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Wie die Marine heute mitteilte, wurde die Auswahltentscheidung für den NH90 NATO Frigate Helicopter (NFH) als Nachfolger des Bordhubschraubers Sea Lynx Mk 88A der Deutschen Marine getroffen.

Eine entsprechende Vorlage wurde am 29. Juli durch Vizeadmiral Joachim Rühle, den Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, gebilligt. Der Meldung nach hat das Bundesministerium der Verteidigung mit Unterstützung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) diese Entscheidung seit Ende 2018 vorbereitet.

Der Inspektuer der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, begrüßt diese “gute Entscheidung” auf Twitter.

Die Bezeichnung des neuen Bordhubschraubers lautet „Mehrrollenfähiger Fregattenhubschrauber“ (MRFH) als deutsche Version des NH90 NATO Frigate Helicopter (NH90 NFH). Er wird mit der französischen Variante NFH (NFRS) Caiman (im Bild) wesentliche Gemeinsamkeiten aufweisen. Neben Italien und Frankreich fliegt der NFH bereits für die belgischen, italienischen, niederländischen und norwegischen Seestreitkräfte.

Ein Firmensprecher von Airbus Helicopters begrüßte diese Auswahlentscheidung und erklärte, dass dem Unternehmen in diesem Stadium noch keine vollständigen Informationen zum Anforderungsprofil vorliegen würden. Daher kann zur finalen Auslegung des Luftfahrzeugs noch keine Aussage gemacht werden. Fest steht jedoch, dass der MRFH auf der Grundlage des NH90 Sea Lion entwickelt und konfiguriert wird.

Der NH90 wurde ursprünglich auf Wunsch der europäischen Nationen als Basishubschrauber konzipiert, der modular aufgebaut ist und in den Versionen Taktischer Transporthubschrauber (TTH) und NATO-Fregattenhubschrauber (NFH) angeboten wird. Beide Hubschrauberversionen sind grundsätzlich technologisch identisch, unterscheiden sich aber in den Missionsausrüstungen stark voneinander. Auch für den Sea Lion, Nachfolger des Sea King, dient der NH90 NFH als Basis.

Den Angeben der Marine nach sind Bordhubschrauber integraler Bestandteil des „Systems Fregatte“. Ausgestattet zum Beispiel mit Sonar, Radar und Torpedos sind sie wesentliche Sensor- und Waffenträger gegen Seeziele über und unter Wasser. Daneben können sie flexibel maritime Operationen durch Transport und Rettungseinsätze unterstützen.

Als nächster Meilenstein im Beschaffungsprozess des MRFH steht die parlamentarische Bewilligung an, die für 2020 erwartet wird. Insgesamt sollen 31 “Sea Tiger” beschafft werden, wovon 30 Maschinen den Marineflieger und einer der WTD zur Verfügung stehen würden.

Forderungen an den Nachfolger

Abgeleitet vom Fähigkeitsprofil der gegenwärtig genutzten Sea Lynx gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die Nachfolgemuster vornehmlich für die U-Boot-Bekämpfung (ASW) und die Überwasserkriegführung (ASuW) befähigt sind. Dazu kommen möglicherweise noch Aufgaben wie Search and Rescue (SAR) sowie der Transport von Personen und Material.

Um Unterseeboote aufspüren und bekämpfen zu können, müssen die Hubschrauber über die entsprechende technische Ausstattung verfügen. Dazu zählt unter anderem ein leistungsfähiges Radar, das einen nur wenige Zentimeter über die Wasseroberfläche herausragenden Schnorchel oder Periskope detektieren kann. Für die Ortung unter Wasser werden aktive und passive Tauchsonare genutzt, die an einem Kabel ins Meer gelassen werden. Mitunter werden Marinehubschrauber auch mit Sonobojen zum Abwurf ausgestattet, die Platz in der Hubschrauberzelle benötigen.

Nach der Entdeckung eines Unterseebootes sollten die Helikopter auch in der Lage sein, die Bekämpfung einzuleiten. Dazu nutzt die Marine vornehmlich Torpedos, von denen oftmals zwei Exemplare an Bord der Maschine sind. Je mehr Nutzlastreserven vorhanden sind, desto mehr Ausrüstung kann ein Helikopter aufnehmen. Bei einem Stückgewicht von etwa 300 kg pro Torpedo ein wichtiger Punkt.

Herausforderung Hangar

Nur die Fregatten der Klassen 124 und 125 sowie das zukünftige MKS 180 der Deutschen Marine sind mit Landedecks und Hangars zur Einschiffung von bis zu zwei Hubschraubern der Größenordnung eines NH90 ausgelegt. Bei der F124 müssten jedoch die Hangartore angepasst werden. Die Fregatten der Klasse 123 können dagegen keine Bordhubschrauber dieser Größe aufnehmen, dafür ist der Hangar zu klein. Demzufolge müssten die Fregatten der Klasse 123 bis zu ihrem Nutzungsende (2030er ) nach derzeitigem Stand ohne Bordhubschrauber auskommen.

Waldemar Geiger und Lars Hoffmann