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Die Entscheidung zum zukünftigen Taktischen Luftverteidigungssystem besitzt vor allem eines: Einen langen Zeitrahmen. Dementsprechend findet parallel die Patriot-Modernisierung statt, damit Deutschland weiterhin die absolut notwendige Fähigkeit zur Missile Defence besitzt. So billigte der Haushaltsausschuss gestern das vom Bundesministerium der Verteidigung geplante Upgrade des Patriot Luftverteidigungssystems zur Konfiguration 3+, der derzeit modernsten verfügbaren Konfiguration, mit einem Finanzvolumen von insgesamt rund 120 Millionen Euro.

„Konkret sollen 14 digitale Radarprozessoren, sechs moderne Bedienstationen für die Gefechtsstände und Ersatzteile gekauft werden. Auch technische Unterstützung wird mitbeauftragt, um die neuen Anlagen in die Patriot-Geräte einzurüsten. Bis 2022 sollen die modernisierten Systeme in der Truppe ankommen“, so die Mitteilung des BMVg. Die Nutzungsdauer soll hierdurch bis nach 2030 reichen.

Die MMS besitzen LCD-Farbdisplays mit Touch-Screen-Funktion, was sowohl die Übersichtlichkeit als auch die Bedienbarkeit deutlich erhöht. (Foto: Raytheon)

Für die Nutzer stellt vor allem die neue Bedienstation bzw. Modern Man Station (MMS) eine deutliche Verbesserung dar. Die MMS besitzen LCD-Farbdisplays mit Touch-Screen-Funktion, was sowohl die Übersichtlichkeit als auch die Bedienbarkeit deutlich erhöht. Bedrohungen lassen sich früher erkennen und Gegenmaßnahmen schneller ergreifen. Zudem ist die Belastung für den Soldaten durch die verbesserte Anordnung deutlich reduziert.

Der neue Radar Digital Prozessor (RDP) basiert auf einem handelsüblichen erprobten Prozessor und erhöht die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung um das Zehnfache. Hierdurch lässt sich die Zuverlässigkeit um 40 Prozent steigern sowie die Einbindung digitaler als auch analoger Komponenten ermöglichen. Mit dem neuen Prozessor könnten zukünftige Softwareupgrades einfach aufgespielt werden, inklusive neuer Zielerfassung oder die Einbindung weiterer Sensoren. Ebenso ist durch die neuen Prozessoren die vollständige Einbindung der PAC-3-Lenkflugkörper in der MSE-Version (der während des MEADS-Programms entwickelte Lenkflugkörper der auch bei TLVS Anwendung finden würde) möglich.

Die Niederlande, Rumänien, Schweden, Polen und die USA befinden sich derzeit allesamt im Prozess, die Konfiguration 3+ zu beschaffen oder ihre bestehenden Einheiten diesem Upgrade zu unterziehen. Durch die Finanzierung dieses Upgrades bleibt Deutschland somit auf einer Linie mit einer Mehrzahl der sieben weiteren EU und NATO Partner, die ebenfalls Patriot nutzen. Zudem sichert es die volle Interoperabilität mit den Niederlanden zur VJTF (L) 2023.

Dorothee Frank