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Nach der Erstvorstellung des Lynx KF41 auf der Eurosatory 2018 in Paris nimmt Rheinmetall mit dem Kampffahrzeug mittlerweile an drei Wettbewerben teil: in Tschechien, Australien und den USA. Der vom Entwurf als Familienfahrzeug angelegte Panzer kann durch den modularen Aufbau flexibel an die Anforderungen der militärischen Kunden angepasst werden. 17 unterschiedliche Versionen stehen in den Wettbewerbsbüchern, vom Infanteriekampffahrzeug mit Turm und Kanone bis 50 mm über Kommando- und Aufklärungspanzer (mit Turm) bis zu Pionier-, Berge- und Sanitätspanzern (ohne Turm).

Die Modularität lässt in besonderem Maße die Beteiligung nationaler Industriepartner zu, um den Forderungen nach Technologie- und Knowhowtransfer sowie Wertschöpfung im eigenen (Empfänger-) Land gerecht werden zu können. Mit Stückzahlen von 210 (Tschechien), 400 (Australien) und über 4.000 (USA) haben die Programme erhebliches finanzielles Gewicht. Erste Entscheidungen über die Auswahl von Wettbewerbern (Downselection) werden noch in diesem Jahr erwartet.

Der Lynx KF41 ist eine gepanzerte Plattform in der 40 Tonnen-Klasse. Mit 15 Tonnen konfigurierbarer Masse können Varianten mit Gefechtsgewichten zwischen 36 und 50 Tonnen realisiert werden. Wanne und Turm werden mit hohem Grundschutz hergestellt und können bedarfsgerecht auf höhere Schutzlevel gebracht werden (auch mit aktivem Schutz). Die kombinierte Klimaanlage und ABC-Schutzbelüftung ist mit ABC-Schutzfiltern von Beth El bestückt. Als Antrieb dient ein 850 kW Diesel-Reihenmotor von Liebherr mit hohem Drehmoment in Verbindung mit einem automatischen Renk HSWL 256C Überlagerungslenkgetriebe. Im drehstabgefederten Laufwerk mit sechs Laufrollen sind Stoßdämpfer von Supashock verbaut. Als Gleiskette wird eine Systemkette von Defence Service Tracks (DST) verwendet.

Der bemannte Standard Lance-Turm ist mit einer 30 mm (Mk30-2/ABM) oder 35 mm Maschinenkanone bestückt, die unter Panzerschutz nachgeladen werden kann und für den Verschuss von Airburst-Munition gegen Flugzeuge oder ungeschützte Landziele vorbereitet ist. Mission-Pods auf beiden Seiten des Turms sind für die Ausrüstung mit z.B. Panzerabwehrraketen, UAV oder Mitteln für den Elektronischen Kampf vorgesehen.

Die elektronische Architektur auf 24 Volt-Basis mit CANBus, Generic Vehicle Architecture (GVA), integriertem Rechnersystem und WinBMS Gefechtsführungssystem wird ebenso wie die Ausstattung mit elektronischen/elektrischen Geräten über zwei Generatoren mit zusammen 600 A mit elektrischer Energie versorgt. Bei stehendem Fahrzeug kann der Motor mit reduzierter Leistung (und reduziertem Geräuschpegel) dauerhaft elektrische Energie bereitstellen.

Besonderheit des Lynx KF41 ist die abnehmbare Abdeckung der Wanne. Damit kann der Kampfraum binnen weniger Stunden mit einem Hochdach versehen werden, und so mehr Volumen für umfangreiche Missionsausstattung zu schaffen oder Stehhöhe zu erreichen. Je nach Konfiguration können im Innenraum bis zu neun Soldaten auf minengeschützten Sitzplätzen transportiert werden. Welche Ausrüstung in den verschiedenen Versionen untergebracht werden soll, wird in allen drei Wettbewerbsverfahren erst mit Vorliegen der endgültigen Ausschreibungsunterlagen festgelegt.

Rheinmetall hat den Lnyx KF41 vor internationalen Fachjournalisten in einer für den Wettbewerb in Tschechien geeigneten Version vorgestellt. Die Ausstattung mit Waffen, Beobachtungs-, Ziel und Feuerleiteinrichtungen sowie Kommunikation und weiterem elektronischen Gerät war beispielhaft, da die endgültige Spezifikation für das Fahrzeug noch nicht vorliegt. Wegen der geforderten Beteiligung der tschechischen Industrie wird sich die Auswahl der Industriepartner auf die Auswahl der Geräte auswirken. Der vorgestellte Lynx wird auf der International Defence and Security Technologies Fair (IDET) Ende Mai 2019 in Brünn ausgestellt.

Gerhard Heiming