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Kurzinterview mit Mike Schmidt, Geschäftsführer der Rheinmetall Aviation Services GmbH, zum Thema Ausschreibung Schwerer Transporthubschrauber und den Beitrag den eine CH-53K bei der Brandbekämpfung leisten kann.

ES&T: Als Geschäftsführer der Rheinmetall Aviation Services GmbH sind Sie gut vertraut mit der Ausschreibung zur Nachfolge des Schweren Transporthubschraubers. Mit dem geplanten Beitrag zu Instandhaltung, Training und Logistik der CH-53K King Stallion sind Sie Teil des deutschen Industrieteams rund um Sikorsky. Ein ungewöhnlicher Auftrag für ein Unternehmen, das doch eigentlich für seine Panzer bekannt ist.

Mike Schmidt ist Geschäftsführer der Rheinmetall Aviation Services GmbH (Foto: Rheinmetall)

Schmidt: Rheinmetall ist ein langjähriger Partner der Bundeswehr in der Luftfahrt. Ob CH-53G, NH90, Tiger, A400M oder Eurofighter – Rheinmetall ist stets bewährter und erfahrener Ansprechpartner für Flugsimulation- und Trainingslösungen ebenso wie auch die Bereitstellung von technischer Dokumentation und logistischen Betreuungsleistungen. Das spiegelt sich auch in den schon vorhandenen Zulassungen durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr wider: Rheinmetall als zertifizierter Luftfahrtbetrieb verfügt seit Jahren über die relevante Genehmigung für die Betreuung von militärischen Luftfahrzeugen und Luftfahrtgerät.

ES&T: Sie haben Ende Mai mit Ihren Partnern den Teilnahmeantrag für die STH-Ausschreibung abgegeben, die Ausschreibung selbst wurde Ende Juni veröffentlicht. Welche Themen treiben Sie derzeit um?

Schmidt: Unser größter Fokus liegt aktuell natürlich auf der Ausschreibung, die das BAAINBw im Juni 2019 offiziell gestartet hat und die bis Mitte Januar 2020 von uns beantwortet werden muss. Hierzu ist ein großer Teil unseres Teams aktuell dauerhaft vor Ort in den USA, um mit Sikorsky und den weiteren Industriepartnern ein ebenso schlagkräftiges wie überzeugendes Angebot zu formulieren.

Aber auch tagesaktuelle Themen treiben uns um. So schauen wir uns seit einiger Zeit sehr genau und mit großer Sorge die gesteigerte Bedrohungslage durch Waldbrände an. Hier hat sich die Lage in den vergangenen Jahren doch spürbar verschärft.

ES&T: Inwiefern hat sich die Bedrohungslage durch Waldbrände in den vergangenen Jahren verändert?

Schmidt: Waldbrände werden in Deutschland zunehmend zur Bedrohung. In den vergangenen 15 Jahren war die Waldbrandhäufigkeit nie höher als im laufenden Jahr. Experten sagen, dass das Risiko aufgrund des Klimawandels absehbar weiter steigen wird. Wie die jüngsten Fälle gezeigt haben, sind Waldbrände schon jetzt eine immense Herausforderung für unsere Feuerwehren und deren Helfer. Es stellt sich also zwangsläufig die Frage, ob die Feuerwehren in Deutschland für solche Gefahrenlagen ausreichend gerüstet sind.

ES&T: Was genau ist mit Blick auf die Ausrüstung zur Brandbekämpfung wichtig?

Schmidt: Die Bekämpfung von Waldbränden erfordert viel Personal und – je nach Gefahrenlage – auch den Einsatz von schwerem Gerät. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Brandbekämpfung aus der Luft, weil viele der betroffenen Gebiete nur schwer zugänglich sind. Feuerwehren sind daher zunehmend auf die Unterstützung durch Hubschrauber der Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien angewiesen. Die Hubschrauber der Bundeswehr spielen daher eine immer wichtigere Rolle.

ES&T: Kann die Bundeswehr überhaupt genügend Hubschrauber bereitstellen?

Schmidt: Bisher nutzt die Bundeswehr CH-53-Hubschrauber, weil sie große Lösch-
wasser-Außenlastbehälter tragen können. Allerdings ist diese Flotte in die Jahre gekommen und muss dringend erneuert werden. Im Jahr 2018 leistete die Bundeswehr verstärkt Amtshilfe und flog mit ihren CH-53-Hubschraubern neun Einsätze mit ca. 500 Löschangriffen. Damit kam die Bundeswehr bei der Amtshilfe an ihre Leistungsgrenze. Bei einem Brand auf einem Truppenübungsplatz in Bayern mussten bereits Hubschrauber der US-Armee eingesetzt werden. Um den künftigen Anforderungen der Brandbekämpfung gerecht zu werden, braucht die Bundeswehr eine höhere Verfügbarkeit an deutlich leistungsstärkeren Hubschraubern.

ES&T: Was unternimmt die Bundeswehr, um sich auf die neue Situation einzustellen?

Schmidt: Die Bundeswehr hat gerade die Beschaffung neuer schwerer Transporthubschrauber beschlossen. Die Kaufentscheidung soll Anfang 2021 erfolgen. Das ist auch für die Brandbekämpfung und unsere Feuerwehren eine sehr gute Nachricht: Denn zur Auswahl steht auch die neue CH-53K von Sikorsky. Die CH-53K ist der modernste, intelligenteste und leistungsfähigste schwere Transporthubschrauber, der je gebaut wurde. Wir von Rheinmetall wollen als Partner von Sikorsky für die Wartung und Instandhaltung, die Anpassung der technischen und fliegerischen Dokumentation sowie die Trainingsmittel sorgen. Das schafft dauerhaft zusätzliche Arbeitsplätze und Infrastruktur in Deutschland.

ES&T: Was kann die CH-53K bei der Brandbekämpfung, was ihre Konkurrenten nicht können?

Schmidt: Die CH-53K trägt bis zu 12.000 Liter Wasser pro Löschangriff. Damit kann sie im Vergleich zum Vorgängermodell, der CH-53G, mehr als die vierfache Menge an Löschwasser in der gleichen Zeit ausbringen. Gegenüber der CH-47 kann die CH-53K nahezu die doppelte Löschwassermenge transportieren. Und die CH-53K kann aufgrund ihrer Leistungsstärke gleichzeitig Helfer, Material und die Höchstmenge an Löschwasser transportieren. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn bei Evakuierungen aus Katastrophengebieten kommt es auf Schnelligkeit an. Zusätzlich kann die CH-53K mit medizinischem Gerät ausgestattet werden und ist damit auch als Großraumrettungshubschrauber einsetzbar.

Das Interview führte Waldemar Geiger.