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Der neue Vertrag „über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration“, der am 22. Januar im Krönungssaal des Aachener Rathauses feierlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron unterzeichnet wurde – dort, wo vor 1.200 Jahren der Palast Karls des Großen stand – hätte einen besseren Start verdient gehabt.

Auf den Tag 56 Jahre, nachdem Charles de Gaulle und Konrad Adenauer mit dem Elysée-Vertrag das Grundgerüst für die Versöhnung zwischen den beiden Nachbarn schufen, die den Großen Karl als gemeinsamen Urahnen sehen und sich jahrhundertelang bekriegt haben, zuletzt und am schrecklichsten im 20. Jahrhundert, sollte ein neuer Elysée-Vertrag dem schon seit einiger Zeit lahmenden deutsch-französischen Verhältnis einen neuen Schub geben. Dazu hatten die beiden Parlamente, der Bundestag und die Nationalversammlung, die Regierungen vor einem Jahr am 55. Jahrestag in einer gemeinsamen Resolution aufgefordert. Und so wollte es der damals noch neue, heute immer noch junge und dynamische Präsident in Paris, für den die umfassende Reform Frankreichs mit einer Neugründung der EU auf einer starken deutsch-französischen Grundlage untrennbar verbunden ist. Es sollte ein großer Wurf werden. Aber dafür konnte sich in Berlin niemand so richtig erwärmen.

Die politischen Zeiten sind ja auch schwierig, und das „Deutsch-Französische“ steht nicht mehr so weit oben auf der politischen Tagesordnung wie damals, als 1963 der Elysée-Vertrag entstand – weder an der Spree, noch an der Seine. Hinzu kamen Unstimmigkeiten in Berlin zwischen Bundestagspräsident und Bundeskanzleramt über Ort und Ablauf der Unterzeichnung. Diese warfen einen Schatten auf eine Zeremonie, die eigentlich einen Aufbruch signalisieren sollte – Aufbruch in eine neue Dimension der Integration. 

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