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Im Zeitraum 2014 bis 2016 war das Thema für Nichtregierungsorganisationen und auch Streitkräfte allgegenwärtig: Wie transportier ich einen verseuchten Verletzten über den Luftweg, ohne Gefährdung für das Sanitätspersonal oder andere Personen? Grund war damals der Ebola-Ausbruch in Afrika. Normalerweise ist Ebola nicht ein Problem der Streitkräfte, sondern eher eine Gefährdung durch CBRN (Chemisch, Biologisch, Radiologisch und Nuklear) Kontaminationen.

Um solchen Gefahren sicher begegnen zu können haben die US Spezialkräfte laut US-Medienberichten eine neue Version eines „Patient Isolation Stretcher“ (Patiententransportisolator) entwickeln lassen. Derzeit wird das neue System Feldtests in Fort Bragg, North Carolina, dem „Home of Special Forces“, unterzogen. Auftraggeber ist das US Special Operations Command (USSOCOM).

Bisher bestanden die Patiententransportisolator aus einem zweiteiligen System, der Isolierkammer, die dann mit einer Trage kombiniert wurde. Und sie waren in erster Linie für den Friedensbetrieb bzw. Missionen mit einer entsprechenden Infrastruktur entwickelt worden. Das neue „MilPod“ System von Peke Safety verfügt über einen einteiligen aufblasbaren Rahmen, der als Trage fungiert. Dieser wird von einer durchsichtigen Hülle bedeckt, die sich in etwa 15 Sekunden aufbläst und einen tragbaren Körper bildet. Das innere Futter kann entfernt und nach der Nutzung ausgetauscht und entsorgt werden. Dies soll die Kosten senken, da nicht das ganze System ersetzt werden muss.

Der MilPod ist sowohl mit einem Luftfiltersystem als auch mit einer tragbaren Kühleinheit ausgestattet, so dass das System bis zu 10 Stunden lang positiven oder negativen Druck in der Kammer erzeugen kann. So kann ein kontaminierter Patient aus dem Kampfgebiet zur Versorgung in eine Sanitätseinrichtung gebracht, ggf. geflogen werden. Eine Kontamination anderer Soldaten, Fahrzeuge oder Systeme kann so ausgeschlossen werden. Laut Hersteller kann das System auch verwendet werden, um Verbrennungsopfer mit einem „positiven“ Kühl- und Feuchtigkeitssystem während des Transports zu unterstützen. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Verbrennungswunden der Patienten infizieren. Auch die Blasenbildung im Anfangsstadium soll so verhindert bzw. erheblich reduziert werden können.

Das MILPod System

Der MilPod wiegt rund 20 kg. Die Außenhülle ist durchsichtig, so dass der Patient komplett und durchgängig beobachtet werden kann. Pro Seite gibt es je drei behandschuhte Zugänge für die Versorgung der zu transportierenden Person. Ein weiterer Zugang befindet sich am Kopfende. Für maximale Sichtbarkeit und die strukturelle Steifigkeit ist der MilPod aus verstärktem PVC mit FR-Einstufung und durchsichtigem Vinyl (16lagig) gefertigt. Die PAPR (Powered Air-Purifying Respirator) Einheit ist Batterie betrieben (Einsatzdauer 10 bis 14 Stunden) ist in der Lage pro Stunde die Luft zwischen 16 bis 20 Mal ausgetauscht. Die Größe im aufgeblasenen Zustand beträgt (L/B/H) 2.15m x 0,67m x 0,64 m, verpackt beträgt sie 0,4m x 0,3m x 0,64m.

Das System bietet sechs Transportgriffe und kann mit einem CO2-Zylinder in unter 15 Sekunden oder mit einer mechanischen Pumpe in einer Minute entfaltet und mit bis zu 200 kg Gewicht belastet werden.

Der entscheidende Unterschied zu Vorgängersystemen ist aber, alle bisherigen Systeme waren im Grunde auf eine Trage angewiesen und eher für den Friedensbetrieb ausgelegt. Das neue System ist mehr für den taktischen Einsatz und für Szenarien „unter Feuer“ ausgelegt. So kann es sogar auf Wasser schwimmen und durch raue Umgebungen gezogen werden, ohne dadurch beschädigt zu werden. Der Verzicht auf eine Trage spart Gewicht, was insbesondere den in kleinen Gruppen operierenden Spezialkräften entgegenkommt. Auch kann es besser in unwegsamen Geländeabschnitten wie Dschungel oder Gebirge, in denen die Nutzung von Fahrzeugen ausgeschlossen ist, eingesetzt werden. Ein Teil der Feldtests sieht auch einen Transport mit Hubschraubern und Flugzeugen vor.

Bundeswehr-Lösung

Anfang 2016 nahm auch die Bundeswehr einen Patiententransportisolator (PTI) in Nutzung, um eine Fähigkeitslücke des Medizinischen ABC-Schutzes der Bundeswehr in der Ebola-Lage zu schließen. Dieser kann verwundete Personen vor Kontaminierung durch ABC-Stoffe geschützt bzw. bereits kontaminierte Verwundete transportieren, ohne deren direktes Umfeld zu gefährden. Zwar gab es davor schon verschiedene Modelle für den Schutz, allerdings sind diese nur teilweise bei biologischer Bedrohung einsetzbar bzw.  schlichtweg zu unhandlich. Viele waren auch in Luftfahrzeugen nicht nutzbar.

Bundeswehr hat den Patiententransportisolator (PTI) von Beth-El Industries in Nutzung. (Foto: Sanitätsdienst Bundeswehr/Huss)

Der neue PTI schafft es aber biologische, chemische und atomare (Alpha- und sogar Beta-Strahlung) Bedrohungen abzuhalten oder aber auch „drin“ zu behalten. Dabei kann er bis zu 24 Stunden betrieben werden. Ermöglicht wird dies durch eine umfassende Schutzhülle und zwei Filtersysteme an Kopf- und Fußende, die für eine Luftzu- und abfuhr sorgen. Dabei wird gleichzeitig durch Unter- oder Überdruck die kontaminierte Luft drinnen bzw. draußen gehalten. Die Systeme werden mit handelsüblichen Batterien angetrieben und können sogar im laufenden Betrieb ausgewechselt werden. Leer wiegt der Isolator 3,8 kg, je nach Ausstattung bis zu maximal 10 kg. Der PTI ist geeignet für Personen mit einer Körpergröße zwischen 1,5 und 2,1m  geeignet. Durch Sicherheitsgurte wird der Patient innen gesichert und kann über sechs Trageschlaufen schnell verlegt werden. Zusätzlich kann die Hülle auf der einheitlichen NATO-Krankentrage fixiert und somit in allen Transportmitteln mit diesem Standard eingesetzt werden.

Bei der deutschen PTI handelt es sich um das IsoArk System des israelischen Herstellers Beth-El Industries. Die IsoArk Lösungen wurden seit 2002 im Auftrag der israelischen Streitkräfte und des Gesundheitsministerium entwickelt. Neben der PTI nutzt die Bundeswehr auch größere Zeltsysteme aus dem IsoArk Programm.

André Forkert