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Am Sonntag beginnt in Abu Dhabi die IDEX 2019, eine der größten Rüstungsmessen der Welt. Zu ihrer Bedeutung für die deutsche Industrie hat ES&T-Redakteurin Dorothee Frank im Info-Brief Heer des Förderkreises Deutsches Heer (FKH)  geschrieben. Wir dokumentieren diesen Beitrag mit freundlicher Genehmigung des FKH.

Vom 17. bis zum 21. Februar 2019 findet in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) wieder eine der weltweit bedeutendsten Rüstungsmessen statt. Es handelt sich um eine Show-of-Possibilities, die vor allem in die arabischen, aber auch in die übrigen asiatischen
Märkte und sogar den australischen Markt wirkt. Neben den beiden sich jährlich abwechselnden Messen für den europäischen Markt – DSEI in London und Eurosatory in Paris – sowie der AUSA in Washington für den amerikanischen Markt ist die IDEX alle zwei
Jahre der Treffpunkt, an dem auch deutsche Unternehmen ihre Lösungen für die Bedarfe in Asien und darüber hinaus präsentieren.

Die deutsche Straße auf der IDEX 2017 (Foto: Dorothee Frank)

Allerdings ist nun zu hören, dass die Bundesregierung die Teilnahme deutscher Unternehmen anscheinend behindert (oder vielleicht sogar verhindern will), indem das Wirtschaftsministerium die Ausfuhrgenehmigungen der Exponate so stark verzögert bzw.
nicht erteilt, dass deren Transport zur Messe kritisch bis unmöglich wird. Der politische Hintergrund liegt auf der Hand: Seit der Intervention einer breiten Militärallianz in den Bürgerkrieg im Jemen stehen Rüstungsexporte in arabische Staaten für die Bundesregierung aus einem zusätzlichen Grund auf dem Prüfstand. Eine Rüstungsmesse in
einem arabischen Land muss dementsprechend verdächtig wirken.

Es besteht allerdings die begründete Hoffnung, dass der Konflikt im Jemen in absehbarer Zeit endet und das Land dauerhaft und ohne weitere auswärtige Intervention stabilisiert werden kann. In diesem Fall würden auch die Rüstungsbeziehungen zu den heute militärisch involvierten Staaten in einem neuen Licht erscheinen, steht doch die Region
unter der Bedrohung eines wachsenden iranischen Einflusses. Diesen einzudämmen, Teheran vor militärischen Abenteuern abzuschrecken und Stabilität sicherzustellen, liegt im Interesse der in NATO und EU verbündeten Staaten wie auch Israels. Erreicht werden kann dieses Ziel nur, wenn die strategischen Partner in der Region über eine angemessene militärische Ausstattung verfügen.

Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi und Stv. Befehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate auf der IDEX 2017. (Foto: Dorothee Frank)

Die IDEX ist eine von mehreren Bühnen, auf denen sich globale Wettbewerber auch unter diesem Gesichtspunkt präsentieren. Dabei ist hinsichtlich der Beteiligung deutscher Unternehmen im Hinterkopf zu behalten, dass jedes Exportgeschäft, das auf einer Messe
oder anderswo angebahnt wird, stets unter dem Vorbehalt steht, dass die Bundesregierung ihre Zustimmung erteilt. Wer sich gar nicht zeigt, kann eine Messe wie die IDEX allerdings auch nicht für Geschäfte nutzen, die politisch als unbedenklich eingeschätzt würden.
Fast noch wichtiger als der arabische Markt, der schließlich nur aus wenigen
Ländern besteht, ist nämlich die Ausstrahlung der IDEX in Richtung Asien
und Ozeanien. Es handelt sich um eine reine Fachmesse, der Zutritt ist nur Militär, Regierungs- und Industrievertretern gestattet. In diesem Jahr nehmen rund 1.200 Aussteller teil, es werden über 200.000 Besucher erwartet. Zur IDEX 2017 kamen 172 offizielle internationale Delegationen aus 142 Ländern, darunter Verteidigungsminister, Rüstungsdirektoren und Generalstabschefs. Diese Zahlen zeigen, dass es sich um eine weltweite Branchenmesse und nicht um ein regionales arabisches Event handelt. Allein aus geographischen Gesichtspunkten bot sich Abu Dhabi an, als Mittler zwischen Europa und Asien zu dienen. Wobei die größte Gastnation bereits seit Jahren die USA sind.

Deutschland ist in diesem Jahr nicht nur mit einem gemeinsamen Auftritt der (wehrtechnischen) Industrie, der so genannten „Deutschen Straße“, sondern auch mit einem German Technology Campus vertreten, auf dem Kleine und Mittelständische Unternehmen (KMU) sowie Start-Ups die Möglichkeit bekommen, ihre Technologie respektive Produkte zu präsentieren.

Die deutsche wehrtechnische Industrie hat sich in den vergangenen Jahren mit der Präsentation ihrer Leistungsfähigkeit und des hohen technologischen Standes ihrer Produkte positiv von der Masse abheben können. Geschäfte mit Australien, Asien, aber auch europäischen Ländern, fanden auf der IDEX ihren Anfang. Um auch in diesem Jahr
an dieser bedeutenden Messe als starke Industrienation teilnehmen zu können, ist allerdings das Ausstellen von moderner Technologie und praxistauglicher Exponate notwendig. Das setzt die zeitgerechte Ausfuhrgenehmigung der Ausstellungsstücke durch das Bundeswirtschaftsministerium zwingend voraus. Nur mit Plakaten, Hochglanzbroschüren oder Videos ist kaum ein Kunde zu gewinnen.

Dorothee Frank

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