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Die Bundeswehr hat entsprechend dem vereinbarten Lieferplan die ersten Mobil- und Bergekrane von der Liebherr-Werk Ehingen erhalten. Im Juni 2017 hatte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) Liebherr mit der Lieferung von insgesamt 71 geschützten Mobil- und Bergekranen im Wert von etwa 150 Millionen Euro beauftragt.

Die Bundeswehr hat 33 geschützte Berge- und Kranfahrzeuge (G-BKF) – vorrangig zum Bergen und Abschleppen schwerer Fahrzeuge – und 38 geschützte Mobilkranfahrzeuge (geschMobKr) – vorrangig für das Versetzen schwerer und überschwerer Lasten auch im Gelände – bestellt. Bei den Kranfahrzeugen liegt ein besonderer Fokus auf dem Schutz der Besatzungen im Einsatz. Daher sind die Krane mit geschützten Fahrerhäusern und geschützten Krankabinen ausgestattet, die von Rheinmetall zugeliefert werden. Für die Lieferung aller Kranfahrzeuge ist ein Zeitraum von drei Jahren vereinbart.

Bergekranfahrzeug G-BKF

Das G-BKF von Liebherr ist ein geschütztes Bergekranfahrzeug auf einem seriennahen vierachsigen Mobilkranfahrgestell. Es ist höchst geländegängig und wendig. Mit zwei Bergewinden von Rotzler und einer Abschleppbrille von Empl am Fahrzeugheck eignet es sich zum Bergen und Abschleppen einer Vielzahl von unterschiedlichen Fahrzeugen wie zum Beispiel der neuen Generation geschützter Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF), geschützter Transportfahrzeuge (GTF), MULTI FSA (Wechselladerfahrzeuge) sowie bereits in Nutzung befindlicher Radfahrzeuge unter Schutz des Bedienpersonals.

Erste geschützte Kranfahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert
Bergekranfahrzeug G-BKF (Foto: Rheinmetall)

Das G-BKF lässt sich flexibel und wirtschaftlich einsetzen, da es sowohl zum Bergen von Fahrzeugen als auch zum Heben von Lasten ausgerüstet ist. Mit einem 20,9 Meter langen Teleskopausleger setzt das G-BKF Lasten bis zu 20 Tonnen Gewicht schnell und präzise um.

Das Fahrzeug wird von einem 6-Zylinder Dieselmotor mit 400 kW Leistung und einem maximalen Drehmoment von 2.500 Nm über ein ZF-Schaltgetriebe mit Drehmomentwandler angetrieben. Damit kann das G-BKF eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erreichen.

Das 8×8-Fahrwerk in Verbindung mit dem All-Terrain-Fahrgestell ist Grundlage der Geländegängigkeit. Allradlenkung mit aktiver Hinterradlenkung mit fünf Lenkprogrammen ermöglicht besonders hohe Manövrierfähigkeit. Bei Straßenlenkung (P1) werden nur die Räder der Vorderachse gelenkt. Bei Allradlenkung (P2) werden die Räder der Vorderachsen und der Hinterachsen entgegengesetzt gelenkt. Dadurch ergibt sich ein kleinerer Kurvenradius. Im Hundegang (P3) werden aller Räder in die gleiche Richtung gelenkt. Damit kann das Fahrzeug parallel zur Längsachse verschoben werden. Die Lenkprogramme P4 und P5 ermöglichen Zwischenstufen zur Reduzierung des Ausschermaßes u.a. durch unabhängige Hinterachslenkung.

Mit einer halbautomatischen Reifendruckregelanlage kann der Reifendruck zwischen vier und neun bar eingestellt werden, um die Traktion durch Vergrößerung der Reifenaufstandsfläche zu verbessern.

Erste geschützte Kranfahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert

Geschützter Mobilkran geschMobKr

Der von der Bundeswehr in Auftrag gegebene geschMobKr ist ein seriennaher vierachsiger Mobilkran mit geschütztem Fahrerhaus und geschützter Krankabine. Sein All-Terrain-Fahrgestell verfügt über die neueste Chassis- und Antriebstechnologie, die auch in schwierigem Gelände für ein hervorragendes Handling sorgt.

Ein Sechszylinder-Liebherr-Dieselmotor im Fahrwerk, der 330 kW und ein Drehmoment von 2.335 Nm leistet, verleiht dem G-LTM die nötige Kraft. Er hat einen 35,7 Meter langen Teleskopausleger und eine Bergewinde am Fahrzeugheck. Im Auftragsvolumen der Bundeswehr sind 17 Geräte mit 8,4 Tonnen Gegengewicht, die als „Schwere Mobilkranfahrzeuge“ bezeichnet werden und 21 Geräte mit 22,5 Tonnen Gegengewicht mit der Bezeichnung „überschwere Mobilkrane“ enthalten. Lenksystem und Reifendruckregelung sind wie beim G-BKF.

Hohe Anforderungen beim Insassenschutz

Der Fokus bei der Auftragsvergabe galt dem Insassenschutz. Um die hohen Anforderungen in diesem Bereich zu erfüllen, arbeitet die Liebherr-Werk Ehingen GmbH für die Anteile geschütztes Fahrerhaus und geschützte Krankabine mit Rheinmetall zusammen. Die von Rheinmetall hergestellten Fahrerhäuser bieten der Besatzung Schutz vor ballistischen, Minen- und IED-Bedrohungen und sind zudem mit einer ABC-Schutzbelüftungsanlage ausgestattet.

Die ebenfalls von Rheinmetall produzierten Oberwagenkabinen bieten dem Kranführer während der Kranarbeiten ballistischen Schutz. Beide Kabinen sind für die Geräte geschMobKr und G-BKF baugleich.

Gerhard Heiming