100 Jahre Michail T. Kalaschnikow
Michael Menzer
Für das russische Rüstungsunternehmen Konzern Kalaschnikow ist 2019 ein Jubiläumsjahr. Vor 100 Jahren, am 10. November 1919, kam in dem Dorf Kurja in der russischen Region Altai Michail T. Kalaschnikow zur Welt.
Michail Timofejewitsch Kalaschnikow gab der maßgeblich von ihm entwickelten und bis heute legendären Waffenfamilie seinen Namen. Mit über 100 Millionen Exemplaren in den unterschiedlichsten Ausführungen und aus etlichen Produktionsstätten gehören die Kalaschnikow-Sturmgewehre zu den am weitesten verbreiteten Handwaffen weltweit. Gebaut wurden die Waffen bei Weitem nicht nur bei der ursprünglichen Herstellerfirma Ischmasch. Vielmehr entstanden etliche lizenzierte, aber auch nichtlizenzierte Versionen.
Die Landesverteidigung im Blick

Für Michail Kalaschnikow selbst stand die Verteidigung seiner Heimat im Mittelpunkt seines Wirkens. Der technisch begabte Sohn einer Bauernfamilie arbeitete zunächst in einer Eisenbahngesellschaft. Im Zweiten Weltkrieg diente er erst als Panzerkommandant und wurde im Oktober 1941 schwer verwundet. Im Lazarett hörte er die Klagen seiner Kameraden über die überlegene deutsche Infanteriebewaffnung und beschloss, sich der Entwicklung automatischer Handwaffen zu widmen. Der Durchbruch kam nach dem Zweiten Weltkrieg. So lief am 20. Februar 1947 bei der einst von Zar Alexander gegründeten staatlichen Waffenfabrik Ischmasch (englische Transkription: Izmash) in der Industriestadt Ischewsk die Produktion des Awtomat Kalaschnikowa obrasza 1947, kurz AK-47, an.

Entgegen anders lautender Legenden ist der direkte Vorläufer des AK-47 nicht das maßgeblich von Hugo Schmeisser bei Haenel in Suhl entwickelte deutsche Sturmgewehr (StGw) 44. So unterscheiden sich die meisten Bedienelemente der Waffen völlig. Der AK-47 verfügt über einen kombinierten Sicherungs- und Feuerwahlhebel auf der rechten Gehäuseseite, während beim StGw 44 beide Elemente getrennt sind. Weiterhin verschließt das StGw 44 mit einem Kipp-, der Awtomat Kalaschnikowa mit einem Drehkopfverschluss – wie übrigens der seinerzeitige deutsche Konkurrent zum Schmeisser/Haenel Entwurf, der Maschinenkarabiner Mkb 42 (W) von Walther. Es lässt sich jedoch nicht abstreiten, dass die Entwicklungen auf dem Weg zum Sturmgewehr 44 die Konstruktion Kalaschnikows deutlich beeinflussten. Beide Waffen verschießen eine nach heutiger Lesart „Mittelkaliber“ genannte Kurzpatrone (StGw 44: 7,92 mm x 33, AK-47: 7,62 mm x 39), und beide sind auf ähnliche taktische Konzepte ausgelegt. Es gilt zudem als sicher, dass nach Kriegsende in der UdSSR zwangsverpflichtete deutsche Waffenkonstrukteure Einfluss auf die sowjetischen Entwicklungen ausübten. Unter ihnen war auch Hugo Schmeisser, der die Waffenfabrik Ischewsk im Hinblick auf Blechprägeverfahren beriet. Diese wurde ab 1959 auch bei der Fertigung der modifizierten Version des AK-47, des AKM (Awtomat Kalaschnikowa Modernizirowannij = modifiziert) angewendet.
Konzern Kalaschnikow heute

Am 23. Dezember 2013 starb Michail Kalaschnikow in Ischewsk. Dort hält man das Andenken an den hochdekorierten Generalleutnant und mehrfachen Held der sozialistischen Arbeit und Held der Russischen Föderation in höchsten Ehren. Kurz vor seinem Tod, im August 2013, wurde Ischmasch zum neuen „Konzern Kalaschnikow“ umgebildet. Bis heute laufen hier Kalaschnikow-Sturmgewehre von den Bändern. Im Juli 2019 lieferte der Konzern das erste Los des Sturmgewehrs AK-12 an Verbände der russischen Streitkräfte im Zentralen Militärdistrikt aus. Dort ersetzen die Waffen die bisher geführten AK-74. Das Kaliber bleibt dabei 5,45 mm x 39. Kalaschnikow hat darüber hinaus die Variante AK-15 im Angebot, die auf die klassische Patrone 7,62 mm x 39 eingerichtet ist.
Des Weiteren hat der Konzern Kalaschnikow sein Portfolio umfangreich erweitert. Zum Sortiment zählen naturgemäß noch Handwaffen, darunter Sturmgewehre, Maschinenpistolen, Pistolen, Maschinengewehre und Scharfschützengewehre. Dazu kommen Zivilwaffen für Jagd und Sport. Weiterhin ergänzen durchdachte taktische Ausrüstung und Bekleidung, Drohnen, Spezialfahrzeuge, Sturmboote und sogar Elektromotorräder das Sortiment.
Michael Menzer












