es seit fünf Jahren auf dem Markt, seit Anfang September ist er auch in Europa zertifiziert. Das Rapid Application Tourniquet System (R.A.T.S.) ist das schnellste Tourniquet auf dem Markt und wird verwendet, um massive Blutungen aufgrund von Traumata zu stoppen. Der R.A.T.S. verwendet einen festen, elastischen Kern aus solidem vulkanisierten Gummikern mit einer Polyesterummantelung, kombiniert mit einem patentierten Verriegelungsmechanismus, um eine unglaublich schnelle Blutsperre für sich selbst oder andere zu erzeugen. Auch eine Einhandbedienung ist problemlos möglich. Die hier gezeigte Generation 2 des Tourniquets ist deutlich länger als sein Vorgänger, die Länge reicht aus, um dreimal auch dicke Oberschenkel zu umrunden.

Das Tourniquet von RATS Medical ist auch unter Stressbedingungen extrem einfach und schnell anzulegen. (Foto: André Forkert)

Am Anfang sieht es kompliziert aus, aber nach ein bis zweimal Anlagen haben sich die Handgriffe fest im Hirn eingebrannt, es ist einfach zu erlernen und anzuwenden. Es hat nur einem minimalen Platzbedarf, und ist für alle Körpergrößen, d.h. Erwachsene, aber auch Kinder oder Einsatzhunde nutzbar. Das U.S. Army Institute of Surgical Research hat die Wirksamkeit beim Verschließen des Blutflusses sowohl im oberen als auch im unteren Bereich der Extremitäten nachgewiesen.

Navigation & Notruf

Garmin zeigte eine komplette Serie an Neuheiten, u.a. die Instint Tactical Uhrenserie, die Fenix 6 Uhr (für den zivilen Markt), das inReach Mini sowie das GPSMAP 66i.

Die Garmin Instinct Tactical ist die Militärvariante der Instinct Outdoor-Smartwatch. Als Funktionsunterschiede zur zivilen Variante gibt es den Stealth Modus (Tarnmodus) zum Deaktivieren von Bluetooth-Verbindungen und Verbergen der GPS-Position (speichern & teilen), den Nachtsichtmodus zur Verwendung mit Nachtsichtgeräten sowie die Jumpmaster Anwendung für Fallschirmsprungeinsätze (HAHO, HALO, Static). Ansonsten entspricht die Instinct Tactical der Standardversion, dies umfasst u.a. einen Höhenmesser, Barometer, Kompass, Navigation, etc. Das inReach Mini ist ein Globales Satelliten-Kommunikationsgerät im Taschenformat (5,17 x 9,9 x 2,61 cm, 100 gr.). Es handelt sich um ein robustes Satelliten-Kommunikationsgerät für den Zwei-Wege-SMS-Versand über den Iridium-Anbieter. Damit können im Notfall interaktive SOS-Notrufe (nur Texte) an eine rund um die Uhr besetzte Notfallüberwachungszentrale abgesendet werden. Mit dem Text wird auch gleich die Position übermittelt. Das Gerät kann sowohl Antworten als auch eine Versandbestätigung erhalten. Auch ist ein Zugriff auf herunterladbare Karten, Luftbildaufnahmen in Farbe etc. mit der Garmin Earthmate-App und kompatiblen Geräten möglich. Das Gerät ist IPX7 geschützt, im 10-minütigen-Trackingmodus reicht der integrierte Lithium-Ionen-Akku für bis zu 90 Stunden Laufzeit.

Das Garmin GPSMAP 66i. (Foto: Garmin)

Das GPSMAP 66i ist praktisch eine Kombination aus dem GPSMAP 64SC Navigationsgerät und dem inReach Mini. Damit bietet es neben den Notrufeigenschaften eben auch eine vollwertige Navigationsmöglichkeit. Über eine entsprechende App und ein verbundenes Smartphone kann auch die Active Weather Option (Wetterradar) eingebunden werden. Das Gerät ist seit Juni 2019 erhältlich und ebenfalls IPX7 geschützt. Interessant ist die Tracking Option, so können voreingestellt Nachrichten oder auch die aktuelle Position stündlich an einen voreingestellten Empfänger versendet werden, egal ob der Nutzer sich gerade zu Luft, Land oder See bewegt. Es sind mehrere Empfänger einstellbar, die über Mobilfunknummern oder Email informiert werden. Das GPSMAP 66i kann mit der Garmin Tactix Charlie kombiniert werden und ist ebenfalls mit einem Nachtsichtmodus ausgestattet. Auch hier besteht die Möglichkeit, das geografische Daten (Track, etc.) nicht auslesbar sind – z.B. nach Verlust oder einer Gefangennahme.

Über ein 7,6 cm großes Farbdisplay können alle Informationen oder auch vorinstallierten Karten abgelesen werden. Laut Hersteller beträgt die Akkulaufzeit (Lithium-Akku) bis zu einer Woche: 200 Stunden im Expeditionsmodus mit 30-minütigen Tracking-Intervallen und bis zu 35 Stunden Akkulaufzeit mit 10-minütigem Tracking.

André Forkert