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Die U. S. Army erneuert in den nächsten Jahren ihre Flotte an Kampffahrzeugen. Um die Entwicklungs- und Beschaffungsvorhaben zu beschleunigen, hat die U.S. Army im letzten Herbst acht Cross Functional Teams (CFT) eingesetzt, von denen sich eines um die Kampffahrzeuge der nächsten Generation (Next Generation Combat Vehicles, NGCV) kümmert. Die kleinen CFT koordinieren als Team of Teams die Arbeit der Projektteams und haben unmittelbares Vortragsrecht bei der Führungsspitze der Army.

Der stellvertretende Direktor des NGCV CFT, Colonel Warren Sponsler, erläuterte auf der International Vehicles Conference in London die Arbeit des CFT und stellte die Projekte vor.

Die CFT gehören zum Army Futures Command, das zurzeit aufgebaut wird. Das NGCV CFT reduziert oder schließt für die Army die Lücke in den domänenübergreifenden Fähigkeiten. Dem AFC dient das CFT als primärer Integrator für alle unterstützenden Analysen, Modellierungen, Simulationen und technischen Demonstrationen. Der NGCV CFT-Direktor synchronisiert im Auftrag des AFC den Prozess zum Aufbau von Fähigkeiten und überführt die von der Army-Führung genehmigten Fähigkeiten schnell in das Beschaffungssystem der Army.

Dem NGCV CFT sind fünf Projekte zugeordnet. Ziel ist es, Kampffahrzeuge einzuführen, die die Leistungsfähigkeit der eingeführten Fahrzeuge bei geringerem Fahrzeuggewicht und mit verringertem logistischen „Footprint“ übertreffen. Dabei soll für Operationen in zukünftigem Gefechtsumfeld bei zunehmender Bedrohung eine langfristige Überlegenheit erreicht werden.

Im Folgenden werden die dem NGCV CFT zugeordneten Fahrzeuge beschrieben.

Joint Light Tactical Vehicle (JLTV)

Das JLTV ist ein geschütztes 4×4 Radfahrzeug, das als Mehrzweckfahrzeug mit über 50.000 Stück eingeführt wird. Es ersetzt das über 30 Jahre High Mobile Multirole Wheeled Vehicle (HMMWV), dessen Mobilität und vor allem Schutz nicht mehr den Anforderungen entsprachen. Mehr als zweitausend JLTV sind produziert und die ersten Truppenteile werden mit dem Fahrzeug ausgestattet. Der Serienvertrag über die volle Stückzahl wird in nächster Zeit erwartet.

Den JLTV von Oshkosh gibt es in vier Varianten. (Foto: Oshkosh)

Armored Multi-Purpose Vehicle (AMPV)

Das Armoured Multi-Purpose Vehicle in Versionen Universal- und Ambulanzfahrzeug. (Grafik: U.S. Army)

Der M113 hat als universelles Transportfahrzeug längst ausgedient. Als Ersatz hat die Army ein Fahrzeug mit deutlich gesteigerter Überlebensfähigkeit und vorbereitet für das digitale Gefechtsfeld gefordert, das die Operationen des Truppenführers im vollen Aufgabenspektrum der Brigade Combat Teams unterstützt. Fünf Versionen werden eingeführt: Universalfahrzeug (general purpose), Führungsfahrzeug, Mörserträger, Ambulanzfahrzeuge für Verwundetentransport (MedEvac) und -behandlung.

Die 2014 bei BAE Systems in Auftrag gegebenen 29 Demonstratorfahrzeuge sind im Test bei der U.S. Army. Es ist absehbar, dass der nächste Meilenstein im 1. Quartal 2019 erreicht wird, und der Auftrag für ein erstes Los von 289 Fahrzeugen in diesem Jahr erteilt werden kann. Der Gesamtbedarf liegt bei rund 3.000 Fahrzeugen.

Die erste Einheit soll Ende 2021 mit AMPV ausgestattet sein.

Mobile Protected Firepower (MPF)

Hohe Feuerkraft bei einem Gefechtsgewicht erheblich unter dem von Kampfpanzern ist die wichtigste Forderung an die MPF. Damit soll eine Feuerkraft vergleichbar zum Kampfpanzer in Geländeabschnitten verfügbar gemacht werden, die für Kampfpanzer nicht zugänglich sind. Neben der großkalibrigen Hauptwaffe sind unter Panzerschutz bedienbare Waffenstationen gefordert. Zwei MPF müssen gleichzeitig in einer C-17 Globemaster transportiert werden können.

BAE Systems bietet für den MPF eine großkalibrige Variante des CV90 an. (Foto: BAE Systems)

Im Dezember hat das U.S. Army Contracting Command BAE Systems (CV 90) und General Dynamics (Griffin) beauftragt, je 12 Demonstratorfahrzeuge herzustellen, die ab dem 4. Quartal 2020 im Vergleich getestet werden sollen. Nach Auswahl eines Auftragnehmers wird der Lieferauftrag für ein erstes Los Mitte 2022 erwartet.

Der Gesamtbedarf ist mit 504 Fahrzeugen angegeben.

Der Beginn der Auslieferung an die Truppe ist ab 2025 geplant.

Optionally Manned Fighting Vehicle (OMFV)

Als Ersatz für den Schützenpanzer Bradley fordert die U.S. Army ein Fahrzeug, das je nach Bedarf bemannte oder unbemannt eingesetzt werden kann (optionally manned). Neben einer Kanone mit größerem Kaliber, erhält das OMFV ein verbessertes und weiter reichendes Panzerabwehrraketensystem sowie die Fähigkeit zur Aufklärung mit weitreichenden Wärmebildgeräten. Das Fahrzeug wird mit einem aktiven Schutzsystem ausgestattet. Gewicht und äußere Abmessungen müssen den Transport in einer C-17 Globemaster zulassen.

Rheinmetall mit seinem Partner Raytheon will den Schützenpanzer Lynx KF 41 als Bradley Nachfolger anbieten. (Foto: Rheinmetall)

Neben BAE System mit dem CV 90 Mk IV und General Dynamics mit dem Griffin will Rheinmetall mit seinem Partner Raytheon den Schützenpanzer Lynx KF 41 anbieten. Der Wettbewerb soll in diesem Jahr beginnen. Ziel die Einführung in die Truppe ab 2026.

Stückzahlen sind noch nicht bekannt gegeben. Der Bradley ist mit rund 4.700 Fahrzeugen eingeführt.

Robotic Combat Vehicle (RGV)

Mit unbemannten Roboterfahrzeugen soll Feuerkraft an den Feind herangetragen werden, ohne eigenes Personal zu gefährden. Auf einer universellen Plattform realisiert, sollen drei Varianten entstehen. Eine leichte Variante für den Transport mit Hubschraubern, eine mittlere für den Transport in der C-130 Hercules und eine schwere, die zu zweit in einer C-17 Globemaster transportiert werden kann. Annäherungs- und Wirkungsphase werden teilautonom durchgeführt. Im Folge-Modus (RCV folgt dem Bediener automatisch) wird das RCV an den Einsatzort geführt. In der Stellung und im Feuerkampf hat der „man-in-the-loop“ dauerhaft die Kontrolle (und Verantwortung) über das Fahrzeug und die Waffe.

In drei Phasen ist die Untersuchung von insgesamt 30 RGV unterschiedlicher Größe vorgesehen. Eine Vorphase mit zwei RCV ist abgeschlossen.

Die Perspektive des Programms reicht derzeit bis 2023.

Future Decisive Lethality (OMT/NGT)

Für den Nachfolger des Kampfpanzers Abrams ist die Planung noch nicht weit fortgeschritten. In diesem Jahr soll über das U. S. Army Tank Automotive Research, Development and Engineering Center (TARDEC) eine Studie zum Kampfpanzer der nächsten Generation beginnen. Mit Blick auf zukünftige Bedrohungen, vorhandene und zukünftig benötigte Fähigkeiten sollen optimale Vorgehensweisen und Handlungslinien identifiziert werden, mit denen Bedrohungen in der Zukunft begegnet werden kann.

Folgende Ergebnisse könnten sich einstellen:

  • KPz Abrams wird weiter bedrohungsgerecht nachgerüstet, bis ausgereifte Technik für eine sprunghafte Verbesserung verfügbar ist,
  • ein je nach Bedarf bemannter oder unbemannter oder ein Roboter-Panzer
  • kein Panzer, sondern eine anders geartete Plattform, die die entscheidende Wirkungsüberlegenheit sicherstellt.

    Eine Konzeptgrafik von BAE Systems zeigt zukünftige gepanzerte Fahrzeuge, die mit einer großkalibrigen Kanone und taktischen Lenkflugkörpern ausgerüstet und mit unbemannten Boden- und Luftkampfsystemen vernetzt sind. (Grafik: BAE Systems)

Ein Ergebnis wird für 2023 erwartet, dass eine Entscheidung über den möglichen Ersatz des KPz Abrams nach über 40 Jahren Dienst in der Truppe möglich macht.

Gerhard Heiming

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