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Der Boxer zeichnet sich durch seinen modularen Aufbau aus. Es besteht aus zwei Schlüsselelementen: dem Fahrmodul und dem abnehmbaren Missionsmodul. Die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH (FFG) wird im September auf der DSEi in London erstmalig einem Fachpublikum ein Berge-Modul für den Boxer vorstellen.

Je nach nationalem Nutzungskonzept wurden für den international in unterschiedlichen Ausführungen genutzten Boxer mittlerweile unterschiedliche Missionsmodule entwickelt. Stand heute stehen Missionsmodule für folgende Fähigkeiten zur Verfügung:

  • Sanität,
  • Gefechtsschadeninstandsetzung,
  • Materialtransport,
  • Führung,
  • Pionier,
  • Radschützenpanzer,
  • Truppentransport,
  • Fahrschulaufgaben und
  • Panzerhaubitze (Rad).

Darüber hinaus wurden zumindest auf dem Reißbrett weitere Module (bspw. Mörserträger) entworfen. Ein Modul für den Einsatz des Boxers als Bergefahrzeug, wie jetzt von FFG vorgestellt, wurde bis dato nicht realisiert. Der Bedarf für ein solches Modul ergibt sich aus den Einsatzkonzepten der Streitkräfte, welche eine möglichst homogene Ausstattung erfordern. So fordern beispielsweise die britischen Streitkräfte in dem sogenannten „Strike“-Konzept einen mechanisierten – sich selbst verlegefähigen – Großverband mit folgenden Fähigkeiten:

  • Eigenständige und schnelle Verlegefähigkeit über eine Entfernung von bis zu 2.000 km an die NATO Grenzen.
  • Befähigung zum erfolgreichen Kampf gegen leichte Gegnerverbände direkt nach Ankunft im Einsatzraum.
  • Auftragserfüllung auch bei andauernder Bedrohung durch irreguläre Kräfte.
  • Verfügbarkeit von organischen Aufklärungs- und Überwachungsmitteln, um eine dauerhafte Überwachung einer breiten Front sicherstellen zu können.
  • Verfügbarkeit über ausreichend Mitteln zum Nah- und Nächstbereichschutz gegen bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge.

Damit diese Forderungen durch die Kampfverbände erfolgreich erfüllt werden können, müssen auch die unterstützenden Elemente (Einsatz-, Führungs-, Kampf- und Feuerunterstützung) die gleichen Anforderungen – unter anderem Mobilität und Schutz – erfüllen.

Das Berge-Modul von FFG auf einem Boxer-Fahrmodul. (Foto: FFG)

FFG hat der ES&T einen Vorabblick auf das Berge-Modul gewährt, welches in der Lage sein soll, solche Forderungen zu erfüllen und im Weiteren vorgestellt werden soll.

Das Boxer Berge-Modul von FFG

Die Firma informiert, dass die Entwicklung des Berge-Moduls im Oktober 2017 begonnen wurde. Im März 2019 wurde die Montage des ersten Moduls in Flensburg begonnen, operative Funktionstests des Moduls folgten im Juli 2019. Umfangreiche Systemtests sollen nach der Vorstellung auf der DSEi durchgeführt und das Konzept des Berge-Moduls für die Serienproduktion vorbereitet werden.

Im März 2019 wurde die Montage des ersten Moduls in Flensburg begonnen. (Foto: FFG)

Das Modul ist gepanzert, wiegt ca. 13 Tonnen und kann je nach Kundenwunsch mit einer fernbedienbaren Waffenstation verschiedener Hersteller u. a. der FLW 200 ausgerüstet werden. Es bietet Platz für zwei Besatzungsmitglieder, Kommandant und Bergewart. Der Fahrersitz bleibt im Fahrmodul mit direktem Zugang zum Berge-Modul. Um eine maximale logistische Gemeinsamkeit mit den anderen Missionsmodulen zu gewährleisten, kommen beim Berge-Modul, wo immer möglich, bereits eingeführte Komponenten (bspw. ABC-Schutzanlage, Heizungs- und Klimasysteme) zum Einsatz.

Das Berge-Modul ist nur über die mechanischen Standardschnittstellen des Boxers mit dem Fahrmodul verbunden und benötigt zum Betrieb eine Stromverbindung, um die im Modul integrierte Batterie laden zu können. Der Antrieb des Hydrauliksystems erfolgt über die Batterie, was dazu führt, dass das Berge-Modul auch autark vom Fahrmodul eingesetzt werden kann.

Technische Daten

Länge des schwenkbaren Kranauslegers 5,3 m
Hebekraft des Kranauslegers 20 t
Zugkraft der Bergewinde 20 t
Länge der Bergewinde (Kevlarseil) 60 m

Einsatzkonzept

Der schwenkbare Kranausleger ist – nach Angaben von FFG – in der Lage alle gängigen Instandsetzungs- und Bergungsarbeiten durchzuführen. Dazu gehört beispielsweise der Wechsel von Triebwerken (auch dem eigenen), Fahrzeugtürmen oder das Heben des Boxers für den Radwechsel. Darüber hinaus ist das Modul mit einer Bergewinde am Heck ausgerüstet, welche auch zur Eigenbergung eingesetzt werden kann, und verfügt über eine breite Palette an Spezialwerkzeug (z.B. Schneid- und Schweißgeräte sowie pneumatische Bergewerkzeuge)

Mittels des schwenkbaren Kranauslegers lassen sich alle gängigen Instandsetzungs- und Bergungsarbeiten ausführen. (Graphik: FFG)

Die Stabilisierung des Moduls erfolgt über zwei hydraulisch ausfahrbare Stützen an der Seite in Verbindung mit einem „Heckanker“. Sie sichern das Modul bei Kran- und Windenarbeiten und entlasten das Fahrmodul gleichzeitig von der damit verbundenen Belastung.

Das teilautonome elektrohydraulische Design des Moduls, ermöglicht den Einsatz auch bei abgeschaltetem Triebwerk. Die Steuerung und Überwachung aller Systeme erfolgt zentral über Touchscreen-Displays und eine eigene FFG-Software. Im Notbetrieb kann die Hydraulik über eine manuelle Steuerung bedient werden.

Waldemar Geiger